Gaisberg-Frage an MHM

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strade
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Gaisberg-Frage an MHM

Beitrag von strade »

Mir geht diese Konstellation auf dem Gaisberg nicht aus dem Kopf. Zwischen 95,2 Sender Gaisberg und 95,2 Empfang aus Linz sind Luftlinie 300 Meter. Ich habe dazu ein paar Fragen an MHM. Wie wurde das eigentlich realisiert, gibt es dazu Fotos ? Du sagtest, dass es trotz der Sendeanlage am Hang keine Probleme mit dem Ballempfang Linz geben würde. Ich schliesse daraus, dass auf dem Gaisberg-Parkplatz beide Sender sich überlappen, oder dominiert 95,2 Gaisberg ? Würde Linz ausfallen, dann wäre sofort Gaisberg 95,2 auf der 106,2 zu hören ? Und : Wie weit kann man so ein Spielchen treiben ? Angenommen : Hessen, Rimberg. Dort kann man die 98,3 Kreuzberg sicher rauschfrei empfangen. Auf der Nordseite könnte man dann synchron, am Abhang, eine 98,3 ebenfalls aufschalten und somit die Reichweite des BR erweitern ? (spekulativ, wohlgemerkt). würde man den Gipfel vom Gaisberg überschreiten, nach Norden, dann wird Linz sofort die Oberhand gewinnen ? Das sind meine Fragen ...
forza_viola
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Re: Gaisberg-Frage an MHM

Beitrag von forza_viola »

strade hat geschrieben: Fr 29. Jul 2022, 15:48 Mir geht diese Konstellation auf dem Gaisberg nicht aus dem Kopf. Zwischen 95,2 Sender Gaisberg und 95,2 Empfang aus Linz sind Luftlinie 300 Meter. Ich habe dazu ein paar Fragen an MHM. Wie wurde das eigentlich realisiert, gibt es dazu Fotos ? Du sagtest, dass es trotz der Sendeanlage am Hang keine Probleme mit dem Ballempfang Linz geben würde. Ich schliesse daraus, dass auf dem Gaisberg-Parkplatz beide Sender sich überlappen, oder dominiert 95,2 Gaisberg ? Würde Linz ausfallen, dann wäre sofort Gaisberg 95,2 auf der 106,2 zu hören ? Und : Wie weit kann man so ein Spielchen treiben ? Angenommen : Hessen, Rimberg. Dort kann man die 98,3 Kreuzberg sicher rauschfrei empfangen. Auf der Nordseite könnte man dann synchron, am Abhang, eine 98,3 ebenfalls aufschalten und somit die Reichweite des BR erweitern ? (spekulativ, wohlgemerkt). würde man den Gipfel vom Gaisberg überschreiten, nach Norden, dann wird Linz sofort die Oberhand gewinnen ? Das sind meine Fragen ...
du meinst wohl 101,2; 106,2 ist Welle 1
MHM
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Re: Gaisberg-Frage an MHM

Beitrag von MHM »

strade hat geschrieben: Fr 29. Jul 2022, 15:48 Mir geht diese Konstellation auf dem Gaisberg nicht aus dem Kopf. Zwischen 95,2 Sender Gaisberg und 95,2 Empfang aus Linz sind Luftlinie 300 Meter. Ich habe dazu ein paar Fragen an MHM. Wie wurde das eigentlich realisiert, gibt es dazu Fotos ? Du sagtest, dass es trotz der Sendeanlage am Hang keine Probleme mit dem Ballempfang Linz geben würde. Ich schliesse daraus, dass auf dem Gaisberg-Parkplatz beide Sender sich überlappen, oder dominiert 95,2 Gaisberg ? Würde Linz ausfallen, dann wäre sofort Gaisberg 95,2 auf der 106,2 zu hören ? Und : Wie weit kann man so ein Spielchen treiben ? Angenommen : Hessen, Rimberg. Dort kann man die 98,3 Kreuzberg sicher rauschfrei empfangen. Auf der Nordseite könnte man dann synchron, am Abhang, eine 98,3 ebenfalls aufschalten und somit die Reichweite des BR erweitern ? (spekulativ, wohlgemerkt). würde man den Gipfel vom Gaisberg überschreiten, nach Norden, dann wird Linz sofort die Oberhand gewinnen ? Das sind meine Fragen ...
Die Idee mit der 95,2 auf dem Gaisberg war eigentlich schon revolutionär, denn niemand zuvor hatte Ähnliches probiert und wir wußten daher nicht, ob es funktionieren würde. Zunächst hatte ich Radiomobile-Simulationen durchgeführt, um die Verträglichkeit zwischen 95,2-Gaisberg und 95,2-Lichtenberg zu testen. Das sah recht vielversprechend aus, einzelne Schutzabstandsverletzungen traten nur dort auf, wo die 101,2 der Hauptversorger ist. Das zweite Problem konnte nur vor Ort getestet werden: Würde der Ballempfang weiterhin funktionieren? Eine Umstellung auf Ballempfang von Schärding wäre sich von der Signalstärke her ausgegangen, aber der Umbau an so einem Großsender wäre wahnsinnig teuer gekommen. Interessanterweise wird die 101,2 nur über Ballempfang vom Lichtenberg versorgt, es gibt keine Backup-Lösung. Klingt seltsam, hat aber historische Gründe.

Oben am Parkplatz hatte ich mit Meßempfänger und parallel mit dem Autoradio getestet, wie stark die beiden 95,2 sich ins Gehege kommen würden. Zu meiner großen Überraschung ließ sich die eigene 95,2 komplett ausblenden mit Lambda/4-Antenne auf dem Autodach (da spielte die Ausrichtung der Karosserie eine Rolle). Zwar besteht kein Sichtkontakt zur LogPer-Antenne (die um 12° nach unten geneigt ist), aber das hätte die Beugung entlang der sanften Bergkuppe ausgleichen können. Aber noch größer wurde die Überraschung, als ich die RDS-Fehlerrate auf der 101,2 überprüfte. Selbst nach 20 Minuten betrug die Fehlerrate durchgehend 0 ohne eine einzige Ausnahme! Hier leisteten die vierfach (in H-Form) gestockten LogPer-Antennen des ORF mit ihrem immensen Vor-/Rückverhältnis ganze Arbeit, zudem standen der eigene Mast und ein Teil des Gebäudes im Weg.

Würde die 95,2 auf dem Lichtenberg ausfallen, würde man auf der 101,2 wahrscheinlich Antenne Salzburg schwach und verrauscht aufnehmen können, aber völlig sicher bin ich mir nicht. Der Test und jetzt der operationelle Betrieb haben aber bewiesen, daß Ballempfang in einem Gleichwellennetz möglich ist (denn theoretisch hätten wir ja auch Ö2 Oberösterreich abstrahlen können, indem wir das Signal per Leitung an die Sendeantenne weiterleiten). Es müssen dann Empfangs- und Sendeantenne voneinander deutlich abgesetzt betrieben werden. In meinem Artikel in der REFLEXION hatte ich dazu vermerkt, daß man sich hierbei an den ITU-Schutzabständen orientieren kann. Für einen Gleichkanalstörer betragen diese 45 dB und in einer weiteren Radiomobile-Simulation zeigte sich, daß an den Empfangsantennen des ORF das Signal der störenden 95,2 um mehr als 45 dB schwächer sein sollte als die gewünschte 95,2 vom Lichtenberg.

Von daher könnte ich mir gut vorstellen, daß man auf dem Rimberg nach Norden die 98,3 nochmal mit Bayern 4 abstrahlen könnte. Die Empfangsantenne am Südhang, die Sendeantenne am Nordhang, das sollte gut klappen. Es sind dort nirgendwo Reflexionen zu erwarten, die das störende Signale von vorne reinreflektieren könnten. Auf dem Gaisberg hätten wir das Spielchen wahrscheinlich schon noch weitertreiben können, auch wenn die effektive Strahlungsleistung der eigenen 95,2 immerhin 2 kW beträgt! Aber es waren so viele Reserven vorhanden, daß man sich um dem Ballempfang überhaupt keine Sorgen machen brauchte. Zwar ist der Ballempfang nicht geschützt, aber man will natürlich nichts kaputtmachen, wenn es sich irgendwie vermeiden läßt. Übrigens: Am Nord- und Nordostrand vom Gaisberg hört man von der Gaisberg-95,2 rein gar nichts, dort kommt wie immer der Lichtenberg rein!
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