Unterschiede aktuelle und ehemalige ARD-Kulturradios (Diskussion aus "DAB-Berlin")

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RadioDataSystem
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Unterschiede aktuelle und ehemalige ARD-Kulturradios (Diskussion aus "DAB-Berlin")

Beitrag von RadioDataSystem »

Fortsetzung der (dort themenfremden) Debatte aus viewtopic.php?f=11&t=55524&start=3315

Grundlage war die Neuaufschaltung des Informations- und Kulturprogramms WDR 5 im Berliner DAB-Netz.

WDR 1 war, wie schon gesagt wurde, von etwa 1990/91 bis zur Einstellung im April 95 ein völlig anderes, komplett runderneuertes Programm. Kein Landfunk mehr, viel mehr Popmusik, auf Durchhörbarkeit ausgelegt usw. Da gab es dann auch schon eine Sendung "WDR 1 - Live" die den Grundstein gelegt hat für das (anfangs durchaus sehr gut gemachte) Jugendradio mit gleichem Namen. Das Herunterwirtschaften von 1Live begann erst nach der Jahrtausendwende.

WDR 5 hat zwar einige Programmreformen hinter sich (mal wurde der Jazz-Anteil ausgebaut, dann wieder die Musikstrecken zu Gunsten von Wort heruntergefahren), lässt sich aber am Ehesten noch mit dem alten NDR 4 (der "Gemischtwarenladen" von 1989 bis 1995) vergleichen. Radio Brandenburg war deutlich "unbequemer", aber niemals bieder.
WDR 5 trifft den Spagat zwischen Wort und Musik, Kultur und Information wohl so gut wie kein anderes ARD Radio!

Bayern 2 ist deutlich (welt)musiklastiger als WDR 5, eher eine Art deutsches Radio Multikulti Berlin (bis zu deren Einstellung). Funkhaus Europa oder erst Recht Cosmo hatte immer mehr Musik und weniger Anspruch / Wort. Bayern 2 lebt vom starken Lokalkolorit und den Themen aus dem Freistaat. Das gibt es so bei keinem anderen Kulturradio. Nur HR2 und SWR2 kann da noch mithalten, auf die im Verlauf der Diskussion gar nicht eingegangen wurde.

WDR 3 ist eine hochwertige Klassikwelle, spielt meines Wissens auch durchaus ganze Werke und nicht nur Auszüge. NDR Kultur mit seiner anspruchslosen Moderation oder RBB Kultur (auch das alte MDR Kultur bis zur Umbenennung in Figaro mit den "größten Hits der Klassik" - ohne Witz!) ist dagegen nur Häppchenklassik.

NDR, RBB und MDR haben nämlich ein Problem: KLassik Radio auf UKW in ihrem Sendegebiet (HH / SH - Berlin & Thüringen). HR und BR hatten lange vorher eine eigene Klassikwelle (Bayern 4 bzw. Hr2 Plus). In NRW gibt es dieses "Problem" so nicht und der WDR hat gut getan daran, seine Wellen zwischen U Musik und E Musik zu trennen.

Irgendwo dazwischen befindet sich das neue MDR Kultur bzw. vorher Figaro. Viel Musik, nette Beiträge, die thematisch vielseitig sind, aber nicht allzu sehr in die Tiefe gehen. Eher wie vormals das Nordwestradio. Das heutige Bremen 2 ist in der Musikauswahl viel dudeliger und von den Themen her weniger sperrig, also glattgeschliffener.

Jelvert
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Re: Unterschiede aktuelle und ehemalige ARD-Kulturradios (Diskussion aus "DAB-Berlin")

Beitrag von Jelvert »

RadioDataSystem hat geschrieben:
Mo 6. Jan 2020, 14:15
NDR, RBB und MDR haben nämlich ein Problem: KLassik Radio auf UKW in ihrem Sendegebiet (HH / SH - Berlin & Thüringen).
Klassik Radio sendet in Thüringen nicht mehr über UKW. Sehr viele Hörer werden die paar Funzeln (die zweitgrößte Stadt in Thürungen, Jena hatte gar keine Frequenz)auch nicht gehabt haben.

Über DAB+ gibt es MDR Klassik, mit ausschließlich Klassik und einer moderierten Morgensendung von 6 bis 10 Uhr.

Leprechaun
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Re: Unterschiede aktuelle und ehemalige ARD-Kulturradios (Diskussion aus "DAB-Berlin")

Beitrag von Leprechaun »

Nicht nur das, denn der BR hat sehr wohl auch Klassik Radio in seinem Sendegebiet, ebenso der SWR und vormals auch der hr!

Von daher eine etwas löchrige These...

RadioDataSystem
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Re: Unterschiede aktuelle und ehemalige ARD-Kulturradios (Diskussion aus "DAB-Berlin")

Beitrag von RadioDataSystem »

BR: Klassik Radio ist nur in den großen Städten über UKW zu hören und mit Bayern 4 sendet seit vielen Jahrzehnten ein eigenes Klassikprogramm. Daher keine Not für den BR, sein Bayern 2 mit Klassik zu verwässern.

HR: Klassik Radio ist dort zwar nicht mehr auf UKW, aber als das damals der Fall war gab es ja auch noch HR2Plus bzw. später HR Klassik als Gegenpol. Daher auch für den HR keine Not, HR2 zu sehr mit Klassik anzufüllen.

SWR: In RP gibt es kein Klassik Radio auf UKW, nur über drei Kleinsender in Baden-Württemberg. Und SWR 2 hat durchaus auch entsprechende Sendungen im Programm. Ich würde behaupten SWR 2 hat mehr klassische Elemente als Bayern 2.

Und ja der MDR hat (aber auch erst seit einigen Jahren und rein digital) MDR KLASSIK. Dessen Gründung war ofiziell dass man das UKW-Kulturradio vielfältiger aufstellen will (intern dürfte aber die Aufschaltung von Klassik Radio auf UKW in Thüringen diesen Schritt zumindest mit bestimmt haben) - In diesem Zuge wurde ja auch das "alte" MDR KULTUR (was deutlich klassiklastiger war) in FIGARO umbenannt und die Musik wurde poppiger. Das heutige MDR KULTUR entspricht eher dem Vorgänger Figaro, mit viel U-Musik, und weniger dem alten MDR KULTUR (seit 1992).

Am Stärksten macht sich Klassik Radio im Norden bemerkbar, wo man NDR 3 geopfert hat zugunsten eines klassiklastigen NDR "Kultur". Trotzdem hatte Klassik Radio z.B. in Hamburg zeitweise mehr Hörer.

the jazzman
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Re: Unterschiede aktuelle und ehemalige ARD-Kulturradios (Diskussion aus "DAB-Berlin")

Beitrag von the jazzman »

Leider soll hr2 auch in einen gefälligen Klassikdampfer umgewandelt werden...

Sehr schade!!

http://www.radiowoche.de/durchhoerbarke ... mm-werden/

http://www.radiowoche.de/rundfunkrat-un ... ormplaene/

Dudelsack
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Re: Unterschiede aktuelle und ehemalige ARD-Kulturradios (Diskussion aus "DAB-Berlin")

Beitrag von Dudelsack »

RadioDataSystem hat geschrieben:
Mo 6. Jan 2020, 15:35
SWR: In RP gibt es kein Klassik Radio auf UKW, nur über drei Kleinsender in Baden-Württemberg.
Diese drei Kleinsender sind so schlecht aber nicht, weil sie sich recht gut ergänzen. Fährt man beispielsweise auf der Autobahn 8, kann man Klassikradio von etwa Landau bis zum Albaufstieg problemlos durchgängig hören, inklusive RDS, das auch zwischen den drei Sendern selbstständig umschaltet.
RadioDataSystem hat geschrieben:
Mo 6. Jan 2020, 15:35
Ich würde behaupten SWR 2 hat mehr klassische Elemente als Bayern 2.
stimmt.
RadioDataSystem hat geschrieben:
Mo 6. Jan 2020, 15:35
Und ja der MDR hat (aber auch erst seit einigen Jahren und rein digital) MDR KLASSIK. Dessen Gründung war ofiziell dass man das UKW-Kulturradio vielfältiger aufstellen will (intern dürfte aber die Aufschaltung von Klassik Radio auf UKW in Thüringen diesen Schritt zumindest mit bestimmt haben) - In diesem Zuge wurde ja auch das "alte" MDR KULTUR (was deutlich klassiklastiger war) in FIGARO umbenannt und die Musik wurde poppiger. Das heutige MDR KULTUR entspricht eher dem Vorgänger Figaro, mit viel U-Musik, und weniger dem alten MDR KULTUR (seit 1992).
Ich glaube kaum, dass der MDR seine Klassikwelle startete, weil er sich vor Klassikradio in Thüringen fürchtete. MDR Klassik startete nämlich im Jahr 2002, Klassikradio bekam dagegen erst 2009 eine Lizenz in Thüringen.
RadioDataSystem hat geschrieben:
Mo 6. Jan 2020, 15:35
Am Stärksten macht sich Klassik Radio im Norden bemerkbar, wo man NDR 3 geopfert hat zugunsten eines klassiklastigen NDR "Kultur". Trotzdem hatte Klassik Radio z.B. in Hamburg zeitweise mehr Hörer.
Und damit nicht genug: Man hat sich einen ähnlich schrecklichen Klangverbieger installiert, wie ihn auch Klassikradio hat. Zumindest für meine Ohren klingt das teilweise wirklich schauderhaft. Ähnliches bemerke ich seit einiger Zeit auch bei WDR 5, wenn auch in abgeschwächter Form. Was soll das? Verspricht man sich davon irgendeinen Nutzen?

the jazzman
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Re: Unterschiede aktuelle und ehemalige ARD-Kulturradios (Diskussion aus "DAB-Berlin")

Beitrag von the jazzman »

In Sachsen wollte man ja keine Frequenzen an Klassik Radio vergeben, da wurde die Konstruktion apollo radio))) "erfunden".

Alle Privatsender betreiben gemeinsam ein privates Spartenprogramm für Klassik, Jazz, Soul und Filmmusik. Geringer Wortanteil, halbstündliche Nachrichten, Veranstaltungshinweise, Miniclips der Kirchen. Unaufgeregte Moderation, Werbung beschränkt sich auf die Hinweise, wer Wetter- sowie Verkehrsinfos sponsert.

Gut durchhörbar, ideal bei Stress...

Dudelsack
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Re: Unterschiede aktuelle und ehemalige ARD-Kulturradios (Diskussion aus "DAB-Berlin")

Beitrag von Dudelsack »

Und bevor einer Fragt: Apollo Radio startete 2004, also auch erst nach MDR Klassik.

Japhi
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Re: Unterschiede aktuelle und ehemalige ARD-Kulturradios (Diskussion aus "DAB-Berlin")

Beitrag von Japhi »

MDR Klassik wurde vmtl nur gestartet, um die Klassik aus dem Kulturdudler auf UKW streichen zu können und den Klassikfans nicht (bzw. nur ein bisschen) vor den Kopf zu stoßen.
QTH: Hattingen-Rauendahl (NRW)
Dacia MediaNav, Degen DE1103 (82/56), Sony XDR-S3HD, Albrecht DR70, Sangean DPR64

DH0GHU
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Re: Unterschiede aktuelle und ehemalige ARD-Kulturradios (Diskussion aus "DAB-Berlin")

Beitrag von DH0GHU »

Ein Problem dürfte sein, dass es einen ständigen Rechtfertigungsdruck auf die Kulturwellen gibt, wenn die Einschaltquoten nicht passen. Kultur ist halt um einiges teurer als ein Hitdudler, wo ein zwanghaft lustiger Labersack mit devoter Einstellung zum Playlist-Inhalt und semikorrekter Aussprache von Autobahnausfahrten fast schon reicht, um Quote zu generieren.

Eigentlich ist die Situation in Bayern nahezu ideal:
Klassik-Radio erlaubt dem Gelegenheits-Klassikhörer einen Einstieg in die Klassik - oder auch dem normalen Klassikhörer eine durchgängige Nebenbeiberieselung z.B. auf einer Autobahnfahrt im wenig innenraumentlärmten Kompaktwagen - zum Preis einer Moderation, die zum Teil nur ein Stück oberhalb Hitdudlerniveau ist. Der Erfolg der Hitdudler zeigt, dass das beim Hörer ankommt.
BR-Klassik erlaubt den Genuß ganzer Werke - und wenn die mal wieder zu "schwer" sind, gibts immernoch einen Programmplatz weiter BR Klassik oder Overspill oder zeitweise DLF Kultur.
Wer nun ernsthafte Moderation zu Sachthemen sucht, ist bei Bayern 2 schnell fündig. Ohne, dass der an schnellen Informationen Interessierte warten muss, bis die Analyse der letzten Buchmesse abgeschlossen ist, denn der findet bei Bayern 5 eine bunte Mischung aus schneller Information und ein bischen Sachthemen-Häppchenbuffet. Für den nötigen Tiefgang in der großen Politik gibts dann immer noch Programmplatz 1 mit dem DLF.
Eine bessere Mischung kann ich mir fast nicht vorstellen. Das ganze noch in passabler Netzabdeckung, bei den oben genannten BR-Programmen sogar auf UKW, bei KR wenigstens in den großen Städten, allerdings ohne durchgängigen Übergang zwischen den Inseln.

Von ARD-Anstalten, die ihre Wellen der Konkurrenz anpassen, nur um diese bei den Quoten zu übertrumpfen, bin ich freilich enttäuscht. Das ist auch Wasser auf die Mühlen derer, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk am liebsten abschaffen würden. Klar müssen die Inhalte auch große Teile der Bevölkerung ansprechen, aber die einseitige Fixierung auf Inhalte, die genausogut am Werbemarkt refinanzierbar wären, stellt nunmal das ganze System sachlich begründbar in Frage.
QTH: Obersöchering/JN57OR, zeitweise Kehl/JN38VN
Funkamateur, DLF-Hörer, Multipler Musikgeschmack, DAB-Nutzer. Normal ist normalerweise langweilig.

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