Freies Radio Freistadt

Radioforum Österreich
macright
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Re: Freies Radio Freistadt

Beitrag von macright »

Das Signal wird es rein technisch sicher bis nach Enns schaffen. Ich gehe aber zumindestens in der Donausenke (Höhe Bundesstraße B3 von Steyregg bis nach Mauthausen) von merkbaren Beeinträchtigungen durch den Brotjacklriegel aus, diese Region ist nach Nordwesten komplett offen. Um Ansfelden (Autobahn A1 bis mindestens Knoten Linz) und um die Stadt Linz (bspw. Autobahn A7 Stadtgebiet) ist der mehr als beifahrertauglich hörbar, mit RDS.

Mit einer 99,9 (oder allenfalls 99,8 wenn man den Kahlenberg scheucht, der jedoch schon ab Höhe ca. NÖ-Strengberg schon absolut NICHT mehr wahrnehmbar ist) wäre man jedenfalls besser bedient gewesen. Warum nur schaut man auf so etwas im Vorfeld nicht genauer und kastriert sich seine eigenen Planungen selber, ganz zu schweigen vom 35 Jahre lang empfangbaren Bestandssender, den man damit ruiniert...
Habakukk
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Re: Freies Radio Freistadt

Beitrag von Habakukk »

macright hat geschrieben: Di 6. Feb 2024, 14:22 Mit einer 99,9 (oder allenfalls 99,8 wenn man den Kahlenberg scheucht, der jedoch schon ab Höhe ca. NÖ-Strengberg schon absolut NICHT mehr wahrnehmbar ist) wäre man jedenfalls besser bedient gewesen. Warum nur schaut man auf so etwas im Vorfeld nicht genauer und kastriert sich seine eigenen Planungen selber, ganz zu schweigen vom 35 Jahre lang empfangbaren Bestandssender, den man damit ruiniert...
Ob das nicht wegen 99,8 Grünburg/Landsberg Radio Oberösterreich schwierig ist? Soweit ich sehe, hat der freie Sicht bis Luftenberg, also auch umgekehrt. Das Signal kommt wahrscheinlich von Norden her entlang der Steyr dann relativ stark ins Tal rein.
macright
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Re: Freies Radio Freistadt

Beitrag von macright »

Mit einer 99,9 sicher nicht.
Mit einer 99,8 wahrscheinlich auch nicht, wenn nach Osten gerichtet gesendet wird - immerhin sind zwischen Steyregg und dem Versorgungsgebiet des Grünburg-Senders (was noch dazu in einem Tal liegen muss, sonst wäre ja Lichtenberg ausreichend) gut 35 bis 40 km Distanz...

Wenn man in Österreich schon "Spitz auf Knopf" bei der Frequenzsuche fährt, ist es meines Erachtens besser, man zerschießt sich die leistungsschwachen Füllsender untereinander haarscharf am Ende ihres Versorgungsgebietes (selbstverständlich unter Einhaltung aller Richtlinien wie zB 95,2/95,2) als einen starken Grundnetzsender mit einem Bestands-Programm, das es so nur einmal gibt und das dadurch in der Region Linz mehr oder weniger zerstört wird. Das Füllsender-Programm bleibt in den Überlappungsgebieten in der Regel auf alternativer Frequenz bestehen.
MHM
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Re: Freies Radio Freistadt

Beitrag von MHM »

Also erstens hat der DLF in Luftenberg oder Forst keinen Versorgungsauftrag und zweitens ist derjenige, der das technische Konzept für Forst/Eberhardschlag erstellt hat, alles andere als ein Schreibtischtäter. Ich kenne ihn persönlich und ich weiß, daß er sich erstmal selbst die Gegend anschaut, bevor er irgendeine Frequenz ins Rennen wirft. Übrigens: Schaut man vom Versorgungsgebiet an der Donau in Richtung Brotjacklriegel, steigt das Gelände bis zur halben Distanz um 600 m an, das schirmt die Signale also schon so stark ab, daß man sich 100 kHz daneben hinsetzen kann

Die 100,0 ist insofern gut gewählt, weil die Frequenz selbst in weitem Umkreis frei ist. Die nächsten Sender auf 100,0 sind in Osttirol, Steiermark und Kärnten, also schön weit weg. Bei der 99,8 gebe ich zu bedenken, daß zwischen dem Sendemasten und der Region Steyregg, Luftenberg, St. Georgen an der Gusen etc. Sichtkontakt besteht. Ein Frequenzabstand von 200 kHz ist in Ordnung, näher würde ich da aber nicht rangehen. Der Kahlenberg im Hintergrund macht es auch nicht unbedingt besser.

Übrigens ist die Region zwischen Steyregg und Mauthausen generell nicht ausreichend versorgt, weder Linz/Freinberg noch Perg können dort hineinschauen. Somit hat auch Radio Austria eine größere Versorgungslücke (ca. 20.000 Einwohner oder eher mehr).

Zur 107,6 kann ich sagen, daß sie für das Zielgebiet auch in Ordnung ist, nur auf Anhöhen brettert Hochries ziemlich rein.

Selbst hätte ich das Konzept etwas anders angefasst: Die Sendeleistung der Pettenbacher 94,2 hätte ich bei 50 W belassen, dann hätte man die 94,2 in Forst wiederverwenden können und so wären zwei verschiedene freie Radios auf der 94,2 vertreten, was ja auch einen gewissen Reiz hat...
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Re: Freies Radio Freistadt

Beitrag von Habakukk »

macright hat geschrieben: Di 6. Feb 2024, 15:02 Wenn man in Österreich schon "Spitz auf Knopf" bei der Frequenzsuche fährt, ist es meines Erachtens besser, man zerschießt sich die leistungsschwachen Füllsender untereinander haarscharf am Ende ihres Versorgungsgebietes (selbstverständlich unter Einhaltung aller Richtlinien wie zB 95,2/95,2) als einen starken Grundnetzsender mit einem Bestands-Programm, das es so nur einmal gibt und das dadurch in der Region Linz mehr oder weniger zerstört wird. Das Füllsender-Programm bleibt in den Überlappungsgebieten in der Regel auf alternativer Frequenz bestehen.
Ganz so einfach ist es aber nicht. Man muss ja immer zwischen Inlands- und Auslandskoordinierung unterscheiden.

Bei der Auslandskoordinierung interessiert ja nur, ob der Sender Forst 100,0 die 100,1 Brotjacklriegel in dessen Versorgungsgebiet (also Niederbayern und Teile Oberbayerns) stören kann. Tut er nicht! Ob Forst umgekehrt den Brotjacklriegel in Österreich stört, ist letztendlich nicht relevant, da deutsche Programme in Österreich keinen Versorgunsauftrag haben. Der Schutz ausländischer Programme ist also rein "guter Wille" der koordinierenden Personen, genießt aber keinen rechtlichen Status.

Dagegen wird jeder inländische Füllsender rechtlich durch die Inlandskoordinerung geschützt. 40km Abstand sind bei exponierten Standorten (Sichtverbindung) und 100W nicht viel. Da ergibt sich dann durchaus ein rechnerischer Schutzabstand, auf den ein existierender Anbieter bestehen kann, selbst wenn er in der Praxis vielleicht gar nicht so relevant ist.

Kurz gesagt: eine 99,8 kriegst du womöglich nicht durch, eine 100,0 schon, obwohl letztere vielleicht interferenzbelasteter sein mag. Bei der Frequenzknappheit im UKW-Bereich wird man irgendwann den Schutz ausländischer Programme aufgeben, um überhaupt noch irgendwas koordiniert zu bekommen. Ich würde nicht behaupten, dass das "mutwillig" geschieht.
MHM hat geschrieben: Di 6. Feb 2024, 15:40 Selbst hätte ich das Konzept etwas anders angefasst: Die Sendeleistung der Pettenbacher 94,2 hätte ich bei 50 W belassen, dann hätte man die 94,2 in Forst wiederverwenden können und so wären zwei verschiedene freie Radios auf der 94,2 vertreten, was ja auch einen gewissen Reiz hat...
Hmm, die 94,2 dürfte so nahe an der tschechischen Grenze wohl eher nicht funktionieren, da brettert Klet auf 94,1 schon mit richtig ordentlichem Pegel rein. Da halte ich die 100kHz zur 107,7 Hochries für das geringere Problem. In Pettenbach sendet man laut meiner Info ja mittlerweile v.a. deshalb mit so hoher Leistung, weil man eben die Interferenzen mit der 94,1 aus Tschechien so besser überbügelt bekommt.
macright
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Re: Freies Radio Freistadt

Beitrag von macright »

Auch wenn von Forst (Höhe 400m) nach Osten gesendet wird; wenn man sich den ein paar 100m von Forst entfernten Gipfel des Hohenstein (Höhe 500m) und das eindrucksvolle Alpenpanorama Richtung West von dort inklusive Traunstein- und Linzblick ansieht, kann man mit Sicherheit von einer erheblichen Beeinträchtigung des bislang gut empfangbaren DLF in und um Linz-Stadt, wahrscheinlich sogar in einem deutlich größeren Radius, ausgehen. Mit Sicherheit deutlich stärker als Lanzenberg, den man mit trennscharfem Autoradio in Linz (bzw. auf den Autobahnen westlich von Linz in die Stadt rein) noch einigermaßen gut wegbringt.

Versorgungsauftrag hin oder her, das ist 35-jähriger Bestand in der Stadt Linz!
In jedem Kabelfernsehnetz in der Region Linz, in dem der UKW-Bereich noch nicht dem Internetrückkanal zum Opfer gefallen ist, ist ein terrestrischer Abgriff dieses Programmes bzw. der Bayernprogramme absoluter Standard! Dazu gehört auch bspw. der Ehlers in Mauthausen.

Im Zielgebiet selber (v.a. Bundesstraße B3) wird wohl eine Nachbarkanalsituation ähnlich 105,8/105,7 in Höhe östlicher Bezirk Vöcklabruck entstehen, also "östlich" weil noch einigermaßen moderat, aber unangenehm. Durchgängig gut hörbar ist der Brotjacklriegel auf der B3 derzeit jedenfalls (O-4).

Es wäre eine 99,9 besser gewählt gewesen bzw. hätte diese zumindest keine Nachbarkanalsituation erzeugt. Der Kahlenberg ist unter Normalbedingungen im Raum Linz/Perg/Enns nicht wahrnehmbar, und wenn man eine 40km (!) entfernte 100 Watt-Funzel mit blöderweise halt Sichtverbindung in die Zielregion nicht mit zumindest 0,1 MHz wiederbelegen kann, hätte man gewisse 0,1-MHz-Konstellationen in Oberösterreich mit beteiligten 100kW-Boliden, die - nicht ganz die 3-fache Distanz entfernt - ebenfalls hart auf Sicht laufen (und eh Probleme machen), schon vor der Idee dazu ausscheiden müssen.

Zusammenfassung: wiedermal auf "Kollision" geplant, mit allen Folgen, die damit verbunden sind.


Und ja, natürlich - 94,2 auf 94,2 wäre der Königsweg gewesen, man hätte "Füllfrequenz vs. Füllfrequenz" geplant gehabt, das hätte niemand gestört...
macright
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Re: Freies Radio Freistadt

Beitrag von macright »

Mein Beitrag und der vorige Beitrag hat sich unbeabsichtigter Weise überschnitten, zur Info.
Habakukk
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Re: Freies Radio Freistadt

Beitrag von Habakukk »

macright hat geschrieben: Di 6. Feb 2024, 16:53 und wenn man eine 40km (!) entfernte 100 Watt-Funzel mit blöderweise halt Sichtverbindung in die Zielregion nicht mit zumindest 0,1 MHz wiederbelegen kann, hätte man gewisse 0,1-MHz-Konstellationen in Oberösterreich mit beteiligten 100kW-Boliden, die - nicht ganz die 3-fache Distanz entfernt - ebenfalls hart auf Sicht laufen (und eh Probleme machen), schon vor der Idee dazu ausscheiden müssen.
Ich denke, das wird von Fall zu Fall immer mal wieder leicht unterschiedlich entschieden. Möglicherweise ist der ORF (oder wer auch immer einspruchberechtigt ist) das eine mal kulanter als das andere mal! Möglicherweise sind die involvierten Personen manchmal auch zu "zaghaft" bei ihren Koordinierungsversuchen ("das geht eh nicht durch, probiere ich erst gar nicht"), manchmal mutiger.

Möglicherweise wird manches auch erst nach einem realen Testbetrieb akzeptiert!

Da spielen m.E, viele Parameter rein, je nach Konstellation! Ich denke, wir stellen uns das ganze Prozedere einfach immer leichter vor als es letztendlich dann ist.
macright hat geschrieben: Di 6. Feb 2024, 16:53 Zusammenfassung: wiedermal auf "Kollision" geplant, mit allen Folgen, die damit verbunden sind.
Das Band ist voll, v.a. in grenznahen Gebieten. Es wird so oder so immer auf eine Kollision hinauslaufen.
macright hat geschrieben: Di 6. Feb 2024, 16:53 Und ja, natürlich - 94,2 auf 94,2 wäre der Königsweg gewesen, man hätte "Füllfrequenz vs. Füllfrequenz" geplant gehabt, das hätte niemand gestört...
Sehe ich wie gesagt aus zwei Gründen anders:
- 94,2 Pettenbach mit 1kW war halt einfach vorher da, das kann man nicht ignorieren!
- 94,1 Klet stört im Versorgungsgebiet von Bernhardschlag mit Sicherheit genauso stark wie 107,7 Hochries, wenn nicht sogar noch stärker (nicht mal 40km entfernt, sendet mit 6-7kW bei Quasi-Sichtverbindung).
=> Man könnte argumentieren, dass die Störung eines tschechischsprachigen Programms weniger "schlimm" ist wie die Störung eines deutschsprachigen Programms, andrerseits gibt es zur 107,7 Hochries mit 103,5 Brotjacklriegel ja noch eine Alternative, die es bei der 94,1 Klet nicht gibt.
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Re: Freies Radio Freistadt

Beitrag von macright »

Habakukk hat geschrieben: Di 6. Feb 2024, 17:14 Sehe ich wie gesagt aus zwei Gründen anders:
- 94,2 Pettenbach mit 1kW war halt einfach vorher da, das kann man nicht ignorieren!
- 94,1 Klet stört im Versorgungsgebiet von Bernhardschlag mit Sicherheit genauso stark wie 107,7 Hochries, wenn nicht sogar noch stärker (nicht mal 40km entfernt, sendet mit 6-7kW bei Quasi-Sichtverbindung).
=> Man könnte argumentieren, dass die Störung eines tschechischsprachigen Programms weniger "schlimm" ist wie die Störung eines deutschsprachigen Programms, andrerseits gibt es zur 107,7 Hochries mit 103,5 Brotjacklriegel ja noch eine Alternative, die es bei der 94,1 Klet nicht gibt.
Das letzte wurde jetzt vielleicht in der Schnelle falsch aufgefasst: die 94,2 wäre ursprünglich für Forst geplant gewesen! Bernhardschlag hat mit dem Ganzen nichts zu tun, und hätte man dort nie auf Klet-Nachbarbelegung gehen können (hätte das Gleiche ergeben wie derzeit Wendelstein-Nachbarfrequenz im Attergau, anderes Thema).

Im Bereich Mauthausen/St. Georgen an der Gusen/Luftenberg ist der Brotjacklriegel vom Pegel her eher noch deutlich stärker als der Klet.

Aber klar ist, durch die Leistungserhöhung in Pettenbach geht 94,2/94,2 nicht mehr.

Nur, wenn ich wie in Pettenbach derart brachial über den Nachbarkanal drüber muss, soll ich mir die Frage stellen, ob es nicht eine kollisionsfreiere Wahl auch getan hätte bzw. ob nicht schon die Frequenzauswahl "krankt". Drüberbügeln zu müssen ist nie erstrebenswert, egal ob es jetzt mit Funzelleistung oder mit mid-power gemacht wird. Wie schon erwähnt, es bekommt halt noch eine ganz andere Qualität wenns noch dazu bei einem eigensprachigen Programm passiert.

Bemerkung am Rande: die Hochries ist durch Arabella-Steyr östlich von ca. Sattledt und weit rauf bis Wullowitz/Leonfelden eh schon kaputt.
macright
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Re: Freies Radio Freistadt

Beitrag von macright »

Eines muss man sich aber schon vor Augen führen: hätte man es in den 80er, 90er Jahren vor Satellitenaufschaltung gewagt, zB deutsches TV (ARD/ZDF/BFS) in Oberösterreich oder West-Niederösterreich auf Gleichkanal für Privatfunk zuzukoordinieren, hätte das Ganze einen unglaublichen Aufschrei in der Öffentlichkeit mit oö. Lokalzeitungen, Politik usw. erzeugt und hätte der Programmwerber das wahrscheinlich wirtschaftlich nicht überlebt...

Das Radio aus dem gleichsprachigen Nachbarland hat halt bei uns jetzt (leider) keinen so schützenswerten Stellenwert mehr, bzw. wurden die Usancen auch durch die Verlagerung der Frequenzfindung von der Behörde in private Hand verändert. Folge desselben ist, dass bspw. schon 40km hinter der Grenze beim 110 km entfernten, 1850m hohen 100kW-Bestands-Ortssender mit mehr oder weniger Sichtverbindung eine (hoch interferenzbelastete) 0,1-Belegung probiert wurde oder dass man (=> ORS!) den Grundnetzsender Jauerling auf DAB 11D/5C rundstrahlend mit 10kW gegen das gesamte Netz Bayern ansenden lassen will, welches mit Werksgeräten im PKW aussetzerfrei vom Walserberg bis Gallneukirchen bei Linz geht. Das hat zwar noch ganz andere Qualität wie die "kleinen" Sachen in Ost-OÖ und geht maximal auf Konfrontation, aber unangenehm ist halt auch Letzteres.

Gleich- und Nachbarkanalbelegungen dieser beiderseits kollidierenden Art hat man halt seitens den Frequenzbehörden jahrzehntelang aus "guter Nachbarschaft" einfach NIE angedacht, und Bayern macht es umgekehrt mit dem Gaisberg noch heute in ganz Ober- und Niederbayern bis Höhe München nicht, meines Wissens erst 90,9 in Augsburg und 99,0 in Nürnberg bzw. 104,6 am (inneralpinen) Herzogstand, der München kaum mehr beeinträchtigt...
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Beitrag von hit24_for_ever »

macright hat geschrieben: Di 6. Feb 2024, 18:36 Eines muss man sich aber schon vor Augen führen: hätte man es in den 80er, 90er Jahren vor Satellitenaufschaltung gewagt, zB deutsches TV (ARD/ZDF/BFS) in Oberösterreich oder West-Niederösterreich auf Gleichkanal für Privatfunk zuzukoordinieren, hätte das Ganze einen unglaublichen Aufschrei in der Öffentlichkeit mit oö. Lokalzeitungen, Politik usw. erzeugt und hätte der Programmwerber das wahrscheinlich wirtschaftlich nicht überlebt...
Gabs das nicht sogar mal mit einem ORF-Programm?

Irgendwo meine ich gelesen zu haben dass am Sonntagberg ein Frequenzwechsel stattgefunden hat, wodurch der Empfang vom ZDF in Teilen Oberösterreichs beeinträchtigt wurde…soll auch Protest nach sich gezogen haben…
MHM
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Re: Freies Radio Freistadt

Beitrag von MHM »

Auf dem Dach des Bauernhofs oberhalb Pettenbach mußte der einfache Dipol durch einen vertikal gestockten Kreuzdipol ersetzt werden, um Richtung Budweis den geforderten Einzug (Schutz der 94,1 von Frekvence 1) zu erreichen. Ich hätte es bei den 50 W belassen, da selbst für diese geringe Leistung die Reichweite beachtlich war. Jetzt hört man das Signal in drei Bundesländern (Salzburg - Oberösterreich - Niederösterreich) und die neue 94,2 auf dem Zwölferhorn braucht schon eine ordentliche Richtstrahlung, um Kollissionen zu vermeiden.

Nach ITU-Empfehlung sind übrigens ortsübliche Sender zu schützen, das gilt aber eher auf nationaler Ebene. Es gab z.B. den Fall, daß der Empfang von Radio Grün Weiß im Bundesland Salzburg geschützt wurde, obwohl RGW keinen Versorgungsauftrag dort hat. Wäre nur eine grüne Wiese betroffen gewesen, hätte niemand was gesagt. So aber wäre in einer bewohnten Gegend westlich von Schladming der Schutzabstand verletzt worden und das wollte die RTR vermeiden. In einem anderen Fall bestand der BR darauf, daß die Grünten-Frequenz von BR Klassik nicht durch eine Vorarlberger Frequenz in Baden-Württemberg gestört wird. Mit anderen Worten: National ist der Overspill geschützt, auch über Bundeslandgrenzen hinweg.

International wird das nicht so streng gehandhabt, ein deutsches oder tschechisches Programm genießt in Österreich keinen Schutz, nichtsdestotrotz wird auf die Einhaltung der Schutzabstände geachtet. Fällt der ausländische Sender zu stark ein, würde die eigene Frequenz abgelehnt - nicht zum Schutz des ausländischen Programms, sondern weil für das inländische Programm kein sinnvolles Versorgungsgebiet mehr ausgewiesen werden kann. Als "versorgt" gilt ein Gebiet nur dann, wenn die Feldstärke des eigenen Senders die Feldstärke des Störers so stark überwiegt, daß der Schutzabstand erreicht wird.
macright
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Re: Freies Radio Freistadt

Beitrag von macright »

Augenfällig ist aber schon, dass dieser "Spielraum" eigentlich nur in Österreich seit ca. 2010 immer wieder regelmäßig (und neuerdings bis aufs Allerletzte) ausgereizt wird, in Südböhmen ist mir nichts Vergleichbares bekannt und in Ober- und Niederbayern auch nicht.

Einzig: In der Umgebung um Erding/Dorfen versuchte man sich an Ö3-Lichtenberg (160 km Distanz), meines Erachtens auch für beide Seiten schlecht, die Grenze für störungsfreien Lichtenbergempfang ist dadurch auf der Autobahn ca. der Tunnel Heldenstein/Ampfing. Auf unbelasteter Frequenz (bspw. Life) geht der mindestens bis Dorfen, teilweise sogar Erding. Ö3-Gaisberg ist dort aber ungleich besser und omnipräsent.

Zu Radio Austria und Gusental: Wenn ich ein Gebiet im oö. Flachland, das bloß ca. 25 km Strecke umfasst (= Linz-Perg auf der Bundesstraße B3) nicht über 2 wechselseitig zustrahlende Funzel-Frequenzen abgedeckt bekomme - ganz ehrlich - dann hapert es an der Standortwahl (Freinberg-RK-Mast, vom richtig großen Freinberg wärs vl. gegangen, die 89,2 ist nicht schlecht!) oder an der Frequenzwahl (Brotjacklriegelkollision beim Lanzenberg, daher unbrauchbar nach Westen). Will -AUSTRIA jetzt in Ballungszentren alle 15 km Wegstrecke einen Füllsender mit eigener Frequenz in Betrieb nehmen? Für das Gebiet noch einmal eine Frequenz beanspruchen zu wollen ist wohl wirklich eine Zumutung, da könnte vorher der ORF für Linz/Dornach (insb. JKU Kepler-Uni) und die Pöstlingbergstraße (gesamte Straße rauf) seine Stadtfunzel wieder anwerfen. Die Qualitätseinbrüche dort sind (nicht nur bei Klassik-Ö1) deutlich wahrnehmbar und für die ö-r. Rundfunkanstalt in einer Landeshauptstadt indiskutabel. Pegel hat er dort genug, aber der verzerrte Empfang ist grauslich.

Wie wird die reale Schutzabstandssituation vor Ort von der RTR in solchen Fällen festgestellt? Im Fall Wendelstein/Attergau muss man da den absolut inneren Marktkern von St. Georgen (Häuserzeile Attergaustraße) hergenommen haben, bezieht man das Umland ein hat man so gut wie überall einen unterschrittenen Schutzabstand und hätte das nie genehmigt werden können. Auch in der Stadt Vöcklabruck sehe ich das als hoch schwierig, eher unmöglich an. Vorab vorort physisch ausgemessen wurde das mit Sicherheit nicht.
Zuletzt geändert von macright am Di 6. Feb 2024, 21:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Freies Radio Freistadt

Beitrag von macright »

hit24_for_ever hat geschrieben: Di 6. Feb 2024, 18:51
macright hat geschrieben: Di 6. Feb 2024, 18:36 Eines muss man sich aber schon vor Augen führen: hätte man es in den 80er, 90er Jahren vor Satellitenaufschaltung gewagt, zB deutsches TV (ARD/ZDF/BFS) in Oberösterreich oder West-Niederösterreich auf Gleichkanal für Privatfunk zuzukoordinieren, hätte das Ganze einen unglaublichen Aufschrei in der Öffentlichkeit mit oö. Lokalzeitungen, Politik usw. erzeugt und hätte der Programmwerber das wahrscheinlich wirtschaftlich nicht überlebt...
Gabs das nicht sogar mal mit einem ORF-Programm?

Irgendwo meine ich gelesen zu haben dass am Sonntagberg ein Frequenzwechsel stattgefunden hat, wodurch der Empfang vom ZDF in Teilen Oberösterreichs beeinträchtigt wurde…soll auch Protest nach sich gezogen haben…
Erinnern daran kann ich mich nicht, kann mir aber vorstellen, dass die Proteste so stark waren, dass das auf hoher Ebene allerschleunigst umbelegt bzw. bereinigt wurde - wahrscheinlich noch mit Disziplinarverfahren für den Beamten, dem das eingefallen ist...

Das waren einfach zu viele Haushalte in Oberösterreich, jedes oö. Haus ohne Kabelanschluss hatte eine UHF-Antenne auf Schnaitsee, Pfarrkirchen oder Deggendorf...

Im Radio bei Arabella Ybbs und Bayern 2 (wahrscheinlich ziemlich gleiche Konstellation wie Sonntagberg, Beeinträchtigung bis Ried/Attersee) is es jetzt vollkommen egal...
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Re: Freies Radio Freistadt

Beitrag von Habakukk »

macright hat geschrieben: Di 6. Feb 2024, 21:03 Augenfällig ist aber schon, dass dieser "Spielraum" eigentlich nur in Österreich seit ca. 2010 immer wieder regelmäßig (und neuerdings bis aufs Allerletzte) ausgereizt wird, in Südböhmen ist mir nichts Vergleichbares bekannt und in Ober- und Niederbayern auch nicht.
Südböhmen kann ich nicht beurteilen, aber m.W. beschweren sich die Tschechen genauso über die Zufunzelung des UKW-Bands.

Dass in Ober- und Niederbayern in den letzten Jahren oder gar Jahrzehnten keine bzw kaum neue UKW-Frequenzen hinzu kamen, liegt einzig und alleine an einer Landesmedienanstalt, die ihre Schäfchen schützt und einfach keine neuen Anbieter zulässt.

Was haben wir in Bayern denn an Privaten auf UKW? Antenne Bayern, und pro Landkreis einen Lokalsender. Dazu mancherorts noch Radio Galaxy mit wirklich nur punktueller Versorgung, was aber auch noch vom schon vorhandenen Lokalradio mitveranstaltet wird. Das war's! Das ist mittelalterliche Planwirtschaft, die mit Wettbewerb nichts zu tun hat.

Lediglich in den Großstädten wie München oder Nürnberg hat man ansatzweise eine Vielfalt (quantitativ), die man in Österreich selbst in der tiefsten Provinz genauso hat.

Ja, wir haben DAB+ und dort eine wirklich große Auswahl, aber damit ist derzeit noch kein Blumentopf zu gewinnen.
macright hat geschrieben: Di 6. Feb 2024, 21:03 Einzig: In der Umgebung um Erding/Dorfen versuchte man sich an Ö3-Lichtenberg (160 km Distanz), meines Erachtens auch für beide Seiten schlecht,
Die Hitwelle Erding war so ziemlich die einzige Ausnahme, bei der die BLM in einer ländlichen Region ein zweites Lokalradio nachträglich zugelassen hat, das nichts mit dem ersten zu tun hat. Und wie man sieht, wurde es da koordinierungstechnisch schon eng. Dass man sich auf Linz 88,8 gesetzt hat, ist nicht schlimm, geht dort die Salzburger 99,0 eh viel besser. Aber ja, Ö3 stört z.B. in Dorfen empfindlich.

Auch das öffentlich-rechtliche Deutschlandradio hat noch einige Frequenzen nachkoordiniert. Eine 100,5 in Landshut gegen Life Radio, eine zum Glück nie realisierte 100,2 Rosenheim gegen 100,3 FM4. Eine 101,5 Augsburg gegen DRS1 Säntis. Eine 92,6 Bad Reichenhall gegen kronehit Linz.

Dass dir von Bayern weniger solcher Fälle bekannt sind, liegt einzig und alleine daran, dass hier auf UKW abgesehen von den paar Funzeln des öffentlich-rechtlichen Deutschlandradio seit den späten 90ern nix mehr dazu gekommen ist, während man in Österreich nur eine Frequenz finden muss und diese jederzeit für sich ausschreiben lassen kann.

Nun kommt man halt doch an die Grenzen des Machbaren, denke ich.
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