Unitymedia News

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Nicoco
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Re: Unitymedia News

Beitrag von Nicoco »

DH0GHU hat geschrieben:
Di 3. Dez 2019, 19:40
Ist bekannt, ob das Deutschlandradio für die Einspeisung nun wieder bezahlen muss?
Die DLFs täten gut daran, das Geld lieber in den weiteren DAB+-Ausbau zu stecken.
Natürlich muss Dlf bezahlen. Das ist gar nicht anders möglich, da sonst die Privaten klagen könnten.
Der Unterschied liegt jedoch darin, dass Vodafone deutlich geringere EInspeisegebühren verlangt, als Unitymedia. Bei Unitymedia wird dieser geringere Gebührensatz zum 1.1.2020 eingeführt, kurz darauf wird wohl die Einspeisung der 4 Dlf-Sender bei Unitymedia erfolgen. Selbes gilt für Dok&Deb im VF-Netz.

Aber der Dlf wird generell relativ wenig zahlen müssen, da Vodafone die Dlf Mediathek in die Giga TV- & Horizon-Mediatheken einbauen will, wofür natürlich auch wieder Lizenzgebühren von Vodafone an Dlf gezahlt werden müssen. Unterm Strich dürften sich die an Vodafone zu zahlenden Gebühren also im Rahmen halten.

GLS
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Re: Unitymedia News

Beitrag von GLS »

MainMan hat geschrieben:
Di 3. Dez 2019, 14:35
Jede Menge Kunden? Seriously?
Betrachtet man die nackten Zahlen, wird aus "jede Menge Kunden" eher "eine kleine Handvoll", die durch Zugewinne im 2play-Bereich mehr als wett gemacht werden.
Davon abgesehen zahlen die meisten Kabelkunden ihre Gebühren eh über die Nebenkosten, die gehen nicht verloren solange die WBGs mit lukrativen Verträgen geködert werden.
Aber so ein Gebahren, was Unitymedia mit dem Deutschlandradio abgezogen hat, spricht sich herum, auch in der Wohnungswirtschaft. Wenn dann plötzlich der 10-Jahres-Vertrag ausläuft und ein Alternativanbieter mit ähnlichen Preisen vor der Tür steht, überlegt sich eine WBG nicht selten, ob sie sich nochmal die Beschwerden der Mieter über einen Laden wie Unitymedia anhören will oder vielleicht lieber wechselt... Telekom und diverse FTTB-Anbieter lauern eben doch. Eine Stadt wie Ratingen, die vollständig mit FTTB erschlossen werden soll, will Unitymedia nicht komplett verlieren, oder? Das macht man auch nicht mit ein paar Internet-Verträgen wett, denn wo Unitymedia mit ihrem Koax-Kabel raus ist, ist Unitymedia-Internet technisch nicht mehr möglich.
Alqaszar hat geschrieben:
Di 3. Dez 2019, 18:39
Anbetracht der Tatsache, dass Kabel-UKW ein Auslaufmodell ist, bleibt die Diskussion über die Einspeisung der Dlf-Programme eine Randnotiz.
Es geht beim Deutschlandradio nicht um die analoge, sondern um die digitale Wiedereinspeisung.

MainMan
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Re: Unitymedia News

Beitrag von MainMan »

GLS hat geschrieben:
Mi 4. Dez 2019, 00:34
Telekom und diverse FTTB-Anbieter lauern eben doch. Eine Stadt wie Ratingen, die vollständig mit FTTB erschlossen werden soll, will Unitymedia nicht komplett verlieren, oder?
Geh mal davon aus, dass das Management von UPC bzw. jetzt Vodafone sowohl Marktsituation als auch Wettbewerber genauestens kennt. Die sind ihren Aktionären verpflichtet.
Die Ausspeisung von Spartenradios bei gleichzeitiger Verfügbarkeit der Livestreams sorgt(e) nicht für Kündigungswellen. Für die WBGs sind andere Faktoren entscheidend.

Im Übrigen gibts selbstverständlich auch bei der Telekom immer wieder Ausspeisungen. In BaWü sind letztes Jahr sämtliche Lokalradios und NKLs rausgeflogen.
Im Frühjahr waren dann France 2, 3 und 5 dran, im badischen Grenzgebiet durchaus relevant.
GLS hat geschrieben:
Mi 4. Dez 2019, 00:34
Alqaszar hat geschrieben:
Di 3. Dez 2019, 18:39
Anbetracht der Tatsache, dass Kabel-UKW ein Auslaufmodell ist, bleibt die Diskussion über die Einspeisung der Dlf-Programme eine Randnotiz.
Es geht beim Deutschlandradio nicht um die analoge, sondern um die digitale Wiedereinspeisung.
...und auch die digitale Einspeisung ist ein Auslaufmodell.
Aktuell nutzen bereits mehr Unity-Kunden Webradio als DVB-C über ihren Kabelanschluss.
Ich höre in diesem Moment die Lesart bei Dlf Kultur über Unitymedia. Einspeisung hin oder her.

GLS
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Re: Unitymedia News

Beitrag von GLS »

Na, wenn DVB-C hier schon zum Auslaufmodell erklärt wird (was es nicht ist), dann braucht es keinen Kabel-Zwangsvertrag mehr. Das freut die Mieter, denn die können sich dann ihren (IPTV-)Anbieter frei raussuchen. Da gewinnen freilich die mit dem besseren Angebot. Ob das im Sinne von Unitymedia/Vodafone ist?

MainMan
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Re: Unitymedia News

Beitrag von MainMan »

GLS hat geschrieben:
Mi 4. Dez 2019, 23:28
Na, wenn DVB-C hier schon zum Auslaufmodell erklärt wird (was es nicht ist)
Natürlich ist Hörfunk über DVB-C ein Auslaufmodell. Nichtmal jeder zehnte Kabelkunde nutzt es.
Bei der meistgenutzten Empfangsart kommt Kabelradio lt. Digitalisierungsbericht 2018 noch auf 2,2 %.
Und das war vor der DRadio-Ausspeisung.

Webradio kommt bei der "meistgenutzten Empfangsart" auf über 10 % mit kontinuierlich steigender Tendenz.
GLS hat geschrieben:
Mi 4. Dez 2019, 23:28
dann braucht es keinen Kabel-Zwangsvertrag mehr. Das freut die Mieter, denn die können sich dann ihren (IPTV-)Anbieter frei raussuchen. Da gewinnen freilich die mit dem besseren Angebot. Ob das im Sinne von Unitymedia/Vodafone ist?
Die von den WBGs gewünschte TV-Grundversorgung durch einen KNB stirbt mit der Bedeutung der linearen Verbreitung.
Ein Blick in die Schweiz zeigt, wohin die Reise geht: Dort findet bereits jetzt 56 % des Fernseh- und Videokonsums sowie 54% des Audiokonsums im Internet statt. Die Terrestrik ist tot, Satellit bald irrelevant und DVB-C verliert seit Jahren Nutzer.
Auch darauf wird sich Vodafone einstellen (müssen).
Nur wird es hierzulande wie so oft ein wenig länger dauern als bei den Eidgenossen.

GLS
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Re: Unitymedia News

Beitrag von GLS »

MainMan hat geschrieben:
Do 5. Dez 2019, 21:28
Natürlich ist Hörfunk über DVB-C ein Auslaufmodell. Nichtmal jeder zehnte Kabelkunde nutzt es.
Bei der meistgenutzten Empfangsart kommt Kabelradio lt. Digitalisierungsbericht 2018 noch auf 2,2 %.
Und das war vor der DRadio-Ausspeisung.
Dumm nur, dass Vodafone seit 2018 zahlreiche Radioprogramme auf DVB-C aufgeschaltet hat (Unitymedia wird folgen). Scheint ja eine krasse Fehlentscheidung von denen zu sein, auf so ein "Auslaufmodell" zu setzen. Und natürlich ist es logisch, vom Ist-Zustand auf den künftigen Zustand zu schließen. Jetzt ist es draußen bitterkalt, also dürfte der kommende Sommer ziemlich frostig werden. :verrueckt: Tschuldigung, aber ich werde ironisch, wenn ich mit Statistiken, die ich nicht selbst gefälscht habe, "beglückt" werde.
Webradio kommt bei der "meistgenutzten Empfangsart" auf über 10 % mit kontinuierlich steigender Tendenz.
Das soll die Radio-Zukunft sein? Webradio bietet nicht die Stabilität und Flexibilität einer DVB-Ausstrahlung, vom höheren Strombedarf ganz zu schweigen. Der größte Witz an Webradio (und Web-TV) ist jedoch, dass die Übertragungskosten von Sendern und Kunden bezahlt werden müssen. Einen Internetanschluss gibt's schließlich nicht für umme.
MainMan hat geschrieben:
Do 5. Dez 2019, 21:28
Die von den WBGs gewünschte TV-Grundversorgung durch einen KNB stirbt mit der Bedeutung der linearen Verbreitung.
Das Problem dabei ist nur: Das lineare Fernsehen stirbt nicht. Was nun?

MainMan
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Re: Unitymedia News

Beitrag von MainMan »

GLS hat geschrieben:
Do 5. Dez 2019, 22:47
Dumm nur, dass Vodafone seit 2018 zahlreiche Radioprogramme auf DVB-C aufgeschaltet hat (Unitymedia wird folgen). Scheint ja eine krasse Fehlentscheidung von denen zu sein, auf so ein "Auslaufmodell" zu setzen.
Solange ein Auslaufmodell noch monetarisierbar ist, wird es nicht vom Markt verschwinden. Analog-TV war spätestens seit der Abschaltung des analogen Premiere 2003 ein Auslaufmodell, dennoch gab es selbst 2015 noch Neueinspeisungen im Analogbereich. In einigen Inselnetzen gibt es bis heute analoge TV-Ausstrahlungen.
GLS hat geschrieben:
Do 5. Dez 2019, 22:47
Und natürlich ist es logisch, vom Ist-Zustand auf den künftigen Zustand zu schließen. Jetzt ist es draußen bitterkalt, also dürfte der kommende Sommer ziemlich frostig werden. :verrueckt: Tschuldigung, aber ich werde ironisch, wenn ich mit Statistiken, die ich nicht selbst gefälscht habe, "beglückt" werde.
Die genannten Daten entstammen den beiden Digitalisierungsberichten der Landesmedienanstalten aus den Jahren 2018 und 2019. Der Rückgang der Kabelradio-Nutzung beschreibt keinen Ist-Zustand, sondern einen jahrelangen Trend. Und es geht weiter bergab: 2017 war in 2,7 % der deutschen Haushalte Kabelradio die meistgenutzte Empfangsart, 2018 waren es 2,2 %, 2019 wurden 1,9 % ausgewiesen. Webradio ist derzeit in 11,0 % der Haushalte die meistgenutzte Empfangsart (2017: 7,7 %).

Aber klar, offizielle Statistiken, die nicht ins eigene Weltbild passen, müssen grundsätzlich gefälscht sein. Wozu Fakten, wenn man eine Meinung hat.
GLS hat geschrieben:
Do 5. Dez 2019, 22:47
Das soll die Radio-Zukunft sein? Webradio bietet nicht die Stabilität und Flexibilität einer DVB-Ausstrahlung, vom höheren Strombedarf ganz zu schweigen. Der größte Witz an Webradio (und Web-TV) ist jedoch, dass die Übertragungskosten von Sendern und Kunden bezahlt werden müssen. Einen Internetanschluss gibt's schließlich nicht für umme.
Bei DVB-S/C/T, DAB+ und UKW zahlst du die Übertragungskosten über den Rundfunkbeitrag bzw. über Abonnements, "Servicepauschalen" oder ganz einfach an der Supermarktkasse.
GLS hat geschrieben:
Do 5. Dez 2019, 22:47
Das lineare Fernsehen stirbt nicht. Was nun?
Bei den 14-29jährigen hat Streaming dem linearen TV-Konsum längst den Rang abgelaufen. In dieser Altersgruppe entfällt nur noch ein knappes Viertel des Videokonsums auf lineare Inhalte.
Kein Jugendlicher sitzt mehr pünktlich um 20.15 Uhr vor der Glotze, wenn Netflix und Youtube in der Hosentasche immer dabei sind.
Und wer so konditioniert wurde, wechselt nicht mit Ü30 plötzlich zum linearen TV.

Ein hochinteressantes Thema, das hier im News-Thread aber m.E. fehl am Platze ist.

Alqaszar
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Re: Unitymedia News

Beitrag von Alqaszar »

Durchaus nicht, denn UM/VF wird sich immer mehr zueinem Internetprovider verwandeln. Lineate Inhalte werden sicherlich nicht verschwinden. Die höherwertigen Inhalte, inklusive Fußball, werden allerdings nur noch beschränkt zur Verfügung stehen. Insofern ist dann lineares TV lediglich eine Dreingabe, das Pay-TV macht linear zunehmend keinen Sinn. So wird das lineare Free-TV den Weg des Festnetz-Telefonie-Anschlusses gehen, den man praktisch für Umsonst dazu bekommt.

Technisch gesehen wird damit DVB-C perspektivisch von IP-Streams abgelöst werden. Für den Kunden wird das egal sein.

Ich persönlich glaube sogar, dass aus dem Wandel des Medienkonsumverhaltens mittelfristig sogar Satelliten-TV sich nicht mehr lohnen wird, bzw. dessen Vorhandensein eher als Zeichen technischer Rückständigkeit gedeutet werden könnte.

Also, auch wenn lineares TV nicht aussterben wird (genau so wenig wie das Kino das Theater, oder das TV das Kino abgelöst haben), wird es sich mittelfristig nicht mehr eines eigenen technischen Vektors bedienen können. Das bedeutet aber, dass die Unterscheidung zwischen "Kabelnetzbetreiber" und "Internet Service Provider" irgendwann nicht mehr sinnvoll ist .
QTH: Viersen (NRW)

GLS
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Re: Unitymedia News

Beitrag von GLS »

MainMan hat geschrieben:
Fr 6. Dez 2019, 21:34
Die genannten Daten entstammen den beiden Digitalisierungsberichten der Landesmedienanstalten aus den Jahren 2018 und 2019. Der Rückgang der Kabelradio-Nutzung beschreibt keinen Ist-Zustand, sondern einen jahrelangen Trend. Und es geht weiter bergab: 2017 war in 2,7 % der deutschen Haushalte Kabelradio die meistgenutzte Empfangsart, 2018 waren es 2,2 %, 2019 wurden 1,9 % ausgewiesen. Webradio ist derzeit in 11,0 % der Haushalte die meistgenutzte Empfangsart (2017: 7,7 %).

Aber klar, offizielle Statistiken, die nicht ins eigene Weltbild passen, müssen grundsätzlich gefälscht sein. Wozu Fakten, wenn man eine Meinung hat.
Achso, ich argumentiere nicht mit Fakten? Das wusste ich nicht. Das Problem ist aber vielmehr, dass du falsche Schlüsse aus den Statistiken ziehst und diese uns als "Fakten" verkaufst.

Punkt 1 ist, du nimmst nur die Zahlen der "meistgenutzten Empfangsart". Das heißt aber nicht, dass alle, die hier kein Kabelradio angegeben haben, nie Kabelradio nutzen! Im Gegenteil: Häufig ist Kabelradio Zweit- oder Drittempfangsart. Ich z. B. nutze DVB-S, DVB-C, DAB und Webradio zu etwa gleichen Teilen. Wahrscheinlich hätte ich DVB-S angegeben, wäre ich gefragt worden. Dass ich DVB-C sehr wohl und häufig nutze, wäre unter den Tisch gefallen. Insofern ist diese Statistik als Quelle dafür, wer wie oft Kabelradio nutzt, für die Tonne. Die relevanten Daten hast du entweder nicht genannt oder wurden erst gar nicht abgefragt.

Punkt 2 ist, dass du willkürlich zwei Zahlen aus diesem Bericht herausgreifst und einen Gegensatz von zwei Techniken, nämlich Webradio und Kabelradio, konstruierst. Äpfel und Birnen sind auch beides Obst, klar. Aber da hört's auch schon auf. Bei "Kabelradio" wird in dieser Statistik anscheinend nicht zwischen analog und digital unterschieden, während Webradio immer digital ist. Kabelradio dürfte bis 2018 zu einem großen Teil analog genutzt worden sein, aber das war in der Tat eine veraltete Technik und die Leute sind davon weg (daher die Rückgänge). Im Unterschied dazu war DVB-C-Radio von den beiden größten Netzbetreibern bis 2018 sehr stiefmütterlich behandelt. Es gab meist nur die ÖR (ohne die richtigen Regionalversionen) und ein paar wenige bundesweite Private, oft noch verschlüsselt. Dann hat Vodafone eine Offensive gestartet und DVB-C-Radio erheblich ausgebaut, Unitymedia schläft noch. Dennoch ist die Qualität bei Vodafone bescheiden: Die ÖR werden immer noch künstlich auf 192 kbit/s heruntergerechnet, die Privaten und die Regionalen oft von analoger Terrestrik abgegriffen, was nicht selten Klangmatsch und leichtes hörbares Rauschen bedeutet. Ob so die Scharen zu DVB-C-Radio laufen, darf man bezweifeln. Als Übergang zu einer rein digitalen Zuführung ist das den Umständen entsprechend aber vertretbar. Kleine Netzbetreiber wie wilhelm.tel (+ angeschlossene Netze) und M-net zeigen, wie's geht, aber die haben nicht ausreichend Kunden um in deiner bundesweiten Statistik berücksichtigt zu werden. Das Problem also zusammengefasst: Die großen Kabelbetreiber mach(t)en (bisher) ein schlechtes Angebot bei DVB-C-Radio und dann wundern sie sich, dass es vielleicht nur wenige Leute nutzen. Wie dumm ist das denn? :verrueckt:

Also besser erstmal nachdenken, bevor man mit Zahlen um sich wirft.
Bei DVB-S/C/T, DAB+ und UKW zahlst du die Übertragungskosten über den Rundfunkbeitrag bzw. über Abonnements, "Servicepauschalen" oder ganz einfach an der Supermarktkasse.
... was immer noch erheblich billiger ist, als wenn alle über Webstreams hören würden. Dafür gibt es zahlreiche Studien, die du als Statistik-Fan mit Freude lesen dürftest.
Bei den 14-29jährigen hat Streaming dem linearen TV-Konsum längst den Rang abgelaufen. In dieser Altersgruppe entfällt nur noch ein knappes Viertel des Videokonsums auf lineare Inhalte.
Kein Jugendlicher sitzt mehr pünktlich um 20.15 Uhr vor der Glotze, wenn Netflix und Youtube in der Hosentasche immer dabei sind.
Und wer so konditioniert wurde, wechselt nicht mit Ü30 plötzlich zum linearen TV.
Hier stimme ich der Analyse im Wesentlichen zu. Nur hat halt Broadcast-TV, und das ist eines der größten Missverständnisse dieser Diskussion, die hier zumindest teilweise on-topic ist, seit rund 40 Jahren die Möglichkeit, dass man es zeitversetzt nutzen kann. Freilich war es in den Anfangsjahren noch aufwändig, aber seit 20 Jahren ist es nun wirklich sehr einfach geworden. Klar, viele Inhalte werden nicht per Broadcast ausgestrahlt, aber das ist in Ordnung. Beide System werden auf lange Zeit nebenher bestehen. Live-TV wird es eh immer geben, denn ich glaube nicht, dass sich jemand die nächste Fußball-WM o. ä. nur zeitversetzt in der Mediathek anschauen will...
Alqaszar hat geschrieben:
Sa 7. Dez 2019, 02:33
Ich persönlich glaube sogar, dass aus dem Wandel des Medienkonsumverhaltens mittelfristig sogar Satelliten-TV sich nicht mehr lohnen wird, bzw. dessen Vorhandensein eher als Zeichen technischer Rückständigkeit gedeutet werden könnte.
Das sehe ich auch so, aber nicht als Gegensatz von Broadcast- vs. Internet-TV. Sat-TV ist praktisch Richtfunk und Richtfunk ist in der Terrestrik und beim Kabel in den letzten Jahrzehnten durch Glasfaser ersetzt worden. Wenn es dieses Land eines Tages (ja, ich weiß, ist schwer im "Neuland" :rolleyes:) geschafft haben wird, praktisch jeden Haushalt zu verkabeln, braucht es in der Tat kein Sat-TV mehr. Im Glasfasernetz hat man dann DVB (für die meistgenutzten Angebote im Free-TV), IPTV (für weniger genutzte oder spezielle Inhalte wie Pay-TV) und die Mediatheken parallel.

MainMan
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Re: Unitymedia News

Beitrag von MainMan »

GLS hat geschrieben:
So 8. Dez 2019, 18:23
Achso, ich argumentiere nicht mit Fakten? Das wusste ich nicht.
Du argumentierst normativ. Kann man machen. Ist aber in einer Branche wie unserer, die einem rasanten Wandel unterworfen ist, ganz dünnes Eis.
GLS hat geschrieben:
So 8. Dez 2019, 18:23
Das Problem ist aber vielmehr, dass du falsche Schlüsse aus den Statistiken ziehst und diese uns als "Fakten" verkaufst.
Ich gebe wieder was an Datenmaterial aus den letzten fünf Jahren vorliegt. Daraus lassen sich ein Trend und eine These ableiten.
Schlüsse daraus ziehen kann jede/r wie er/sie mag.
Es wäre der Diskussion aber durchaus zuträglich, wenn du die DLM-Berichte zumindest lesen würdest.
GLS hat geschrieben:
So 8. Dez 2019, 18:23
Punkt 1 ist, du nimmst nur die Zahlen der "meistgenutzten Empfangsart". Das heißt aber nicht, dass alle, die hier kein Kabelradio angegeben haben, nie Kabelradio nutzen! Im Gegenteil: Häufig ist Kabelradio Zweit- oder Drittempfangsart. Ich z. B. nutze DVB-S, DVB-C, DAB und Webradio zu etwa gleichen Teilen. Wahrscheinlich hätte ich DVB-S angegeben, wäre ich gefragt worden. Dass ich DVB-C sehr wohl und häufig nutze, wäre unter den Tisch gefallen. Insofern ist diese Statistik als Quelle dafür, wer wie oft Kabelradio nutzt, für die Tonne. Die relevanten Daten hast du entweder nicht genannt oder wurden erst gar nicht abgefragt.
Die Daten wurden erhoben und ich nenne sie dir gerne. Das Problem ist nur, dass deine These von der Relevanz des Kabelradios dadurch vollends ad absurdum gefürt wird.

Wenn du Zweit- und Drittempfangsart hinzuaddierst, kommst du auf beim Kabel bundesweit auf einen Gesamtwert von 3,7%. Zum Vergleich: Webradio kommt auf 13,0%, DAB+ auf 18,4%.
GLS hat geschrieben:
So 8. Dez 2019, 18:23
Punkt 2 ist, dass du willkürlich zwei Zahlen aus diesem Bericht herausgreifst und einen Gegensatz von zwei Techniken, nämlich Webradio und Kabelradio, konstruierst. Äpfel und Birnen sind auch beides Obst, klar. Aber da hört's auch schon auf. Bei "Kabelradio" wird in dieser Statistik anscheinend nicht zwischen analog und digital unterschieden, während Webradio immer digital ist. Kabelradio dürfte bis 2018 zu einem großen Teil analog genutzt worden sein, aber das war in der Tat eine veraltete Technik und die Leute sind davon weg (daher die Rückgänge). Im Unterschied dazu war DVB-C-Radio von den beiden größten Netzbetreibern bis 2018 sehr stiefmütterlich behandelt. Es gab meist nur die ÖR (ohne die richtigen Regionalversionen) und ein paar wenige bundesweite Private, oft noch verschlüsselt. Dann hat Vodafone eine Offensive gestartet und DVB-C-Radio erheblich ausgebaut, Unitymedia schläft noch. Dennoch ist die Qualität bei Vodafone bescheiden: Die ÖR werden immer noch künstlich auf 192 kbit/s heruntergerechnet, die Privaten und die Regionalen oft von analoger Terrestrik abgegriffen, was nicht selten Klangmatsch und leichtes hörbares Rauschen bedeutet. Ob so die Scharen zu DVB-C-Radio laufen, darf man bezweifeln. Als Übergang zu einer rein digitalen Zuführung ist das den Umständen entsprechend aber vertretbar. Kleine Netzbetreiber wie wilhelm.tel (+ angeschlossene Netze) und M-net zeigen, wie's geht, aber die haben nicht ausreichend Kunden um in deiner bundesweiten Statistik berücksichtigt zu werden. Das Problem also zusammengefasst: Die großen Kabelbetreiber mach(t)en (bisher) ein schlechtes Angebot bei DVB-C-Radio und dann wundern sie sich, dass es vielleicht nur wenige Leute nutzen. Wie dumm ist das denn?
Die DLM unterscheidet tatsächlich nicht zwischen analogem und digitalem Kabelhörfunk, sondern bildet einen Gesamtwert aus beidem. Und dieser Gesamtwert fällt und fällt.
-> These: Kabelradiohörer wechseln nach der Analogabschaltung mehrheitlich nicht zu DVB-C, sondern klemmen eine terrestrische Antenne an den vorhandenen Tuner.
Oder sie wechseln zu DAB+ und Webradio, beide wachsen exponentiell.

Dass Kabelradio mehr Nutzer haben könnte, wenn das Angebot attraktiver wäre, ist unwidersprochen. Nur macht das von den Großkablern keiner, stattdessen bieten VF vom Optimod-vermatschtes UKW in recodierter Form (Private) sowie den Hörfunk-TP der ARD in kastrierter Form. Und an diesem Zustand wird sich nichts mehr ändern, wozu auch. Wer die Anbietervielfalt im Web einmal kennengelernt hat, möchte sie nicht mehr missen. Stattdessen gibt es Indizien, wonach der Hörfunk-TP via Astra und VF gekappt werden soll.
GLS hat geschrieben:
So 8. Dez 2019, 18:23
Also besser erstmal nachdenken
Dito.
GLS hat geschrieben:
So 8. Dez 2019, 18:23
Klar, viele Inhalte werden nicht per Broadcast ausgestrahlt, aber das ist in Ordnung. Beide System werden auf lange Zeit nebenher bestehen. Live-TV wird es eh immer geben, denn ich glaube nicht, dass sich jemand die nächste Fußball-WM o. ä. nur zeitversetzt in der Mediathek anschauen will...
Natürlich wird es immer Live-TV geben. IP-basiert. So praktizieren es DAZN, Sky Go, Eurosport mit Premiumcontent schon lange. In der Schweiz nutzt jeder zweite Haushalt live-TV via IP.

Deutschland ist da tatsächlich sehr weit hinterher. Aber auch hier gibt es eine klare Tendenz, da die Nachfrage von zwei Seiten getrieben wird: Den Endverbrauchern und den Contentvermarktern.
Letztere können Ihre Inhalte individuell adressieren und vermarkten. Kann man begrüßen oder auch nicht.

-> These: die Contentanbieter werden ihre Premiuminhalte zunehmend selbst vermarkten und die Netzbetreiber zB durch Eigenproduktionen in den Contentmarkt einsteigen.
Den "Umweg" über eine herkömmliche TV-Anstalt braucht es dann nicht mehr.

wolfgangF
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Re: Unitymedia News

Beitrag von wolfgangF »

Zitat MainMan:

Bei DVB-S/C/T, DAB+ und UKW zahlst du die Übertragungskosten über den Rundfunkbeitrag bzw. über Abonnements, "Servicepauschalen" oder ganz einfach an der Supermarktkasse.



Was soll denn diese Aussage? :confused:

DVB-S, DVB-T, UKW und DAB+ sind durch den Rundfunkbeitrag abgegolten, den jeder Haushalt bezahlt. Für Webradio und insbesondere für DVB-C muss man dagegen ganz schön viel Geld zahlen, und zwar zusätzlich zum Rundfunkbeitrag.

Chris_BLN
Beiträge: 674
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Re: Unitymedia News

Beitrag von Chris_BLN »

GLS hat geschrieben:
So 8. Dez 2019, 18:23
Kabelradio dürfte bis 2018 zu einem großen Teil analog genutzt worden sein, aber das war in der Tat eine veraltete Technik und die Leute sind davon weg (daher die Rückgänge).
So ganz freiwillig sind viele davon nicht weg. Es wurde ihnen weggenommen durch Abschaltung. In meinem Bekanntenkreis war bei vielen "normalen" Menschen das Wohnzimmerradio ganz selbstverständlich ans Kabel angeschlossen. Das war bei den 40-jährigen genauso wie bei den 90-jährigen (!). Es ging da ganz klar um die Vorteile: mehr Programme (...und damit vielleicht ein, zwei brauchbare) verglichen zur regionalen Terrestrik und der fast immer bessere Empfang sogar der Ortssender verglichen zur Wurfantenne.

Der Frust war und ist groß über die Abschaltung. Nicht immer sind die Haushalte so ausgestattet, dass es gleich nahtlos mit IP weitergehen kann. Bei Senioren gibt es teilweise keinen Internetzugang als Voraussetzung für IP. Bei jüngeren Leuten habe ich erlebt, dass zwar Internet vorhanden ist, aber eben mit einem Kabel in das eine Laptop - und das Kabel wurde sofort wieder nach Abrufen der Mails rausgezogen aus Angst vor "digitalen Eindringlingen". So erlebt bei einer promovierten Medizinerin um die 40. Oder es gibt WLAN, aber keine autarken IP-Empfänger, sondern nur das Laptop, das auf dem Schreibtisch steht im Arbeitszimmer und eben nicht im Wohnzimmer. Die Totalvernetzung mit Echo und Internetradios und sonstwas kenne ich eher nicht. Dafür habe ich wohl zu viele Akademiker im Umfeld.
GLS hat geschrieben:
So 8. Dez 2019, 18:23
Im Unterschied dazu war DVB-C-Radio von den beiden größten Netzbetreibern bis 2018 sehr stiefmütterlich behandelt. Es gab meist nur die ÖR (ohne die richtigen Regionalversionen) und ein paar wenige bundesweite Private, oft noch verschlüsselt.
Alleine diese Öffis sind für Menschen, die kulturvoll Radio hören wollen, bereits viel, viel mehr als das regionale terrestrische Angebot. Klar, die örtlichen Hit-Dudler waren nicht dabei. Aber die dudeln meist ausreichend gut in der Küche auf dem Fensterbrett - oder haben "Hausverbot" wie bei den Leuten aus meinem Umfeld, wo wirklich nur DLF, DLF Kultur und vielleicht noch das regionale Kulturprogramm gehört wird, wenn man nichts weiteres und besseres kennt.
GLS hat geschrieben:
So 8. Dez 2019, 18:23
Dennoch ist die Qualität bei Vodafone bescheiden: Die ÖR werden immer noch künstlich auf 192 kbit/s heruntergerechnet, die Privaten und die Regionalen oft von analoger Terrestrik abgegriffen, was nicht selten Klangmatsch und leichtes hörbares Rauschen bedeutet.
Immerhin sind diese 192 kbps nicht merklich "matschiger" als das Original - aber die Höhen fehlen ab 13,5 kHz. Die fehlen aber z.B. auch dem Hamburger Lokalradio in der Vodafone-DVB-Variante, was einen Hörer (das ist schon eine lustige Truppe) soweit mir bekannt zu einer Beschwerde bei der Landesmedienanstalt brachte. Dürfte nur nichts daraus geworden sein.

Es ist schon auffällig mit diesen 13,5 kHz. Ist das irgendein bestimmter Encoder oder Transcoder eines ganz bestimmten Herstellers, der da schon bei 13,5 kHz "dicht" macht? ADR ging bei ebenfalls 192 kHz bei Programmen, die kein UKW-Processing drin hatten, munter bis ca. 20 kHz hoch.
GLS hat geschrieben:
So 8. Dez 2019, 18:23
Als Übergang zu einer rein digitalen Zuführung ist das den Umständen entsprechend aber vertretbar.
Ob es diese "rein digitale Zuführung" in Deutschland mal geben wird? Also in "hochwertig"? Aus der Schweiz kenne ich so etwas. Da steht im Technik-Raum eines Lokalradios ganz selbstverständlich der Coder für das regionale Kabelnetz und der Coder für die Swisscom (IP). In Deutschland wird es das nicht geben, höchstens in der Form, die die ARD mit dem Kabelcompression-Center ohnehin schon angeboten hat. Bei den Privatdudlern wird man "voll digital" halt den MP3-Stream abgreifen, was bei DVB-C dann Transcoding bedeutet.

Ich weiß nicht, wie die PYUR das in Berlin macht mit den lokalen UKW-Privaten. Die sind seit März 2019 in 320 kbps Layer II mit allen RDS-Daten dabei - so als ob man sie terrestrisch abgreifen würde. Soweit mir auf einem Foto aus dem PYUR-Headend Landsberger Allee ersichtlich (durfte aber nur drauf schauen und es nicht kopieren und mitnehmen) standen da QBit-Geräte. Da gibt es 8-fach UKW-> DVB-TS-Encoder. Da diese Privatdudler immer brüllend laut sind, konnte ich keinen "Rausch-Test" machen, um ggf. UKW als Quelle zu entlarven. Sie klingen so "sauber" oder eben auch nicht, wie es die Programmveranstalter wollen. Hier mal der Schnelldurchlauf: https://we.tl/t-Ii1mlRXAZi

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die immer klamme PYUR da Coder bei allen Programmveranstaltern aufgestellt und Leitungen angemietet hat. Denkbar wäre noch, auf dem Fernsehturm die ankommenden Streams anzuzapfen und umzuwandeln (weil die ja nicht zwingend via 320 Layer II mit eingebetteten RDS-Daten ankommen müssen, sondern auch beispielsweise aptX sein können) - halte ich auch für nur gering wahrscheinlich.

Auf jeden Fall dürfte es kaum jemandem in der UKW-Hölle Berlin möglich sein, diese Programme von UKW mit einer Wurfantenne in dieser Qualität abzugreifen. Wie die einzelnen Livestreams sind, die von den Programmen selbst angeboten werden, weiß ich nicht. Es müssten mindestens 192er sein, um diese Freiheit von Artefakten zu erreichen. Ob irgendwer seinen Stream ohne UKW-Processing fährt - keine Ahnung.
MainMan hat geschrieben:
Mo 9. Dez 2019, 12:52
-> These: Kabelradiohörer wechseln nach der Analogabschaltung mehrheitlich nicht zu DVB-C, sondern klemmen eine terrestrische Antenne an den vorhandenen Tuner.
Oder sie wechseln zu DAB+ und Webradio, beide wachsen exponentiell.
Die Wurfantenne ist natürlich das erste, was man versucht. Und dann gibt es bei alljenen, die nicht den regionalen Hitdudler hören wollen, gaaanz lange Gesichter. In Berlin Oberschöneweide, 9 km vom Fernsehturm Alexanderplatz entfernt, bekommt man im 1. OG mit Wurfantenne nur den DLF leidlich brauchbar. DLF Kultur rauscht unerträglich, die ex-SFB-Sender vom Scholzplatz (19 km) sind teils nichtmal mehr monotauglich. Und das ist alles wohnzimmer-untauglich, es ging um Kulturprogramme.

Also habe ich dort auf DVB-C umgestellt - der TV stand eh daneben und hat nen Panel-Timeout. Noch etwas näher dran (Plänterwald) am Fernsehturm wäre im 3. OG das gewünschte Schlager-Gedudel durchaus mit Wurfantenne gegangen. Doch da sollte es unbedingt ein TechniSat Cablestar sein, der Hausherr gibt sich dort mit Mitte 70 sehr technik-affin, alles neue muss her. Also brennt dort seit einem Jahre ein Cablestar sein "Off" ins Display am Netz der Vodafone.

In Thüringen kenne ich es so, dass auf DVB-C umgestellt wurde bei einem Freund (PYUR). Die andere Bekannte ist ohnehin weggezogen, ich vermute, sie hätte nur auf Wurfantenne umgestellt und DLF Kultur als einziges in ihrer Wohnung brauchbares Programm genutzt.

Der dritte Anschluss in Jena, den ich kenne, wurde bereits eher abgeschaltet (Freiluftverkabelung mit DDR-Bauteilen ohne jede Schirmung, das hat die PYUR, die dieses kleinere Netz irgendwann übernommen hat, dann abgeknipst). Die dortigen Anschlussinhaber hatten das nur noch wegen UKW (in diesem Klein-Netz gab es mit DLF, DLF Kultur, Bayern 2, BR Klassik, MDR Kultur, hr2, WDR 3 und NDR Kultur erstaunlich viele "Klassikprogramme"), während TV via altes DVB-T lief, weil er keinen DVB-C-Empfänger drin hatte. TV hat man dann noch auf DVB-T2 umgestellt mit externem Receiver, Radio blieb immer noch am Kabel - bis zu dessen Ende. Die Frau (damals knapp 80) drehte beinahe durch, als man ihr "mein Radio" nahm. Langes Frühstück mit Hörern von Klassik oder einer Lesung war da täglicher Standard. Das Radio lief ansonsten auch zu Konzerten etc. oft. Inzwischen hat sichs erledigt: der Mann ist dieses Jahr verstorben, die Frau wohl in eine Pflegeeinrichtung gekommen (körperlich völlig fit, aber nach dem Tod des Mannes "durchgedreht").

Nebenan in Gera läuft in einem Stadtteil-Netz noch UKW mit 44 Programmen. Ich weiß, dass das genutzt wird. Auch aus Sachsen-Anhalt habe ich Rückmeldung, dass bei einer UKW-Test-Abschaltung in einem Regionalnetz sofort Anrufe kamen - vor allem von Schlagerhörern, die B2 und Paloma oder hr4 über das UKW-Kabel nutzen.

DAB und Webradio klingen meist scheiße verglichen zu gutem UKW-Kabelempfang. Das kann ich gerne belegen.
MainMan hat geschrieben:
Mo 9. Dez 2019, 12:52
Dass Kabelradio mehr Nutzer haben könnte, wenn das Angebot attraktiver wäre, ist unwidersprochen. Nur macht das von den Großkablern keiner
Doch - die PYUR hat in ihren Großnetzen inzwischen um die 100 DVB-C-Radioprogramme drin, greift aber teils die Lokalen vom Lifestream ab und bietet damit formal schlechtere Qualität als den Stream selbst. Das betrifft aber ohnehin keine hochwertigen Programme. Welchen Hörer von MDR Sachsen stört es schon, wenn er recodierte einstige 128 kbps MP3 vorgesetzt bekommt? Das ist ein Thema für die echten Zuhörer. Die gibt es teils bei den Kulturwellen.
MainMan hat geschrieben:
Mo 9. Dez 2019, 12:52
Den "Umweg" über eine herkömmliche TV-Anstalt braucht es dann nicht mehr.
Geht das auch mit aktuellen Nachrichten, mit Sendungen zu aktuell gesellschaftlich relevanten Themen und mit Berichten aus der Region? Sowas braucht Journalisten und Redaktionen und kostet ein Schweinegeld. Eine gebührenfinanzierte TV-Anstalt könnte sowas bei Umlegung auf "alle" zu sozial verträglichen Preisen machen (man nehme den Rundfunkbeitrag und ziehe alles ab, was mit Sportrechten für Großveranstaltungen zu tun hat, man ziehe alles ab, was mit billiger Unterhaltung zu tun hat etc., man ziehe ab, was man nicht mehr an Standorten / Flächen braucht, wenn man sich auf relevante Inhalte konzentriert und addiere den Einnahmeverlust durch ein komplettes Werbeverbot). Ein anderer Content-Anbieter müsste sehr hohe Preise verlangen, wenn er diese Inhalte je Kunde einzeln in Rechnung stellt, weils dann wieder nur die Bildungselite nutzen würde. Damit bliebe man wieder unter sich und es gäbe nicht einmal die Hoffnung auf Streueffekte.

GLS
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Re: Unitymedia News

Beitrag von GLS »

MainMan hat geschrieben:
Mo 9. Dez 2019, 12:52
Du argumentierst normativ. Kann man machen. Ist aber in einer Branche wie unserer, die einem rasanten Wandel unterworfen ist, ganz dünnes Eis.
Natürlich argumentiere ich normativ, das machen wir alle. Nur folge ich halt nicht der "Der Markt wird es schon richten"-Ideologie - vielleicht ist es das, was auffällt. Ich bin nicht in der Branche aktiv, sondern Nutzer von Radioangeboten, der sich Sorgen macht, wenn - wie im Beispiel Unitymedia oder vorher beim absurden Streit von Vodafone/KDG mit den ÖR - irgendwelche Leute aus der "Branche", die von Technik keine Ahnung haben, aber behaupten, "ganz gut" BWL zu können, den Laden an die Wand fahren. Eine Umstellung auf "IP-only" wäre so eine Situation. Die Unitymedia-Führung hat in der Vergangenheit ja oft genug den Harakiri-Kurs eingeschlagen, sodass ich direkt froh war, dass der Laden von Vodafone übernommen wurde. Ob es aber besser wird, muss sich noch zeigen.
Wenn du Zweit- und Drittempfangsart hinzuaddierst, kommst du auf beim Kabel bundesweit auf einen Gesamtwert von 3,7%. Zum Vergleich: Webradio kommt auf 13,0%, DAB+ auf 18,4%.
Offenbar lese ich den DLM-Bericht genauer als du. Diese Zahlen, die du für eine allgmeine bundesweite Nutzungsstatistik anführst, stammen alleine aus Bayern, nämlich von der Funkanalyse, und beschreiben nur die Tage Montag bis Freitag. Wenn du die Zahlen aus Bayern, wo DAB ungemein erfolgreich ist, für die gesamte BRD hernehmen willst, ist das eine Annahme, die nicht belegt ist. Das musst du angeben, ansonsten ist es wirklich "gelogen mit Statistik", sorry.
Die DLM unterscheidet tatsächlich nicht zwischen analogem und digitalem Kabelhörfunk, sondern bildet einen Gesamtwert aus beidem. Und dieser Gesamtwert fällt und fällt.
-> These: Kabelradiohörer wechseln nach der Analogabschaltung mehrheitlich nicht zu DVB-C, sondern klemmen eine terrestrische Antenne an den vorhandenen Tuner.
Oder sie wechseln zu DAB+ und Webradio, beide wachsen exponentiell.
Da widerspreche ich nicht, "mehrheitlich" trifft es wohl ziemlich gut. Dennoch halte ich diese 3,7% in Bayern, die Kabelradio nutzen, für eine erstaunlich hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass analoges Kabelradio vollständig abgeschaltet wurde. 3,7% hören also regelmäßig über DVB-C in Bayern Radio - und das, obwohl es kaum Stand-alone-Empfänger dafür gibt und das Angebot bei Vodafone bis letztes Jahr zumindest dürftig war und die Qualität bescheiden ist.
Dass Kabelradio mehr Nutzer haben könnte, wenn das Angebot attraktiver wäre, ist unwidersprochen. Nur macht das von den Großkablern keiner, stattdessen bieten VF vom Optimod-vermatschtes UKW in recodierter Form (Private) sowie den Hörfunk-TP der ARD in kastrierter Form. Und an diesem Zustand wird sich nichts mehr ändern, wozu auch.
Weil Webradio Broadcast nicht ersetzen kann. Nochmal: Webradio ist nicht so stabil und nicht so flexibel wie DVB. Dazu ist Webradio in der Verbreitung viel teurer, das merken auch die Sender. Die Studien über die Kosten von IP-Radio ignorierst du leider weiterhin. Über DVB-C und auch -S werden die Audio-Streams halt huckepack mit aufgeschaltet und es ist günstig: Für den Platzbedarf eines Fernsehsenders bekommt man das zigfache an Radiosendern untergebracht. Die Vielfalt im Web ist unbestritten, aber viele Zuhörer sind von sog. WLAN-Radios überfordert. Sie möchten lieber ihre 3-4 Lieblingssender einfach finden und gut ist. Was ist so schwer daran zu verstehen, dass Broadcast und IP für lange Zeit parallel bestehen werden?
Natürlich wird es immer Live-TV geben. IP-basiert. So praktizieren es DAZN, Sky Go, Eurosport mit Premiumcontent schon lange. In der Schweiz nutzt jeder zweite Haushalt live-TV via IP.

Deutschland ist da tatsächlich sehr weit hinterher. Aber auch hier gibt es eine klare Tendenz, da die Nachfrage von zwei Seiten getrieben wird: Den Endverbrauchern und den Contentvermarktern.
Letztere können Ihre Inhalte individuell adressieren und vermarkten. Kann man begrüßen oder auch nicht.
Auch beim TV die Frage: Wie teuer ist das eigentlich, wenn alles über IP kommen soll, für das Gesamtsystem, also die Volkswirtschaft, besonders im Bezug auch auf steigende Strompreise, die zu erwarten sind? Ansonsten s. o.
Chris_BLN hat geschrieben:
Di 10. Dez 2019, 12:27
Alleine diese Öffis sind für Menschen, die kulturvoll Radio hören wollen, bereits viel, viel mehr als das regionale terrestrische Angebot. Klar, die örtlichen Hit-Dudler waren nicht dabei. Aber die dudeln meist ausreichend gut in der Küche auf dem Fensterbrett - oder haben "Hausverbot" wie bei den Leuten aus meinem Umfeld, wo wirklich nur DLF, DLF Kultur und vielleicht noch das regionale Kulturprogramm gehört wird, wenn man nichts weiteres und besseres kennt.
Wer meine Posts kennt, weiß, dass ich sehr für die ÖR und ihr Angebot bin. Aber es gibt auch sehr gut gemachtes privates Radio, z. B. in Bayern/Süddeutschland den Sender egoFM, der jedoch immer noch nicht bei mir im Vodafone-Kabel ist. Bei dir in Berlin fehlt etwa FluxFM bei Vodafone, um einen vergleichbaren Sender zu nennen. Die These "Privatradio = Dudelfunk" ist zu simpel. Das Kabel muss jedoch die Vielfalt, egal ob ÖR oder privat, abbilden und dabei versagt es leider oft, weil in den Chefetagen mancher Konzerne Sturköpfe das Sagen haben.

MainMan
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Re: Unitymedia News

Beitrag von MainMan »

GLS hat geschrieben:
Do 12. Dez 2019, 23:56
Natürlich argumentiere ich normativ, das machen wir alle.
Ähm, nein. Keinesfalls. Schau dich doch mal hier im Forum um.
GLS hat geschrieben:
Do 12. Dez 2019, 23:56
Offenbar lese ich den DLM-Bericht genauer als du. Diese Zahlen, die du für eine allgmeine bundesweite Nutzungsstatistik anführst, stammen alleine aus Bayern, nämlich von der Funkanalyse, und beschreiben nur die Tage Montag bis Freitag. Wenn du die Zahlen aus Bayern, wo DAB ungemein erfolgreich ist, für die gesamte BRD hernehmen willst, ist das eine Annahme, die nicht belegt ist. Das musst du angeben, ansonsten ist es wirklich "gelogen mit Statistik", sorry.
Erst hast du den Bericht nicht gelesen. Jetzt hast du ihn nach mehrfacher Aufforderung zwar gelesen, aber nicht verstanden. Im Gegenzug unterstellst den Autoren und mir wiederholt "Fälschungen" und "Lügen".
Die Zahlen stammen nicht nur aus Bayern. Jetzt nochmal zum Mitschreiben:
Sampling und Fallzahlen
Die Erhebung basiert 2019 auf einer Nettofallzahl von 7.554 Interviews. Wie bereits in den letzten sechs Jahren wurde die befragte Person zufällig ausgewählt, um die personenbezogene Nutzung berichten zu können.
Die Stichprobe wurde (wie auch in den Vorjahren) disproportional angelegt, um für jedes einzelne Bundesland eine Mindestfallzahl zu gewährleisten. Pro Bundesland wurden mindestens 200 Interviews geführt.
GLS hat geschrieben:
Do 12. Dez 2019, 23:56
Weil Webradio Broadcast nicht ersetzen kann. Nochmal: Webradio ist nicht so stabil und nicht so flexibel wie DVB. Dazu ist Webradio in der Verbreitung viel teurer, das merken auch die Sender. Die Studien über die Kosten von IP-Radio ignorierst du leider weiterhin.
Keineswegs. Hingegen ignorierst du, dass IP-Radio völlig neue Erlösmodelle geschaffen hat: Adressierbare Werbung ist weit lukrativer als herkömmliche Spots, die einen riesigen Streuverlust haben.
Jede x-beliebige Lokalklitsche leistet sich heute zusätzliche Streams. Antenne Bayern hat mittlerweile zwei Dutzend davon, auf denen teilweise live moderiert wird. Warum die das machen? Weil sich`s finanziell lohnt, selbst wenn ein Stream nur 5000 Hörer am Tag erreicht.
GLS hat geschrieben:
Do 12. Dez 2019, 23:56
Die Vielfalt im Web ist unbestritten, aber viele Zuhörer sind von sog. WLAN-Radios überfordert. Sie möchten lieber ihre 3-4 Lieblingssender einfach finden und gut ist.
Das Argument erinnert irgendwie stark an die Auswertung der Nutzerinterviews im Ludwigshafener Kabelpilotprojekt 1985. "16 Programme! Da findet man sich überhaupt nicht mehr zurecht."
GLS hat geschrieben:
Do 12. Dez 2019, 23:56
Was ist so schwer daran zu verstehen, dass Broadcast und IP für lange Zeit parallel bestehen werden?
Was ist so schwer daran zu verstehen, dass das Broadcast-Zeitalter langsam aber sicher zu Ende geht?

Der Quotenknüller Campions League wird kommendes Jahr das letzte Mal im Broadcast-TV zu sehen sein.
Die kommende Fußball-EM wird ebenfalls die letzte im Broadcast-TV sein. Ab Sommer 2021 liegen die CL-Rechte bei DAZN und Amazon, die EM 2024 läuft großteils exklusiv bei MagentaTV.

Die RTL-Gruppe bietet fiktionale Eigenproduktionen fast nur noch über den Streamingdienst TVNow. Dazu gehört zB auch das preisgekrönte Remake von "M-eine Stadt sucht einen Mörder."
Ins lineare TV kommt stattdessen Billigware von der Stange.
Die neue Serie von Klaas Heufer-Umlauf läuft auch nicht bei Pro 7, sondern exklusiv beim Streamingdienst Joyn.

Daytime-Formate wie Bares für Rares, Blaulichtreport, Auf Streife usw. wird es auch in 10 Jahren noch linear geben. Irgendwer wird da noch zuschauen, und sei`s nur als visuelle Hintergrundberieselung im Altenheim.
Aber massenattraktiven Content nicht, der ist fürs private Broadcast-TV schlicht nicht mehr finanzierbar. Der Zug ist endgültig abgefahren.

GLS
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Re: Unitymedia News

Beitrag von GLS »

MainMan hat geschrieben:
Fr 13. Dez 2019, 19:31
Ähm, nein. Keinesfalls. Schau dich doch mal hier im Forum um.
Nicht überzeugt. Deine Aussage ...
MainMan hat geschrieben:
Do 5. Dez 2019, 21:28
Natürlich ist Hörfunk über DVB-C ein Auslaufmodell.
... ist eine wertende Aussage. Die basiert zwar offensichtlich auf einer empirischen Studie, aber es ändert nichts daran, dass du die Zahlen in einer bestimmten Art interpretierst. Dies ist dann nicht mehr wertfrei. Daran ist überhaupt nichts problematisch, mich wundert nur, dass du es anscheinend abstreitest. Zahlen alleine sind ja noch kein Argument in einer Diskussion, sondern erst ihre Verwendung. Aber egal, das nur nebenbei.
MainMan hat geschrieben:
Fr 13. Dez 2019, 19:31
Erst hast du den Bericht nicht gelesen. Jetzt hast du ihn nach mehrfacher Aufforderung zwar gelesen, aber nicht verstanden. Im Gegenzug unterstellst den Autoren und mir wiederholt "Fälschungen" und "Lügen".
Abgesehen davon, dass du nicht befugt bist, mich zu irgendwas aufzufordern, habe ich den Bericht sehr wohl gelesen und den Autoren der DLM-Studie überhaupt nichts unterstellt. Die haben nämlich - im Gegensatz zu dir - alles richtig gemacht. Deine Vorwürfe sind haltlos und ich weise sie hiermit zurück!
MainMan hat geschrieben:
Fr 13. Dez 2019, 19:31
Die Zahlen stammen nicht nur aus Bayern. Jetzt nochmal zum Mitschreiben:
Sampling und Fallzahlen
Die Erhebung basiert 2019 auf einer Nettofallzahl von 7.554 Interviews. Wie bereits in den letzten sechs Jahren wurde die befragte Person zufällig ausgewählt, um die personenbezogene Nutzung berichten zu können.
Die Stichprobe wurde (wie auch in den Vorjahren) disproportional angelegt, um für jedes einzelne Bundesland eine Mindestfallzahl zu gewährleisten. Pro Bundesland wurden mindestens 200 Interviews geführt.
Mal nebenbei: Üblicherweise gibt man bei Zitaten eine Quelle, z. B. in Form eines Links zu dem Dokument, und einer Seitenzahl an. Für mich ist das kein Problem, ich kann recherchieren und nehme mir Zeit dafür. Aber damit sich andere schnell zurechtfinden: Das Zitat von dir stammt aus dem Digitalisierungsbericht Audio 2019 der Landesmedienanstalten, S. 48, und beschreibt die Methodik der Studie.

Daraus hast du weiterhin von S. 45 die "meistgenutzte Radioempfangsart im Trend" zitiert und damit deine Aussage von oben zu belegen versucht, dass Kabelradio kaum noch jemand nutzt. Ich habe das ausführlich anhand zweier entscheidender Punkte kritisiert. Auf einen meiner Kritikpunkte hast du plötzlich die Zahl 3,7% Kabelradionutzer insgesamt (also inkl. Zweit-/Drittempfang) genannt und gleich Zahlen für DAB und Webradio ergänzt. Diese stammen aber eindeutig von S. 31 des Berichts, denn ich wüsste nicht, an welcher Stelle die sonst vorkämen. Du behauptest felsenfest, dass es bundesweite Zahlen seien. Dem ist aber nicht so: Es sind Zahlen der Funkanalyse Bayern, die die DLM-Autoren zitieren. Ja, das dürfen sie, da sie die Quelle angeben - ob du's glaubst, oder nicht. Auch aus dem Text daneben geht es eindeutig hervor. Jetzt zitiere ich mal von S. 31:
Auf wie viel man tatsächlich verzichtet, belegen die
aktuellen Ergebnisse der Funkanalyse Bayern (FAB),
mit fast 25.000 Interviews in Bayern bundesweit
die größte ihrer Art. So hat die Zugangsquote zu
DAB+-Empfangsgeräten in Bayern die 30-ProzentMarke
geknackt: mehr als 31 Prozent der Bevölkerung
ab 14 Jahren geben laut der neuen Funkanalyse
Bayern an, mindestens ein DAB+-Radio zu Hause
und/oder im Auto nutzen zu können. Das sind rund
3,5 Millionen Personen und damit etwa 600.000
mehr als noch vor einem Jahr. [...]
Radiohören über das Internet stagniert
mit einer Reichweite von 13 Prozent (minus
0,4 Prozentpunkte).
Wie du siehst, hat die Funkanalyse nichts mit der DLM-Studie zu tun. Sie hat viel mehr Befragte, nämlich 25.000, aber eben nur in Bayern. DAB ist in Bayern besonders erfolgreich, also sind Empfangswege wie "Kabelradio" (nicht unterschieden nach analog/digital! nach einem kompletten Systemwechsel mit Bedarf an neuen Empfangsgeräten im letzten Jahr!) vermutlich weniger von Bedeutung als bundesweit. Dennoch, das sagte ich bereits, finde ich die 3,7% in Bayern für DVB-C-Radio nicht gerade wenig.

Ich will aber nicht auf dieser Zahl herumreiten (du hast sie gebracht, nicht ich), sondern mir geht diese Argumentation auf den Senkel ("Es nutzt ja kaum einer, also kann man es bald mal abschalten" usw.), noch dazu, wenn Statistiken falsch gelesen werden. Kabelradio, selbst das digitale, wird anscheinend von mehr Leuten genutzt als viele drittklassige Privat-TV-Sender, die noch dazu mehr Platz im DVB-C-Spektrum brauchen.
Keineswegs. Hingegen ignorierst du, dass IP-Radio völlig neue Erlösmodelle geschaffen hat: Adressierbare Werbung ist weit lukrativer als herkömmliche Spots, die einen riesigen Streuverlust haben.
Jede x-beliebige Lokalklitsche leistet sich heute zusätzliche Streams. Antenne Bayern hat mittlerweile zwei Dutzend davon, auf denen teilweise live moderiert wird. Warum die das machen? Weil sich`s finanziell lohnt, selbst wenn ein Stream nur 5000 Hörer am Tag erreicht.
Ich habe verstanden, dass du IP ganz toll findest und das jetzt als der nächste Goldesel gehypt wird. Nur was zum Geier hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk davon? Mir ging's die ganze Zeit (sollte das nicht klar geworden sein) ums Free-Radio/-TV. Was die Privaten machen, ist doch für die Frage, ob wir Broadcast auch in Zukunft brauchen (und das werden wir), uninteressant.
Der Quotenknüller Campions League wird kommendes Jahr das letzte Mal im Broadcast-TV zu sehen sein.
Mein Gott, wenn's genug Leute gibt, die dafür zahlen, wofür früher die Sender gezahlt haben (nämlich die Übertragung), sollen sie's halt machen. Die anderen gehen halt in eine Kneipe, zu Freunden oder schauen's halt nicht mehr. Nur gut finden muss man nicht jede bescheuerte Entwicklung in unserer Medienlandschaft, oder?

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