Dobratsch 102,9 (FM4) in Südbayern

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Dudelsack
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Dobratsch 102,9 (FM4) in Südbayern

Beitrag von Dudelsack »

Hallo zusammen,
Nach längerer Zeit möchte ich mich hier im Forum mal wieder zu Wort melden, weil ich heute eine Entdeckung gemacht habe, die mich in höchstem Maße staunen lässt.
Also, der Reihe nach. Ich bin derzeit in Hohenau im Bayerischen Wald im Urlaub. Schon als ich gestern dort ankam, fiel mir auf, dass hier vieles ganz anders ist, als man anfangs denken würde. Die Tschechische Grenze ist hier lediglich 25 km entfernt, trotzdem höre ich ziemlich genau gar nichts von dort, stattdessen unzählige Funzeln aus Österreich. Natürlich vor allen Dingen OÖ, aber auch aus dem Salzburger Land finden sich einige Kleinsender und sogar die Grundnetzsender Kitzbühler Horn (Ortssenderqualität) und Patscher Kofel (teilweise mit nur leichtem Knistern unterlegt) aus Tirol kann man hier gut empfangen, wenn man nichts weiter als einen Degen mit Teleskopantenne benutzt. Spannende Ausgangslage also so weit.
Bei meinem Scan gab es eine ganze Reihe von
Sendern, deren Standort ich nicht kannte, jedoch relativ schnell über fmscan.org ausfindig machen konnte. Bloß FM4 auf 102,90 MHZ, den ich konstant mit etwa O=3 aufnehmen konnte, gab mir Rätsel auf. Ich suchte ihn in Oberösterreich, in Salzburg und Tirol, jedoch vergebens.
Heute schaute ich dann mal genauer nach und staunte nicht schlecht. Offenbar hatte ich den Sender Dobratsch in Kärnten empfangen. Das war um so mehr erstaunlich, als dass keinerlei andere Frequenzen aus dieser Richtung empfangbar waren. Die 92,80 MHZ oder die 97,80 MHZ wären im Prinzip ja weitestgehend frei, aber da tut sich nichts. Und auch aus dem Umfeld (Steiermark, andere Kärntner Sender) kommt nichts an. Merkwürdig, sowas, aber per Reflexion gibt es ja die dollsten Sachen.
Richtig verwirrt war ich dann, als ich einem Hobbyfreund von meiner Entdeckung berichtete und dieser mir erzählte, er habe die 102,90 MHZ mit FM4 bereits auf der A8 zwischen München und Rosenheim beobachten können, wenn er auf der Durchreise gewesen sei. Dort habe sie sich einen zähen Kampf mit Radio Impuls aus Tschechien auf selber Welle geliefert und er habe bislang immer vermutet, dass es auf 102,9 wohl noch einen weiteren Sender von FM4 geben müsse, wahrscheinlich irgendwo in Tirol oder so. Dafür sprach auch, dass keine anderen Dobratsch-Frequenzen auf dieser Strecke zu empfangen waren. Um so mehr war er dann heute verblüfft, als ich eben ganz ähnliche Beobachtungen schilderte.
Daraus ergeben sich für mich zwei Fragen:
erstens: Was hat die 102,90 MHZ, was die anderen Frequenzen vom Dobratsch nicht haben? Lokale Reflexionen können natürlich manchmal kleine Wunder wirken, aber das scheint ja großflächiger (immer mal wieder zwischen M und RO sowie eben jetzt bei mir im Bayerwald) aufzutreten. Wieso nur FM4 und keine der anderen, stellenweise bestimmt ähnlich freien Frequenzen von diesem Standort?
Und zweitens: Hat hier irgendjemand im Südbayerischen Raum schon ähnliche Erfahrungen machen können? Was hören unsere Forenmitglieder aus diesem Gebiet auf der 102,90 MHZ?
Danke schon jetzt für Eure Antworten! Ich werde das Band hier auf jeden Fall im Auge behalten und versuchen, mal einen vollständigen Bandscan zu erstellen, das dürfte hier nämlich wirklich recht interessant aussehen.
Habakukk
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Re: Dobratsch 102,9 (FM4) in Südbayern

Beitrag von Habakukk »

Die 102,9 ist bei mir hier nordwestlich des Chiemsees belegt mit Kronehit vom Kitzbüheler Hahnenkamm und Radio Impuls aus Tschechien vom Klet. Da geht ohne höherem Antennenaufwand nix

Ich hatte aber bei Wartungsarbeiten des Hohenpeißenberg auf 92,8 damals Ö1 vom Dobratsch drin. Fadete ein wenig hin und her, aber ging doch dauerhaft. Die 97,8 dagegen will einfach nicht, obwohl sie von dem Mini-Signal aus Landshut abgesehen frei wäre. 105,5 mit etwas weniger Leistung scheint zu schwach zu sein.

Fährt man hier in den Alpen etwas weiter hoch, kommt der Dobratsch aber recht schnell durch (so ab 1000m etwa). Ich glaube, dass er auch weiter östlich (Traunstein ostwärts) in nach Süden freien Lagen gehen dürfte. Es gibt da laut RadioMobile so eine Schneise, in der Signalreste zu empfangen sind. Dein Urlaubsort könnte in der Verlängerung dieser Schneise liegen. So grob die Linie Tauernautobahn - Salzburg - Laufen - Burghausen.

Generell gilt hier im Alpenvorland: je weiter weg von den Alpen man ist, um so mehr Chancen hat man. Wenn man zu nahe an den Bergen dran ist, schirmen die einfach alles zu massiv ab. Etwas weiter weg aber kommen die Signale oft wieder durch. Deshalb ist da der bayerische Wald oft gut geeignet, man befindet sich erhöht und weit genug weg, dass sich die nördlichsten Berge der Alpen nicht mehr so deutlich auswirken. Man sieht von dort aus quasi wieder über die ersten Berge drüber.

Wenn du das Kitzbüheler Horn als Ortssender drin hattest, hattest du echt Glück, dass der Hahnenkamm sich nicht störend bemerkbar gemacht hat. Dieser dürfte auch zwischen Inntaldreieck und Irschenberg Probleme machen. Mir wäre dort tatsächlich noch kein FM4-Empfang aufgefallen, aber ich würde sofort glauben, dass das geht.

Ich kann bei mir Zuhause auch den Schöckl empfangen, obwohl da allerlei Geröll dazwischen ist und das eigentlich nicht möglich sein sollte. Irgendwie reflektiert sich das halt durch.

Ein paar km entfernt von hier ist z.B. die Paganella aus dem Trentino zu empfangen (88.6 und 93.4).

So undurchdringlich wie man immer meint sind die Alpen gar nicht.
DH0GHU
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Re: Dobratsch 102,9 (FM4) in Südbayern

Beitrag von DH0GHU »

Habakukk hat geschrieben: Mo 25. Jul 2022, 23:04
So undurchdringlich wie man immer meint sind die Alpen gar nicht.
Die Klassiker hier in der Region sind diverse Italiener im Ammertal bei Saulgrub oder die SWR1-verdrängende Hallelujaschleuder vom Brenner auf 98,7 MHz in Höhe der A95-Ausfahrt Sindelsdorf...
QTH: Obersöchering/JN57OR, zeitweise Kehl/JN38VN
Funkamateur, DLF-Hörer, Multipler Musikgeschmack, DAB-Nutzer. Normal ist normalerweise langweilig.
http://zitate.net/kritik-zitate
Lebe stets so, dass die fckAfD dagegen ist!
Dudelsack
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Re: Dobratsch 102,9 (FM4) in Südbayern

Beitrag von Dudelsack »

Habakukk hat geschrieben: Mo 25. Jul 2022, 23:04 Die 102,9 ist bei mir hier nordwestlich des Chiemsees belegt mit Kronehit vom Kitzbüheler Hahnenkamm und Radio Impuls aus Tschechien vom Klet. Da geht ohne höherem Antennenaufwand nix

Ja, ich glaube, speziell der Klet würde es an den meisten Stellen hier in der Gegend unmöglich machen, FM4 auf 102,9 zu hören. Ich habe da fast schon unverschähmtes Glück, dass meine Unterkunft genau so liegt, dass sich diese besondere Empfangslage ergibt, die für diesen Teil des Bayerwalds ja doch eher untypisch ist.
Habakukk hat geschrieben: Mo 25. Jul 2022, 23:04 Die 97,8 dagegen will einfach nicht, obwohl sie von dem Mini-Signal aus Landshut abgesehen frei wäre. 105,5 mit etwas weniger Leistung scheint zu schwach zu sein.

Ja, hier wäre auf der 97,80 MHZ auch nur Bayern 2 aus Landshut zu überwinden, der aber eigentlich nur an ausgewählten Positionen ganz knapp über der Grasnarbe ankommt, in den meisten Antennenausrichtungen gar nicht mehr wahrnehmbar ist. Die 105,50 MHZ wäre da bei mir schon schwieriger, weil sie mit Radio Trausnitz und Kronehit (richtige Landplage hier, auf insgesamt neun Frequenzen empfangbar) belegt ist. Die geringere Sendeleistung tut da wohl ihr Übriges.
Habakukk hat geschrieben: Mo 25. Jul 2022, 23:04 Es gibt da laut RadioMobile so eine Schneise, in der Signalreste zu empfangen sind. Dein Urlaubsort könnte in der Verlängerung dieser Schneise liegen. So grob die Linie Tauernautobahn - Salzburg - Laufen - Burghausen.

OK, das klingt interessant. Mir fehlt eben gerade eine taktile, topographische Karte von Österreich, auf der ich den Weg des Signals mal anschaulich nachvollziehen könnte. Spannend finde ich ja eben, dass es offenbar nicht nur eine kleine Lücke in den Alpen gibt, durch die das Signal eben gerade noch hier im Bayerischen Wald ankommt, sondern offenbar großflächiger auch in teilen Oberbayerns und offenbar nur die 102,90 MHZ.
Habakukk hat geschrieben: Mo 25. Jul 2022, 23:04

Generell gilt hier im Alpenvorland: je weiter weg von den Alpen man ist, um so mehr Chancen hat man. Wenn man zu nahe an den Bergen dran ist, schirmen die einfach alles zu massiv ab. Etwas weiter weg aber kommen die Signale oft wieder durch. Deshalb ist da der bayerische Wald oft gut geeignet, man befindet sich erhöht und weit genug weg, dass sich die nördlichsten Berge der Alpen nicht mehr so deutlich auswirken. Man sieht von dort aus quasi wieder über die ersten Berge drüber.

Ja, das Problem kannten ja glaube ich auch schon Radio Brenner und Co, als man versuchte, von der Flatsch aus nach München zu senden. Da war es doch auch so, dass das Signal teilweise deutlich weiter nördlich besser zu empfangen war als in der Bayerischen Landeshauptstadt.
Habakukk hat geschrieben: Mo 25. Jul 2022, 23:04
Wenn du das Kitzbüheler Horn als Ortssender drin hattest, hattest du echt Glück, dass der Hahnenkamm sich nicht störend bemerkbar gemacht hat. Dieser dürfte auch zwischen Inntaldreieck und Irschenberg Probleme machen. Mir wäre dort tatsächlich noch kein FM4-Empfang aufgefallen, aber ich würde sofort glauben, dass das geht.

Ja, das Kitzbühler Horn hat mich hier wirklich sehr überrascht. Ö3 kratzt die 104,00 MHZ vom Lichtenberg ordentlich ann und die beiden 97,5en führen einen erbitterten Zischelkrieg. Und das bei lediglich viereinhalb KW aus 170 km Entfernung. Funzeln aus dieser Gegend gehen dagegen eher nicht hier, daher war die 102,9 wohl auch so schön frei.
Habakukk hat geschrieben: Mo 25. Jul 2022, 23:04

So undurchdringlich wie man immer meint sind die Alpen gar nicht.
Ja, das ist schon immer wieder interessant, wie viel da trotz der hohen Berge noch durchkommt. Der oben erwähnte Hobbyfreund wohnt eigentlich in der Südpfalz, wo er sehr regelmäßig fadend Radio Subasio aus Milano auf 87,50 MHZ empfangen kann (man kann darauf warten, dass der Sender durchkommt). Zwar kann man die Ausrüstung auf Empfängerseite (der legendäre Onkyo mit samt fünf-Element-Antenne) wohl ohne Zweifel als sehr ordentlich bezeichnen, aber es sind dann doch immerhin mehr als 400 km und die Alpen dazwischen. Ich glaube, ihr könnt euch vorstellen, wie sehr er und in der Folge auch ich gestaunt haben, dass es trotzdem zu jeder Tageszeit und bei allen Wetterbedingungen zuverlässig funktioniert.
Aber gerade solche Empfänge sind es ja eben, die unser Hobby so interessant machen. Wenn sich alles schon vorher mit fmscan berechnen ließe, ginge ja zumindest für mich der Reiz, das Band nach genau solchen Überraschungen abzusuchen, völlig verloren. Ein Hoch also auf solche und ähnliche unverhoffte Empfänge! :dx:
Lorenz Palm
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Re: Dobratsch 102,9 (FM4) in Südbayern

Beitrag von Lorenz Palm »

Zweimal konnte ich bereits im Urlaub in Bayern Frequenzen vom Dobratsch mit dem E5 empfangen. Am Eibsee ging die 102,9 als Scatter. Auf dem Wallberg südlich vom Tegernsee war es die 90,4, die dort stabil mit O=3 zu empfangen war. Letzteres ist jedoch nicht so erstaunlich, da von dort Sichtkontakt zu den Hohen Tauern und damit Richtung Kärnten besteht.

Was den Bayerischen Wald betrifft, kann ich vom Empfang in der umgekehrten Richtung berichten. Als ich letztes Jahr in Kärnten war, konnte ich am südwestlichen Ufer des Millstätter Sees (gegenüber von Millstatt und Seeboden) alle BR-Programme vom Brotjacklriegel konstant mit O=3 empfangen. Antenne Bayern ging nicht wegen der 103,6 von FM4 vom Goldeck bei Spittal. Da hätte ich auch allenfalls Scatter-Empfang erwartet. Das spricht für die oben beschriebene Schneise.
JudendorfFMDX
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Re: Dobratsch 102,9 (FM4) in Südbayern

Beitrag von JudendorfFMDX »

Also erstmals Glückwunsch zum Empfang!
Der Dobratsch ist halt wirklich ein Monstersender, er ist bekannt dafür sehr weit rauszukommen, in weiten Teilen Westungarns ist er mit einem besseren Autoradio weitgehend empfangbar, auch mit RDS stellenweise, auch im Heimatdorf von meiner Freundin im Raum Požarevac in Serbien ist er ab und zu als fading mit der 5 Element yagi machbar.
Ich vertrete die Ansicht, dass Kalkgestein sehr gut UKW-Frequenzen reflektiert und davon gibt es in den Alpen genug. Das beste Beispiel dafür kann man sich in Kärnten nehmen. Hinter der Pack auf der Kärntner Seite hat man schöne Sicht auf die Karawanken, die bestehen auch aus Kalkgestein. Osten und Westen sind durch die Koralpe und die Saualpe sehr gut abgeschattet und auch schon mit einem besseren Autoradio kann man wahrnehmen, dass dort sehr viel aus Italien durchkommt, vor allem aus dem Raum Rimini und Pesaro. Die Adria und die Karawanken leiten das Signal perfekt weiter und bringen dann folgendes Bandscan-Ergebnis: http://www.fmlist.org/fi_bs_public_i.ph ... &omid=7512
Gleiches wird auch in den Hohen Tauern und anderen Bergmassiven funktionieren. :dx:
73, Sascha
Habakukk
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Re: Dobratsch 102,9 (FM4) in Südbayern

Beitrag von Habakukk »

Dudelsack hat geschrieben: Di 26. Jul 2022, 18:21 Ja, hier wäre auf der 97,80 MHZ auch nur Bayern 2 aus Landshut zu überwinden, der aber eigentlich nur an ausgewählten Positionen ganz knapp über der Grasnarbe ankommt, in den meisten Antennenausrichtungen gar nicht mehr wahrnehmbar ist. Die 105,50 MHZ wäre da bei mir schon schwieriger, weil sie mit Radio Trausnitz und Kronehit (richtige Landplage hier, auf insgesamt neun Frequenzen empfangbar) belegt ist. Die geringere Sendeleistung tut da wohl ihr Übriges.
Auf 104,9 hast du vermutlich auch Kronehit aus Schärding drin, oder? Bei mir kommt Kronehit relativ stark an, und das Signal wird auch von den Alpen nochmal retour reflektiert, sodass ich kaum eine Chance habe, das Signal auszublenden.

Ich bin ja erst damals, als ich den Dobratsch wegen des Ausfalls von Hohenpeißenbergs auf 92,8 erstmals daheim entdeckt habe, auf die Idee gekommen, alle Frequenzen mal ganz genau abzusuchen. Auf 90,4 ist mir der Empfang dann tatsächlich auch gelungen. Aber ich muss mich da sehr verrenken, um eine Antennenausrichtung zu finden, mit der weder Radio ISW aus Mühldorf noch Bayern 1 aus Berchtesgaden zu hören sind. Dann hört man recht eindeutig das Gemurmel von Ö3, aber es ist schon sehr verrauscht und grasnarbig.
Dudelsack hat geschrieben: Di 26. Jul 2022, 18:21 OK, das klingt interessant. Mir fehlt eben gerade eine taktile, topographische Karte von Österreich, auf der ich den Weg des Signals mal anschaulich nachvollziehen könnte.
Es ist so oder so schwierig, den Weg des Signals anhand der Karte wirklich nachzuvollziehen. Es müssen da diverse Reflexionen an sehr hohen felsigen Berggipfeln im Spiel sein. Mir ist nur bei solchen Konstellationen aufgefallen, dass längere Täler, die prinzipiell in Richtung zwischen Sender und Empfänger verlaufen, hilfreich zu sein scheinen, auch wenn da eigentlich höhere Barrieren dazwischen sind.
Dudelsack hat geschrieben: Di 26. Jul 2022, 18:21 Spannend finde ich ja eben, dass es offenbar nicht nur eine kleine Lücke in den Alpen gibt, durch die das Signal eben gerade noch hier im Bayerischen Wald ankommt, sondern offenbar großflächiger auch in teilen Oberbayerns
Das müsste man wirklich genauer untersuchen. Mir ist das bisher nicht aufgefallen, aber das muss nichts heißen. Ich entdecke ständig neue Empfänge, wenn ich irgendwo unterwegs bin. Sollte das tatsächlich etwas großflächiger empfangbar sein, spricht das vielleicht für eine Reflexion in den Hohen Tauern, vielleicht sogar Großglockner, Großvenediger etc...
Dudelsack hat geschrieben: Di 26. Jul 2022, 18:21 und offenbar nur die 102,90 MHZ.
Da stellt sich mir die Frage, ob das wirklich überall so ist, oder jetzt nur für deinen Urlaubsort zutrifft. Ich habe bei mir z.B. das Phänomen, dass ich die Funzel aus St.Ulrich am Pillersee recht gut empfangen kann, aber tatsächlich nur auf 89,8(Ö1) und 98,8 (Ö3). Die 93,4 mit Radio Tirol mag bei mir ums Verrecken nicht, obwohl die Frequenz frei ist. Ich dachte schon, der ORF hat wirklich ein Problem mit der 93,4. Aber anderswo gehen alle drei Frequenzen völlig gleichwertig.

Mir scheint, dass solche Reflexionen an felsigen Bergen manchmal recht frequenzselektiv sind. Dass also bestimme Frequenzen besser durch kommen als andere. Das könnte sich aber je nach Empfangsort auch wieder verändern, denke ich.
Dudelsack hat geschrieben: Di 26. Jul 2022, 18:21 Ja, das ist schon immer wieder interessant, wie viel da trotz der hohen Berge noch durchkommt. Der oben erwähnte Hobbyfreund wohnt eigentlich in der Südpfalz, wo er sehr regelmäßig fadend Radio Subasio aus Milano auf 87,50 MHZ empfangen kann (man kann darauf warten, dass der Sender durchkommt).
Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob es Radio Subasio war, aber einen Italiener auf 87,5 hatten wir mal vor längerer Zeit auch auf einem Treffen in Norddeutschland in der Nähe von Hildesheim und das war damals kein Sporadic E.
Gut, bei diesen Tropo-Scattern, die immer wieder reinfaden, aber nicht 100% kontinuierlich gehen, weiß ich leider gar nicht recht, wie die zustande kommen. Manche vermuten hier ja Reflexionen an Flugzeugen, andere vermuten eher ganz normale troposphärische Effekte. Jedenfalls unterstelle ich hier, dass sich diese Signale eher irgendwie über die Alpen drüber mogeln und nicht unbedingt hindurch.

Ich hab mal bei uns hier im Raum Rosenheim eine 5-Elemente-Yagi vertikal nach Süden ausgerichtet und es ist unglaublich, was da alles an Scattern daher kommt. Das waren sicherlich fast 15 verschiedene Stationen, die regelmäßig reinfadeten, nahezu alle aus dem Großraum Modena/Bologna. Die prominentesten kennen ja viele: Radio Bruno auf 102,8 (schaffte sogar mal RDS-Niveau), Radio 24 auf 106,8 und Radio Radicale auf 105,5. Aber da kam noch sehr viel mehr rein.

Da mich ja in der Kindheit die transalpinen Sender aus Südtirol geprägt haben, ist jeglicher Südtirol bzw. Italien-Empfang hier in Deutschland für mich immer was besonderes.
Dudelsack hat geschrieben: Di 26. Jul 2022, 18:21 Aber gerade solche Empfänge sind es ja eben, die unser Hobby so interessant machen. Wenn sich alles schon vorher mit fmscan berechnen ließe, ginge ja zumindest für mich der Reiz, das Band nach genau solchen Überraschungen abzusuchen, völlig verloren. Ein Hoch also auf solche und ähnliche unverhoffte Empfänge! :dx:
Ja, das macht es unheimlich spannend. Ich freue mich aber eben auch über den Empfang irgendwelcher Funzeln, die eigentlich nicht gehen dürften. Bei mir kommt z.B. Kronehit aus Waidring auf 102,0 rein. Der Sender steht unten im Tal mitten im Ort. Dorthin habe ich wirklich keinerlei Sichtverbindung, da stehen sogar 1500m hohe Berge davor. Der Empfang gelingt wohl nur, weil wir Sicht auf die Loferer Steinberge haben und die das Signal aus dem Tal wohl irgendwie zu uns raus reflektieren. Gleiches gilt vermutlich für die 103,1 von Radio Austria aus Abtenau. Auch die sollte hier unmöglich sein, aber irgendwie gelangt das Signal bis zu mir.

Ich könnte mir vorstellen, dass bei dir am Urlaubsort vielleicht auch der Schöckl aus Graz möglich wäre, der findet ja seinen Weg auch irgendwie durch die Alpen hindurch. Auch die Frequenzen aus Schladming sind einen Versuch wert (egal ob ORF Hauser Kaibling, Hochwurzen oder Planai, die kommen alle durch), sowie alles was vom Lechnereck bei Zell am See gesendet wird.
Austria MV
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Re: Dobratsch 102,9 (FM4) in Südbayern

Beitrag von Austria MV »

Bei mir Nordwestlich von Freistadt gehen stellenweise 95,4 Tirol oder Steiermark oder Tschechien mit Teleskopantenne.
Paar Meter den Empfängerort gewechselt und teilweise ganz andere Ergebnisse.
Kärnten geht pei mir normalerweise nicht über DAB+ habe ich ihn öfters bei angehobenen Bedingungen einlesen können.
Klet dominiert die 102,9 weniger als 40 km entfernt.

Schwache Sender wie Radio Steiermark von der Wildalpe auf 93,9 verwundern mich auch.

Mit 5 Elemente Antenne gingen bei mir Sachsen, Sachsen Anhalt bis Thüringen auch noch öfters.

Momentan verwundert mich der Empfang von Grünten mehrere Frequenzen und der SWR2 auf 94,9.

Von Habakukk genannten Schöckl und Hauser Kaibling... habe ich bei mir auch empfangen.

Richtung Rohrbach geht Tirol öfters aber auch der Wendelstein geht manchmal via DAB+ recht stark...

Weiter über die Grenze nach Bayern wirds dann weitergehen...
Dudelsack
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Re: Dobratsch 102,9 (FM4) in Südbayern

Beitrag von Dudelsack »

Habakukk hat geschrieben: Mi 27. Jul 2022, 10:33
Dudelsack hat geschrieben: Di 26. Jul 2022, 18:21 Ja, hier wäre auf der 97,80 MHZ auch nur Bayern 2 aus Landshut zu überwinden, der aber eigentlich nur an ausgewählten Positionen ganz knapp über der Grasnarbe ankommt, in den meisten Antennenausrichtungen gar nicht mehr wahrnehmbar ist. Die 105,50 MHZ wäre da bei mir schon schwieriger, weil sie mit Radio Trausnitz und Kronehit (richtige Landplage hier, auf insgesamt neun Frequenzen empfangbar) belegt ist. Die geringere Sendeleistung tut da wohl ihr Übriges.
Auf 104,9 hast du vermutlich auch Kronehit aus Schärding drin, oder? Bei mir kommt Kronehit relativ stark an, und das Signal wird auch von den Alpen nochmal retour reflektiert, sodass ich kaum eine Chance habe, das Signal auszublenden.

Ja, klar geht die 104,90 MHZ hier bei mir, wie auch alles vom Schardenberg. Kronehit geht hier auf 87,9, 88,4, 90,5, 91,3, 96,2, 104,2, 104,9, 105,5 und 106,5 MHZ.
Habakukk hat geschrieben: Mi 27. Jul 2022, 10:33



Dudelsack hat geschrieben: Di 26. Jul 2022, 18:21 und offenbar nur die 102,90 MHZ.
Da stellt sich mir die Frage, ob das wirklich überall so ist, oder jetzt nur für deinen Urlaubsort zutrifft. Ich habe bei mir z.B. das Phänomen, dass ich die Funzel aus St.Ulrich am Pillersee recht gut empfangen kann, aber tatsächlich nur auf 89,8(Ö1) und 98,8 (Ö3). Die 93,4 mit Radio Tirol mag bei mir ums Verrecken nicht, obwohl die Frequenz frei ist. Ich dachte schon, der ORF hat wirklich ein Problem mit der 93,4. Aber anderswo gehen alle drei Frequenzen völlig gleichwertig.
Mir scheint, dass solche Reflexionen an felsigen Bergen manchmal recht frequenzselektiv sind. Dass also bestimme Frequenzen besser durch kommen als andere. Das könnte sich aber je nach Empfangsort auch wieder verändern, denke ich.
Naja, ich orientierte mich da jetzt einfach mal an der Aussage des mehrfach durchgereisten Hobbyfreunds, welcher auf dem betreffenden Abschnitt der A8 ebenfalls nur die 102,90 MHZ empfangen konnte, wann immer er es probierte. Das Phänomen, dass verschiedene, von ihrer Leistung und Strahlrichtung völlig identische Frequenzen an einem Ort vollkommen unterschiedlich empfangbar sind, weil die Reflexion sich nicht über das gesamte Band gleich auswirkt, kenne ich aber auch recht gut. Das beste Beispiel ist für mich da immer der Ederkopf, nicht weit von mir zu Hause. Du kannst in Marburg schon irgendwie alles von dort hören, aber jede Frequenz benötigt trotz jeweils identischen Sendediagramms eine andere Antennenausrichtung, weil der Ederkopf hier unten im Tal mit massiven Reflexionen behaftet ist. Wenn Du die 107,2 einigermaßen klar hast, ist die 100,7 in derselben Antennenposition bis zur Unkentlichkeit verzerrt und die 95,8, die ja immerhin noch ein bisschen mehr Dampf auf dem Kessel hat, macht irgendwas dazwischen.
Ein anderes Extrembeispiel kam mir vor einigen Jahren mal auf einer Alm im Tiroler Oberland, nicht weit vom Dreiländereck Österreich/Schweiz/Italien unter. So gut wie alles vom Brotjacklriegel knallte dort wie ein Ortssender rein, obwohl die Entfernung dorthin gut 270 km betrug. Nur die 100,10 MHZ vom Deutschlandfunk wollte ums Verrecken nicht gehen, obwohl die Frequenz frei war. Das hat mich besonders deswegen sehr erstaunt, weil die gerade einmal 0,8 MHZ weiter oben liegende 100,90 MHZ glasklar ankam. Dass solche Reflexionen so derartig selektiv sein können, hätte ich nicht gedacht.
Habakukk hat geschrieben: Mi 27. Jul 2022, 10:33
Ich könnte mir vorstellen, dass bei dir am Urlaubsort vielleicht auch der Schöckl aus Graz möglich wäre, der findet ja seinen Weg auch irgendwie durch die Alpen hindurch. Auch die Frequenzen aus Schladming sind einen Versuch wert (egal ob ORF Hauser Kaibling, Hochwurzen oder Planai, die kommen alle durch), sowie alles was vom Lechnereck bei Zell am See gesendet wird.
Leider nein, leider gar nicht. Von den von Dir vorgeschlagenen Standorten geht leider kein einziger, selbst auf Frequenzen, die hier ziemlich frei sind. Das macht den Empfang vom Dobratsch natürlich noch merkwürdiger.
helmi
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Re: Dobratsch 102,9 (FM4) in Südbayern

Beitrag von helmi »

Die 92,80 MHZ oder die 97,80 MHZ wären im Prinzip ja weitestgehend frei, aber da tut sich nichts.
Habe die Dobratsch-Frequenzen nach langer Zeit mal wieder im Münchner Westen getestet und muss sagen, dass sich das Signal deutlich verbessert hat. 90,4 und 97,8 sind bei mir von der Signalstärke und vom Verhalten her gleichauf. Meistens befinden sich beide Frequenzen im Dauerfading, dazwischen dann wieder für bis zu 30 Sek. völlig stabil, dann bricht das Signal wieder etwas ein und bleibt bis zu einer Minute lang völlig verzerrt. Auf 102,9 läuft hier Antenne Bayern aus Bad Tölz, auf 92,8 Bayern 1 vom Hohenpeißenberg und auf 105,5 pumpt bei mir derzeit der Zirogalm-Sender (105,4/Südtirol 1) wegen eines Defekts rüber. Insgesamt würde ich sagen, dass das Dobratsch-Signal bei mir wieder mit dem aus den späten 70ern/frühen 80ern vergleichbar ist. Das hat vermutlich damit zu tun: https://www.ors.at/news/artikel/radio-v ... dobratsch/
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