Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre...

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PAM
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Re: Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre...

Beitrag von PAM »

DH0GHU hat geschrieben: Fr 8. Okt 2021, 10:20Nunja, lass es uns als "Wost-Case-Szenario" betrachten. Ich sehe die Herausforderungen unserer Zeit durch die Ingenieursbrille. Probleme sind da, um sie zu lösen. Technologische Herausforderungen sind da, um sie zu meistern. [...]

Die Gestehungskosten für Solarstrom liegen in Deutschland übrigens im einstelligen Centbereich - da bleibt noch viel "headroom" für notwendige lokale Energiespeicher. Wer sich heute ein Einfamilienhaus baut und nicht von vornherein auf Energieunabhängigkeit setzt, wird später viel Geld ausgeben...
Und wir hätten viel mehr Ökostrom im Netz, wenn bei Lastspitzen nicht permanent konventionelle Lieferanten massiv bevorzugt würden. Egal wie hoch der Preis im Netz gerade ist, die Vergütung für die Solarstromanlage ist gedeckelt. Was ein Schwachsinn...
:spos: :danke:

Bei Lastspitzen ist der dran, der kurzfristig liefern kann. Wind- oder Solarenergie stehen jahreszeitlich und witterungsbedingt nicht an jedem Tag im benötigten Umfang zur Verfügung. Im Gegenteil! Es ist zumeist dann ein Überangebot da, wenn man es nicht braucht. Wobei effiziente und halbwegs aktuelle Solartechnik selbst bei bewölktem Himmel noch etwas bringt - Solarthermie sogar noch eher als Photovoltanik. Ein gasbetriebenes Kraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung ist binnen kürzester Zeit in Betrieb zu kriegen und ebenso schnell wieder abgeschaltet. Was effektiv zumindest in der Stromnetz-Infrastruktur fehlt, das sind potente Speichermöglichkeiten und ein Netz, das auch über weite Distanzen effizient wie auch zuverlässig ist. Nicht in jeder Region funktionieren die gleichen ökologischen Formen der Energiegewinnung gleichermaßen gut. Aber Energie braucht jeder! Zwar kann man ein Haus inzwischen autark versorgen, muss daran aber seinen Lebenswandel anpassen. Freunde von mir wohnen so und versuchen ihren Wärme- wie auch ihren Strombedarf selbst zu erzeugen. Daher auch die Erfahrung, dass Solarthermie selbst an Wolkentagen noch Ertrag bringt. Bei starker Bewölkung bringt die Photovoltanik aber kaum noch genug, um den Eigenverbrauch des Wechselrichters zu decken. Hinzu kommt teilweise Verschattung des Grundstücks durch Bäume, die nicht entfernt werden durften. Genutzt werden alle Dachflächen am Haus, auch die nach Norden (selbst die bringen Ertrag!), dazu das Dach des Carports und einer Doppelgarage.

Dafür wird eben Wäsche und Geschirr dann gewaschen, wenn die Anlage genug liefert, um das mit eigenem Strom zu schaffen. Mehrere 100 Kilogramm Lithium stehen als Stromspeicher in Schrankgröße im Keller. Hat die Solarthermie Überschuss und sind alle Wasserspeicher heiß genug, wird der Pool beheizt. Der war mir im Sommer an einigen Abenden aber bereits zu warm, das Ding hatte Badewannentemperatur.

Ich selbst nutze eine so genannte "Balkonanlage" auf einem Fensterbrett, um Strom zu ernten. Ein 12 V-Inselnetz habe ich, das zwar nicht besonders effizient ist, dafür aber nahezu kostenlos war. Licht und Radio gibt es kostenlos, den Strom für Schmierfon und Tablet ebenso. Nach mehreren sonnigen Tagen ist mein Bleigel voll, mehrere dauergraue Tage bringen mir allerdings dann auch wieder gar nichts. Ist nur Spielerei, öffnet einem aber auch die Augen dafür, wann Solarenergie zur Verfügung steht und wann nicht.
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DH0GHU
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Re: Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre...

Beitrag von DH0GHU »

Du beschreibst den Status Quo mit den Erfahrungen eines "Early Adopter". Wer klein denkt, bleibt klein.
Die Anforderung ist doch klar: Sicherstellung einer Energieversorgung, die bei massiv reduziertem (bis auf 0 in einigen Jahrzehnten) CO2-Ausstoß unseren jetzigen Lebensstandard sichert oder sogar erhöht. Diese Anforderung ist heute nicht erfüllt, aber wir kommen ihr näher. Allerdings fehlen dafür noch die richtigen politischen Weichenstellungen, weil die schlichtweg herausgezögert wurden. Irgendwann besteht dann halt auch die Gefahr, dass der Lebensstandard nicht zu wahren ist, weil man zu lange wartet. Das ist wie beim persönlichen Lebensstandard: Hätte ich mich erst mit 40 statt mit knapp 20 für ein Ingenieursstudium mit anschließender Erwerbstätigkeit entschieden und bis dahin nix gemacht, hätte ich meinen Lebensstandard weder wahren noch erhöhen können.

Man wird im Fall einer Dunkelflaute wohl auch mittelfristig (15-30 Jahre) nicht darum herum kommen, Gasturbinenkraftwerke einzusetzen.
Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich, dass verbundsnetzweit eine längere Dunkelflaute herrscht. Das Netz muss aber drastisch ausgebaut werden. Wenn das Entsorgungsproblem nicht wäre, wäre auch die jüngste AKW-Generation als Grundlast-Lösung denkbar, allerdings sind die Kosten solcher Lösungen alles andere als zu unterschätzen....

Abgesehen davon: Speichertechnologien gibt es zuhauf, und schon heute werden dafür sogar schon ausgediente E-Auto-Akkus eingesetzt - von denen es in ca. 10 Jahren auch deutlich mehr geben wird... Wenn ich weiß, dass ich in den nächsten Stunden nicht große Strecken fahren werde, kann ich mein Auto sogar als Speicher zur Verfügung stellen - dann muss sich das aber wirtschaftlich lohnen. Die häufig erwähnte Wasserstoff-Nutzung ist vor allem für Dunkelflauten interessant. In Erzeugungsspitzen müssen Kraftwerke dann nicht mehr wie heute vom Netz genommen werden, sondern es wird Wasserstoff erzeugt und regional gespeichert.
Dazu kommen dann noch verbrauchssteuerungsmöglichkeiten - ich muss mein Warmwasser nicht mit Durchlauferhitzer morgens um 7 erhitzen, wenn alle duschen, ich kann auch nachts um 3 den Boiler aufheizen. wenn ich dank günstiger Nachttarife einen wirtschaftlichen Vorteil davon habe, mache ich das sogar gerne.

Und man muss auch größer denken: Wir brauchen dringend eine ökologische Steuerreform, die weniger stark Arbeit besteuert, sondern Resourcenverbrauch. Die nicht fette Firmenwagen belohnt, sondern jeden, der auszubauende ÖPNV-Angebote nutzt - und sei es nur, indem diese steuerlich begünstigt werden.
Ob ich 2000 € im Monat für Einkommenssteuer oder für eine Resourcenverbrauchssteuer zahle, ist mir egal, solange es bei 2000 € bleibt.


Und Butter aus Norddeutschland in Süddeutschland zu essen, um dafür süddeutsche Butter nach Schleswig-Holstein zu liefern, muss ich noch nicht mal aus ökologischen Gründen für dumm halten. Da reicht mir schon ein Blick auf die Verkehrslage bei googel maps, um das uncool zu finden. Dass es wirtschaftlich ist, solche Transportwege in Kauf zu nehmen, obwohl es aus Gründen der Lebensqualität nicht zwingend nötig wäre, zeigt doch, dass an der falschen Stellschraube geschraubt wurde.
"Lokal kaufen" wird doch schon strukturell allzuoft ausgebremst, vor allem beim Discounter. Und nein, damit ist nicht der Verzicht auf norwegischen Biolachs oder südeuropäisches Olivenöl gemeint - die Transportmengen und damit Belastungen von Ökosystem und Verkehrsinfrastruktur sind vor allem bei Grundnahrungsmitteln entsprechend hoch.


Eine umfassende, mutige Steuerreform würde sogar die Wünsche der derzeitigen Koalitionsanwärter komplett befriedigen. Das Gesamtsteueraufkommen muss nicht steigen (FDP), Arbeitseinkommen können steuerlich entlastet werden (SPD), und eine steuerliche Lenkungswirkung belohnt ökologisch bewusstes Handeln von Industrie und Konsumenten (Grüne).
Wie wäre es mit einem Mehrwertsteuersatz von 0% auf Ökostrom? Oder einen reduzierten Mehrwertsteuersatz auf Anlagenteile? Die Gegenfinanzierung erfolgt über eine gleichwertige Erhöhung der Steuer auf fossile Stromerzeugung...
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Re: Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre...

Beitrag von ulionken »

PAM hat geschrieben: Fr 8. Okt 2021, 09:24 Ökoziele sind allein mit Verboten nur erreichbar, wenn Industrie, produzierendes Gewerbe, Landwirtschaft, Energieerzeugung usw. ins Ausland verlagert werden und nicht mehr unsere Bilanz versauen.
Nein! Eine vollständige Ökobilanz endet nicht an der Firmen- oder Landesgrenze, sondern erfasst auch die Beiträge aller Zulieferer und Importe. Es ist zwar schwieriger, diese externen Beiträge zu erfassen, aber keineswegs unmöglich. Wer natürlich nur den CO2-Ausstoss im Inland oder im eigenen Firmengelände minimiert und den Rest aussen vor lässt, der ist wirklich blöd. Das zerstört die eigene Wirtschaft, ohne dem Ziel zu dienen. Ich hoffe, so dumm sind die Politiker nicht, die Kriterien an der eigenen Haustüre enden zu lassen. die Industrie ist da (zumindest in meiner Sparte) schon weiter.

PAM hat geschrieben: Fr 8. Okt 2021, 09:24 Zugleich muss hier die Infrastruktur runtergefahren werden und allgemein ein niedrigerer bzw. bescheidener Lebensstandard für den überwiegenden Teil der Bevölkerung erzwungen werden. Machbar wäre vieles zum aktiven Umweltschutz aber bereits mit besserer Ausnutzung derzeitiger Technologien, um Rohstoffe und Energie effizienter und letztlich sparsamer einzusetzen. Rohstoffe und Energie werden wir weiterhin verbrauchen (müssen), sollten dies aber bewusster tun. Sparsamkeit mit alledem sollte sich lohnen, anstatt für die Verwendung von irgendwas erstmal pauschal nur bestraft zu werden.
Den ersten Punkt sehe ich anders. Wir müssen unseren Lebensstandard nicht zwingend einschränken, um weniger Treibhausgase in die Luft zu blasen. Ich selber lebe zusammen mit meiner Frau seit gut zehn Jahren relativ sparsam, was den Energieverbrauch angeht: Heizung runter, bevorzugt regionale Produkte kaufen, Fahrrad oder Öffi statt Auto, Bahn statt Flugzeug, wo möglich und sinnvoll. Das Ganze nicht stur, sondern da wo es etwa bringt und nicht zu viele Umstände macht. Ich finde überhaupt nicht, dass diese Verhaltensänderungen unseren Lebensstandard gesenkt haben! Gehört es zu einem angemessenen Lebensstandard, täglich mit seinem SUV zum Einkaufen um die Ecke zu fahren oder einmal im Monat nach New York zu jetten? Wer das tun will, der soll es tun, aber auch kräftig dafür zur Kasse gebeten werden, z.B. über eine CO2-Abgabe. Die Einnahmen daraus gehören an die Haushalte verteilt - wer sparsam lebt, der profitiert sogar davon - Belohnung statt Strafe, so wie Du das vorschlägst. Ausserdem fördert so eine Abgabe die Innovation, etwa die Entwicklung weniger schädlicher Verkehrsmittel oder Heizungstechniken. Das könnte der lokalen Industrie im internationalen Wettbewerb Vorteile verschaffen.

Also, nicht so pessimistisch! Man kann das Ganze natürlich auch komplett versemmeln, wenn man es nur ungeschickt genug aufzieht.

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DH0GHU
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Re: Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre...

Beitrag von DH0GHU »

Beim Thema Klimaschutz sollte man ja immer den globalen Kontext im Auge behalten.
Rechtsnationale und wissenschaftsverleugnende Kreise sowie alle möglichen Lobbyisten der Kohlenstoffindustrie behaupten ja immer gerne, wir würden einen Sonderweg gehen. Dem ist aber keineswegs so.
Sowohl Verbrenner sind auf dem Rückzug: https://www.auto-motor-und-sport.de/ver ... ektroauto/
als auch Kohlekraft - sogar in China: https://www.zeit.de/wirtschaft/2021-09/ ... obal-de-DE

China zeigt aber tagesaktuell auch die Risiken des zu späten Handelns auf. Viel Zeit wurde bereits in den letzten Jahren verloren, und je länger wir mit notwendigen Maßnahmen warten, desto drastischer werden sie eben... Immerhin wusste schon Bundeskanzler Helmut Schmidt 1979, dass fossile Energieträger keine Lösung (wegen des ihm damals schon bekannten Treibhauseffekts) und Kernenergie eine Übergangstechnologie seien: https://www.spiegel.de/politik/kernener ... 0040349636
Und wie wir wissen: Der Mann dachte an Fakten, nicht an Visionen.
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DH0GHU
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Re: Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre...

Beitrag von DH0GHU »

Annegret Kramp-Knarrenbauer und Peter Altmeier geben ihre Mandate auf, um die "Jugend" (naja) nachrücken zu lassen :spos: https://www.spiegel.de/politik/deutschl ... a8c0e4a55c
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PAM
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Re: Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre...

Beitrag von PAM »

Am Rande bemerkt: Rund 15 Millionen haben nicht gewählt - also auch nicht ungültig.
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Re: Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre...

Beitrag von PAM »

Auch heute wird man weiter sondieren. Wie auch immer es ausgehen mag, die neue Regierung bekommt anspruchsvolle Aufgaben! Einerseits ist Corona noch nicht ganz vom Tisch und niemand weiß, was uns der Winter noch bringt. Was er uns auf jeden Fall bringt, das sind enorm steigende Energiekosten. Das wird wohl hauptsächlich die privaten Kleinverbraucher treffen - die Industrie zahlt erheblich weniger dafür. Um die Inflation im Euro-Raum nicht weiter anzufachen, wird die EZB ihre Nullzinspolitik bald aufgeben müssen. Deren Oberste tagen ab heute.

Innerhalb EU-Europas zeichnet sich eine Wirtschaftskrise ab. Als Nachwirkung der Trump-Regentschaft haben Wirtschaftsbeziehungen Richtung USA gelitten und zumindest Grüne und SPD gelten nicht unbedingt als USA-freundlich. Nahezu alle Wirtschaftsbranchen leiden unter Rohstoffmangel und deshalb stark gestiegenen Kosten für Rohstoffe und Vorprodukte. Ergänzt durch die bereits eingangs genannten Energiekosten. Auch diese immer schneller drehende Preisspirale würden Grüne und SPD in der neuen Regierung wahrscheinlich nicht abbremsen. Und gerade die für die Herstellung Hochtechnologieprodukten nötigen Halbleiter sind und bleiben Mangelware. Nimmt man ergänzend zu Kenntnis, dass sich vor Rotterdam und Bremerhaven Schiffe aufstauen und Tage bis hin zu Wochen auf die Abfertigung warten, bedeutet das für die in vielen Branchen wichtige Vorweihnachts-Geschäftszeit nichts Gutes. Abgesehen vom Schiffsverkehr geraten auch andere Lieferketten ins Stocken - jahrelanges "just-in-time" funktioniert heute nicht mehr verlässlich. Wird demnächst noch Ad-Blue knapp, weil bereits Hersteller wegen hoher Energiekosten die Produktion drosselten bzw. einstellen werden, dann bleiben auch hier Diesel-betriebene Transportmittel stehen.

Direkte Unterstützung der Wirtschaft ist - anders als in der direkten Corona-Krise - nicht mehr so ohne weiteres möglich. Die Industriefreundlichkeit der SPD ist überschaubar, Grüne Politik wird viel davon in den kommenden Jahren in andere Länder abwandern lassen. Selbst große deutsche Industriestandorte sind nach einer Vorstandsentscheidung rasch zugunsten ausländischer Standorte aufgegeben. Dann nimmt man dort eben nochmal Förderungen mit oder erfreut sich an geringeren Ansprüchen an Umweltschutz, geringeren Energiekosten und billigen Arbeitskräften.

Heute soll es jedenfalls keine Presseerklärung zum Zwischenstand der Gespräche geben. Man versucht, die Inhalte geheim zu halten. Eine Zusammenfassung für die Öffentlichkeit wird es daher vielleicht morgen geben. Es zeichnet sich aber ab, dass von den Grünen weitaus mehr Eingeständnisse gemacht werden, um unbedingt mit in die Regierung zu kommen.
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Re: Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre...

Beitrag von DH0GHU »

Du glaubst jetzt ernsthaft, dass die Industrie so mir-nichts-Dir-nichts in andere Länder ausweichen kann? Die unterliegen ebenfalls den internationalen Vereinbarungen zum Klimaschutz und setzen die teils noch sturer um - siehe Stromabschaltungen in China. Die Ampel hört vielleicht mehr auf die Industrie als die bisherige Bundesregierung und ist damit industriefreundlicher, wenn sie klare Vorgaben fordern:

https://www.spiegel.de/wirtschaft/unter ... 0cfc48fae3
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Re: Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre...

Beitrag von strade »

Stromabschaltungen in China : China - Kohle - Australien.
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Re: Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre...

Beitrag von PAM »

Durch den Corona-Zirkus sind die Staatsschulden massiv gestiegen. Das auszugleichen, ginge nur, wenn man irgendwen höher belastet. Steuererhöhungen oder eine Neujustierung der Schuldenbremse sind mit der FDP nach den letzten Verlautbarungen nicht zu machen. SPD und Grüne hatten zwar vor, untere Einkommensschichten zulasten der Spitzenverdiener steuerlich zu entlasten - aber selbst das dürfte, selbst wenn sich keine steuerlichen Mehreinnahmen für den Bundeshaushalt ergeben, mit der FDP nicht machbar sein. Die ehrgeizigen und auch zahlreichen Investitionsvorhaben aller Koalitionspartner sind mit der jetzigen Kassenlage aber nicht machbar. Entweder geht es weiter so und man verschiebt Wahlkampfversprechen in die Zukunft - oder man verabschiedet sich von einigen Sachen gleich ganz.

Die noch amtierende Bundesregierung hat für 2022 die Schuldenbremse noch einmal ausgesetzt. Revidiert die neue Regierung den Schritt nicht sofort wieder, dann müsste der Haushalt spätestens ab 2023 wieder den Vorgaben entsprechen. 99,7 Milliarden Neuverschuldung sind für 2022 eingeplant. Sollte man einige der geplanten Investitionen tatsächlich 2022 realisieren wollen, dann ginge das nur 2022 und auch nur mit einmaligen Ausgaben - selbst wenn deshalb die Verschuldung noch einmal erheblich steigen würde. Langfristige Sachen wären damit nicht realisierbar, es würde auch die vielfach beklagte Planungssicherheit für die nächsten Jahre fehlen.

Insofern geht es der neuen Bundesregierung so wie vielen im Volk: Große Pläne, aber leere Taschen. :bruell:
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Re: Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre...

Beitrag von DH0GHU »

PAM hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 11:06 Durch den Corona-Zirkus sind die Staatsschulden massiv gestiegen. Das auszugleichen, ginge nur, wenn man irgendwen höher belastet. Steuererhöhungen oder eine Neujustierung der Schuldenbremse sind mit der FDP nach den letzten Verlautbarungen nicht zu machen. SPD und Grüne hatten zwar vor, untere Einkommensschichten zulasten der Spitzenverdiener steuerlich zu entlasten - aber selbst das dürfte, selbst wenn sich keine steuerlichen Mehreinnahmen für den Bundeshaushalt ergeben, mit der FDP nicht machbar sein. Die ehrgeizigen und auch zahlreichen Investitionsvorhaben aller Koalitionspartner sind mit der jetzigen Kassenlage aber nicht machbar. Entweder geht es weiter so und man verschiebt Wahlkampfversprechen in die Zukunft - oder man verabschiedet sich von einigen Sachen gleich ganz.

Die noch amtierende Bundesregierung hat für 2022 die Schuldenbremse noch einmal ausgesetzt. Revidiert die neue Regierung den Schritt nicht sofort wieder, dann müsste der Haushalt spätestens ab 2023 wieder den Vorgaben entsprechen. 99,7 Milliarden Neuverschuldung sind für 2022 eingeplant. Sollte man einige der geplanten Investitionen tatsächlich 2022 realisieren wollen, dann ginge das nur 2022 und auch nur mit einmaligen Ausgaben - selbst wenn deshalb die Verschuldung noch einmal erheblich steigen würde. Langfristige Sachen wären damit nicht realisierbar, es würde auch die vielfach beklagte Planungssicherheit für die nächsten Jahre fehlen.

Insofern geht es der neuen Bundesregierung so wie vielen im Volk: Große Pläne, aber leere Taschen. :bruell:
Man wird sicherlich Wege finden, wenn allseits der Wille zum Erfolg vorhanden ist. Zukunftsinvestitionen lassen sich unter Umständen buchungstechnisch auch "auslagern" - in Staatseigene Unternehmen beispielsweise. Angesicht des aktuellen Zinsniveaus in Relation zur Inflation wäre es sowieso töricht, unumgängliche Investitionen (Digitalisierung, Energiewirtschaft, öffentliche Verkehrsträger) auf die lange Bank zu schieben. Das ideale Zeitfenster ist da allerdings möglicherweise schon verstrichen.
Außerdem: Auch die Covid19-Hilfen waren eine Zukunftsinvestition. Betriebe und Jobs, die dadurch erhalten wurden, sind die Steuerzahler von morgen.
Bleibt noch die Option des Sparens an anderen Stellen. Aber das dürfte mit der SPD nicht zu machen sein.
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Re: Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre...

Beitrag von DH0GHU »

Spannende Worte eines erfahrenen Sozialliberalen. Wäre schön, wenn sich aus damaliger Zeit ein paar sozialliberale Einstellungen wiederbeleben ließen: https://www.spiegel.de/politik/deutschl ... 7d8257461d
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Re: Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre...

Beitrag von PAM »

Nachdem gestern tatsächlich keine Details ausgeplappert wurden, soll es gleich gegen 13:30 Uhr heute eine Stellungnahme für die Presse geben.
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Re: Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre...

Beitrag von Radio Fan »

PAM hat geschrieben: Di 12. Okt 2021, 13:01 Nachdem gestern tatsächlich keine Details ausgeplappert wurden, soll es gleich gegen 13:30 Uhr heute eine Stellungnahme für die Presse geben.
Auch heute nichts grundsätzlich anderes. Außer das bei den weiteren Sondierungen es ein gutes angenehmes Klima in den Gesprächen gab,
weiterhin keine Äußerungen zu den Inhalten.
Hätte man sich auch sparen können… ;)

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Re: Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre...

Beitrag von PAM »

das letzte MHz hat geschrieben: Di 12. Okt 2021, 14:03Lustig wird es auch bei der Frage, wo die Grünen ihr Gas herbekommen wollen. Von Putin zumindest nicht: https://www.gruene.de/aktionen/nord-stream-2-stoppen

Die Frage bleibt aber im Raum: Wenn man weder Atomkraft, noch Braun- oder Steinkohle will und die erneuerbaren Energien de facto noch nicht die fossilen Energieträger ersetzen können und man aus politischen Gründen auch nicht mehr bei Putin kaufen will, wo soll das ganze Gas herkommen :gruebel:

Die Grünen vergessen immer, dass Wunsch und Wirklichkeit zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Man muss eben nicht nur wollen, man muss auch können und die Grünen wollen immer nur :kopf:
Auch die SPD möchte sich eher von wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland lösen. ;)

Ich vertrete ja noch immer die Ansicht, dass man sich nicht vorschnell vom Atomstrom hätte verabschieden dürfen. Von als unsicher erkannten Kraftwerken gewiss, das kann es nicht wert sein. Aber eine bestehende Reaktoranlage kann mit dem eingesetzten Brennmaterial eine ganze Weile laufen. Und die Betreiber hatten und haben noch betriebsfähiges Material, das man hätte aufbrauchen können. Problemabfall ist es in jedem Fall, ob nun ausgenutzt und verbraucht oder noch einsatzfähig. Es wäre genauso, als würde ich täglich eine Packung Milch öffnen, ein Schlückchen in meinen Kaffee geben und den Rest sofort wegschütten. Macht doch auch niemand, oder?

In der Finanzwelt betreibt man Risikostreuung damit, dass man Investitionen auf drei oder mehr Säulen stellt, statt alles in einem Anlageobjekt zu versenken. Geht das krachen, dann ist alles futsch. Ähnlich sehe ich es mit der Energieversorgung! Nicht in jeder Region ist Windkraft machbar. In meiner Heimat würde sich ein Gezeitenkraftwerk auch nicht so gut bewähren. Akut fehlt es an Speichermöglichkeiten und potenten Stromtrassen, um die Energie vom Erzeugungsort auf die Verbrauchsregionen zu verteilen. Der Ausbau von beidem wurde und wird politisch behindert, mehrheitlich sogar mit teurer Lobbyarbeit.
Ach ja, die BR-Nachrichten erwähnten eben, dass der Gaspreis seit Jahresbeginn um 440 % gestiegen sei. :danke:


Spannend bleibt weiterhin die Frage, woher das Geld für die Realisierung der vielen Wahlkampfversprechen kommen soll. Von den Grünen kam die Aussage, mit Nebenhaushalten, beispielsweise einem Klimaschutzhaushalt, an der Schuldenbremse vorbei Kredite aufnehmen zu können. Diese Neuverschuldung, so die Grünen, wären die Klimaverantwortung der kommenden Generationen. Diese kommenden Generationen werden sich dafür bedanken, denn eine hohe Staatsverschuldung wird ganz konkret zu spüren sein. Konkreter als jedes diffuse Weltuntergangsgeschwafel! Die SPD zog es in Betracht, die Notlagenklausel der Schuldenbremse nach 2020 und 2021 auch im kommenden Jahr nochmal auszunutzen, um Milliarden in dreistelliger Höhe mit neuen Krediten aufnehmen zu können, mit denen Investitionen der kommenden Jahre zumindest angestoßen werden könnten. Allerdings ist ein großer Teil des in den letzten zwei Jahren aufgenommenen Kreditrahmens noch nicht einmal aufgebraucht worden.

Jetzt lohnt es sich, genau auf die FDP zu achten: In den Wahlkampf ging die Partei mit der Position, Steuererhöhungen auszuschließen und die Schuldenbremse wieder einzuhalten. Diese sprichwörtlichen "roten Linien" waren bisher immer als nicht diskutabel bezeichnet worden. Jetzt, wo der Griff nach der Macht nah ist, sollten die Wähler genau hinsehen!
Es wäre ja nicht das erste Mal, dass die FDP zugunsten einer Regierungsbeteiligung... :sagnix:
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