Billag - wie weiter?

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Wrzlbrnft

Re: Billag - wie weiter?

Beitrag von Wrzlbrnft » Mo 5. Mär 2018, 21:24

@2-0-8 und DABit: Propaganda? Zürich-Lastigkeit?
Könnt ihr diese Aussagen belegen? Ich empfinde gerade das angesprochene Echo der Zeit als angenehm ausgewogen und stets beide Seiten berücksichtigend.

Und was ist bitte unter einem "zweiten Gesellschaftssystem" und einem "dritten Staat" zu verstehen? Klärt mich bitte auf...

Stefan Heimers

Re: Billag - wie weiter?

Beitrag von Stefan Heimers » Mo 5. Mär 2018, 21:52

DABit hat geschrieben: Hmm, zuerst müsste man schon einmal definieren, wie und in welcher Form die SRG weiter geführt werden soll. Ob vielleicht eine direkte, private Konkurrenz aufgebaut werden sollte, welche die Sendungen produziert, für welche es eine SRG nicht braucht. Da müsste eine Umverteilung statt finden, welche es den Privaten ermöglicht, fair auch am Wettbewerb teilhaben zu können.
Warum soll man das?

Ich habe NEIN gestimmt, weil ich genau das nicht will. Mit einer Privatisierung müsste ich mir entweder endlose Werbung ansehen, oder für jede Sparte ein separates Abo abschliessen, zu Preisen weit höher als heute mit den Gebühren für die öffentlichen Programme. Und dann hätte ich noch mit der Verschlüsselung zu kämpfen, was die Aufzeichnung von Sendungen erschwert.

Aber ich denke, mit dem überdeutlichen NEIN erübrigt sich diese Diskussion. Es braucht die mit dem RTVG eingeführten kleinen Einsparungen, das kann man durch Effizienzsteigerung ohne Leistungsabbau hinbekommen. Sonst bitte weiter wie bisher. Es besteht ein grosses Bedürfnis im Volk nach einem umfassenden und qualitativ hochstehenden und frei empfangbaren Grundangebot.

Und ich bin Herrn Kessler sehr dankbar: Die Gebühren sind nun seit einem Tag direktdemokratisch legitimiert und nicht mehr von oben verordnet.

DABit

Re: Billag - wie weiter?

Beitrag von DABit » Mo 5. Mär 2018, 23:31

@ Stefan Heimers

Ich hatte nicht geschrieben, dass die SRG privatisiert werden soll, sondern eine direkte, (ernst zu nehmende) Konkurrenz gegen die SRG aufgebaut werden sollte. Das könnte doch die Effizienzsteigerung beflügeln.

@ Wrzlbrnft

Ja, die SRG propagiert, bzw vertritt eher das linke Lager als die Mitte oder ganz rechts. Das ist sicher auch Dir nicht entgangen.

Zürich-Lastigkeit
Eines von vielen Beispielen: Wenn etwas über die SBB berichtet wird, was wird gezeigt? Der Bahnhof Zürich. Wenn es geschneit hatte, was hört man zuerst im Radio? In Zürich herrscht Chaos. Die SRG hat einfach noch nicht mit bekommen, dass man an anderen Orten genau die gleichen Probleme hat! Schliesslich sind wir westlichen Schweizer auch nicht die besseren Autofahrer. Erst wenn dann Flugplätze Flüge streichen, dann hört man auch einmal etwas aus dem Resten der Schweiz!

Das Echo der Zeit höre ich zwischendurch auch einmal. Das ist eine der wenigen Sendungen.

ulionken

Re: Billag - wie weiter?

Beitrag von ulionken » Mo 5. Mär 2018, 23:31

Wrzlbrnft hat geschrieben: @2-0-8 und DABit: Propaganda? Zürich-Lastigkeit?
Könnt ihr diese Aussagen belegen? Ich empfinde gerade das angesprochene Echo der Zeit als angenehm ausgewogen und stets beide Seiten berücksichtigend.

Und was ist bitte unter einem "zweiten Gesellschaftssystem" und einem "dritten Staat" zu verstehen? Klärt mich bitte auf...
Ich kann das nur wortwörtlich unterschreiben :-)

Neben dem Schweizer Radio kenne ich die Systeme in D, USA und UK relativ genau, weil ich länger dort gewohnt habe bzw. wohne. In den drei Ländern kann nach meiner Meinung eventuell noch der Deutschlandfunk den Infosendungen der SRG das Wasser reichen, was Tiefe und Breite der Informationen und das Spektrum der Meinungen angeht. Bei der BBC wirkt sich das Bemühen um Ausgewogenheit und die Angst, irgendwo anzuecken, auf die Qualität der Berichterstattung aus, aber man ist trotzdem noch breit informiert. Das NPR in den USA lebt wegen der klammen Finanzlage überwiegend von Übernahmen anderer Sender, und Kritik etwa an den grossen Spendern wird man in den NPR-Sendungen vergeblich suchen.

Und ich kenne auch noch die Radiolandschaft der DDR, weil das früher für mich in UKW- und MW-Empfangsreichweite lag. Dort konnte man wirklich festmachen, was Propaganda bedeutet: Auswahl der Meldungen und Beiträge durchweg im Sinne der Regierenden, kaum eine Trennung von Fakten und Meinungen, und jegliche fundamentale Kritik an den Regierenden war völlig undenkbar. Das hat sich erst in 1989 schlagartig geändert, und so eine tendenziöse Berichterstattung habe ich bei der SRG noch nie festgestellt!

Das Ergebnis der "No-Billag"-Abstimmung ist so eindeutig, dass die Befürworter doch vielleicht erst einmal ganz tief in sich gehen und überlegen sollten, wieso ihre Argumente trotz einer anfänglichen Stimmung zur Annahme der Inititiave so wenig verfangen haben!

73 de Uli

Chris_BLN

Re: Billag - wie weiter?

Beitrag von Chris_BLN » Mo 5. Mär 2018, 23:45

DABit hat geschrieben:Ja, die SRG propagiert, bzw vertritt eher das linke Lager als die Mitte oder ganz rechts.
Da ich als Deutscher, der meist in Deutschland lebt, doch recht wenig SRF-Programme nutze: woran ist diese "Linkslastigkeit" festzumachen? Rufen sie in den Sendungen zum Sturz des Kapitals auf und zur Errichtung einer revolutionären Regierung bestehend aus der "Arbeiterklasse"? Wohl kaum.

Was ist es dann, was den SRF "linkslastig" macht?

Maxtech

Re: Billag - wie weiter?

Beitrag von Maxtech » Di 6. Mär 2018, 13:28

linkslastig
Zum Beispiel die Sendung 10 vor 10.
Der Fall Kandel wurde tot geschwiegen. Dafür wird mehrmals wöchentlich gezeigt wie arm und friedlich Flüchtlinge sind. Dazu das es genug Arbeit hat, was in der Realität anders aus sieht.

drahtlos

Re: Billag - wie weiter?

Beitrag von drahtlos » Di 6. Mär 2018, 15:09

So wie es aussieht, stehen Swiss-Classic, Swiss-Pop und Swiss-Jazz zur Disposition für einen allfälligen privaten Anbieter. Also beginnt es bereits mit dem Abbau der Leistungen. Fragt sich nur was passiert, wenn niemand diese Programme übernehmen will.....

Man könnte aber auch an anderen Dingen sparen wie z.B. alle Regionaljournale auf einen gemeinsamen Kanal und mehrmals zeitversetzt am Tag diese Journale zu senden. Spart mal mind. 4 Kanäle auf dem eigenen Ensemble. Dann diese 3 (2) Programme wieder auf den SRG-Kanal nehmen und nicht noch zusätzlich dafür an die SMC zahlen - auch für deren Sendernetz.

Mal sehen, was Herr Matter dazu meint.

DH0GHU

Re: Billag - wie weiter?

Beitrag von DH0GHU » Di 6. Mär 2018, 16:25

Erschreckend, dass dann auch in der Schweiz ausgerechnet jene Programme zur Disposition stehen, die am wenigsten Aussicht darauf haben, unter kommerzieller Obhut qualitativ gleichwertig weiter zu bestehen. Man sieht ja an Beispielen wie BR Klassik und Klassikradio in anderen Regionen Mitteleuropas sehr deutlich, wie gigantisch die qualitativen Unterschiede zwischen inhalts- und profitorientierten Angeboten sind...

Zwölf

Re: Billag - wie weiter?

Beitrag von Zwölf » Di 6. Mär 2018, 18:37

Ich habe mal bei der SRG bzgl. DVB-T nachgefragt, aber wenig überraschend gibt es noch keine Entscheidung.
Die SRG prüft zurzeit verschiedene Optionen zur nachhaltigen Kostenreduktion. Dies betrifft auch die Programmverbreitung. Diesbezügliche Entscheide sind allerdings noch keine gefällt worden. Sobald dies der Fall ist, werden die Massnahmen laufend kommuniziert.

Chris_BLN

Re: Billag - wie weiter?

Beitrag von Chris_BLN » Di 6. Mär 2018, 20:38

Maxtech hat geschrieben: Der Fall Kandel wurde tot geschwiegen.
Jetzt musste ich erstmal googeln. Ach so, ein Mord. Ach so, _der_ Mord.

Nun bin ich positiv überrascht: der SRF berichtet also normalerweise über jeden Mord, der sich in Deutschland ereignet. Das ist aufgrund der Tatsache, dass damit statistisch fast täglich über einen Mordfall in Deutschland zu berichten ist, eine grossartige Leistung. Wenn das der SRF auch mit den Mordfällen der anderen Nachbarländer so handhabt, kommt da ganz schön was an Meldungen zusammen.

Und ausgerechnet diesen Mord haben sie also verschwiegen. Das wiegt natürlich schwer.

Im Ernst: die spezielle Bedeutung dieses Mordes liegt zu einem geringen Teil darin, dass hier Minderjährige verstrickt waren. Zum größten Teil bekommt dieser Mord seine Bedeutung (= seine Wichtigkeit im Volk) davon, dass er nicht von einem "Volksgenossen" verübt wurde. Letztlich ist hier fast relevanter für eine Berichterstattung, wie die xenophoben, menschenhassenden Anteile des deutschen Volkes den ganzen Tag an den Nachrichtentickern hängen, um nach Hass-Gründen gegen nicht-Volksgenossen zu scannen. Werden sie fündig, krakelen sie herum. Finden sie nichts, dann erfinden sie skurrile Stories, halluzinieren wild herum ("der Freund von einem Bekannten einer Freundin meiner Schwester arbeitet bei der Polizei, der weiss es ganz genau und er sagt, die Polizei habe ein Verbot, darüber zu berichten" ). Ich kenne diese Stories, ich habe Nachbarn, die so drauf sind (und fühle mich gerade deswegen in der Schweiz an dem Ort, den ich da gerne und lange aufsuche, so wohl, weil dieser Ort frei davon ist, wir dafür aber oft Menschen aus aller Welt dort haben).

Morde, die von Deutschen verübt werden, bleiben hingegen üblicherweise folgenlos, es gibt keine Empörung im deutschen Volk.

Ein Beispiel: in meiner ostdeutschen Heimat sind im vergangenen November 2 junge Leute (Mädchen minderjährig, ihr Freund volljährig) per Anhalter mit einem Auto angekommen, wollten weiter und suchten eine neue Fahrgelegenheit. Die fanden sie spät abends: ein Mann kam aus einem Haus, um noch etwas aus seinem Auto zu holen. Als er sich in das Auto beugte, erstachen sie den Mann, legten ihn ins Auto und fuhren bis nach Hessen, wo sie die Leiche des Mannes in die Fulda warfen. Erst vor wenigen Wochen wurde das Opfer gefunden. Weder nach der Meldung von der Tat noch jetzt nach der Meldung des Fundes des Opfers gab es irgendwelche in der Öffentlichkeit erkennbaren Reaktionen. Nichts kochte hoch. Das ist halt einfach passiert, so what?

Wäre die Tat nicht von Deutschen, sondern von Ausländern begangen worden, hätte das bundesweit für Demonstrationen und Ausschreitungen gesorgt, wäre von den Rechten ausgeschlachtet und instrumentalisiert worden und wäre bis in den Bundestag gekommen. Und hätte der SRF dann nicht berichtet, wäre er halt "linkslastig". Es waren aber Deutsche und "Volksgenossen" dürfen das offenbar, glaubt zumindest das Volk.

Soweit Google News es hergibt, meldet der SRF fast nichts diesbezügliches aus Deutschland. Den gerade beschriebenen Mord offenbar auch nicht - und der ist einer der unfassbar kaltblütigsten Sorte.

Ein noch extremeres Beispiel: die Mordserie des NSU. Die hat in Deutschland zu nullkommagarkeiner Empörung und nullkommagarkeiner Betroffenheit in der Bevölkerung geführt. Außer den Journalisten, die sich seit Jahren berufsbeflissen daran abmühen, interessiert das fast niemanden. Dabei ist das, was da publik wurde, nur die Spitze des Eisberges.

Auch die faschistischen Pogrome, die es immer wieder mal an entsprechenden Brennpunkten in Ostdeutschland gibt, sind kein relevantes Thema in der Bevölkerung. Im Gegenteil: wer sich daran stört, wen es berührt, der gilt als "links" - und nicht einfach als "Mensch".

Da drüber müsste berichtet werden (und wird es auch hier und da). Anfang des Jahres beispielsweise im Tagesspiegel aus Berlin: https://www.tagesspiegel.de/politik/rec ... 19834.html
Ist der Tagesspiegel jetzt auch "links", weil er schreibt, was real ist?

Frankfurt

Re: Billag - wie weiter?

Beitrag von Frankfurt » Do 8. Mär 2018, 15:18

Ich begrüße es auch, daß die Schweizer ihrem Qualitätsmedium eine breite Zustimmung gegeben haben :spos:
Die Rundfunkprogramme bieten neben der deutschsprachigen auch in der französischen Schweiz einen sehr guten Journalismus, den man nach deutschem Niveau nur als reinen Luxus bezeichnen könnte. In Deutschland ist dieser Beruf größtenteils eine Garantie für Verarmung. Entsprechend käufliche oder schlechte Journalisten bekommt man für den Sparkurs. Da herrscht ein reiner Verdrängungswettbewerb. Nachdem bis zum Einsetzen der Konkurrenz durch private Medien in den späteren 80er Jahren die ÖR in Deutschland praktisch ein Selbstbedienungsladen waren, baden es die heutigen "Mitarbeiter" aus. Zum teil warten diese 10 Jahre bis zur Festanstellung und leben in ständiger Unsicherheit über eine Weiterbeschäftigung. Der größte Anteil der Gebührengelder fließt in die in der Vergangenheit zugesagten Pensionen :( . Wenn das die Gebührenzahler wüssten... für das Programm bleibt nur ein Kleckerbetrag übrig. Das Ergebnis sieht man dann auch...
Sicherlich ist die No-Bilag-Initiative ein Start in einen etwas vorsichtigeren Umgang mit den Gebührengeldern.

Habakukk
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Re: Billag - wie weiter?

Beitrag von Habakukk » Mi 6. Feb 2019, 08:58

SatelliFax meldet heute:

SRG will Digitalwelle Swiss Pop abstoßen
https://www.satellifax.de/mlesen.php?id ... 224e5752ab

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