Weltfunkkonferenz (WRC23) : Rundfunk bleibt Primärnutzer < 700 MHz (UHF) !

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uhf
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Weltfunkkonferenz (WRC23) : Rundfunk bleibt Primärnutzer < 700 MHz (UHF) !

Beitrag von uhf »

Zitat aus Quelle:
https://www.heise.de/hintergrund/Weltfu ... 76082.html

Frequenzhunger des Mobilfunks gedämpft
:dx:

Bei den ITU-Funkkonferenzen schachern Regierungsdelegationen vier lange Wochen um die Zuteilung von Frequenzen und bewegen sich dabei zwischen den Maßgaben der weltweiten Harmonisierung und der Positionierung der jeweils eigenen Märkte.
Aufteilung der Welt in ITU-Regionen

Für die Zuweisung von Frequenzen ist die Welt in drei Regionen eingeteilt: 1 – Europa, Russland, Zentralasien, Naher Osten, 2 – Nord- und Südamerika, 3 – China, Australien, Südostasien

In den vergangenen Jahrzehnten war es insbesondere der wachsende Mobilfunk, der nach mehr Frequenzen gerufen hat. Das war auch bei der WRC23 nicht anders. Bis zuletzt wurde darüber gerungen, ob Mobilfunk – in ITU-Lingo International Mobil Telecommunications, kurz IMT – einen Platz in attraktiven Teilbändern unterhalb von 700 MHz (UHF) bekommen könne.

Wenigstens für den überwiegenden Bereich der Region 1, das sind Europa, Afrika, Russland und Zentralasien, hat sich hier aber der "alte" Nutzer Rundfunk durchgesetzt, bilanzierte Jochen Zenthöfer, Sprecher der Initiative "SOS - Save Our Spectrum".

Der Rundfunk bleibe im UHF-Bereich alleiniger Primärdienst, so Zenthöfer gegenüber heise online.

Die Forderungen der Mobilfunkanbieter wurden mit einer sogenannten Sekundärzuteilung beschieden.

Das bedeutet, IMT-Anbieter dürfen die Frequenzen für ihre Dienste mitnutzen, müssen aber Beeinträchtigungen des Primärnutzers, etwa durch Interferenzen, auf jeden Fall vermeiden.

Das mache die Nutzung dieser Frequenzbereich wenig interessant für Mobilfunkunternehmen, erklärt Zenthöfer.

Eine ko-primäre Zuweisung für Mobilfunk im Bereich 614-694 MHz haben elf arabische Staaten, einschließlich Palästina, bekommen.


Keine Extra-Frequenzen für deutsches Behördennetz

Zu den Verlierern gehören deutsche Blaulicht-Organisationen. Sie hatten ursprünglich, so Zenthöfer, ebenfalls eigene Frequenzen im UHF-Bereich fürs digitale Behördennetz ins Auge gefasst. Doch hatte die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben am Ende nicht einmal mehr an der Konferenz in Dubai teilgenommen.

Noch nicht ausgestanden sind für SOS die Sorgen, dass die "Programme Making and Special Events" (PMSE) Nutzer, sich nun die vom Rundfunk gelassenen Lücken im Band mit den Mobilfunkern teilen müssen. Zu den PSME gehören Konzertveranstalter und Rundfunk mit ihren Mikrofonen und Kopfhörern. Am Ende komme es hier auf die Umsetzung an, so Zenthöfer, und über die werde bereits im Januar im Bundesministerium für Verkehr und Digitales weiter diskutiert.
Frankfurt
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Re: Weltfunkkonferenz (WRC23) : Rundfunk bleibt Primärnutzer < 700 MHz (UHF) !

Beitrag von Frankfurt »

"Eine ko-primäre Zuweisung für Mobilfunk im Bereich 614-694 MHz haben elf arabische Staaten, einschließlich Palästina, bekommen."

Haben diese Staaten wenig Frequenzbedarf aufgrund geringem terrestrischen TV-Angebot?
Georg A.
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Re: Weltfunkkonferenz (WRC23) : Rundfunk bleibt Primärnutzer < 700 MHz (UHF) !

Beitrag von Georg A. »

Eher wegen der Mobilfunk-Nutzung in dünn besiedelten (bzw. technisch schwer erschliessbaren) Ecken mit nur wenig Basistationen.
Alqaszar
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Re: Weltfunkkonferenz (WRC23) : Rundfunk bleibt Primärnutzer < 700 MHz (UHF) !

Beitrag von Alqaszar »

Das Problem wird sich dadurch erledigen, dass der Rundfunk das UHF-Band demnächst sowieso räumen wird. In der Schweiz wird es gar nicht mehr genutzt, in vielen Ländern läuft DVB-T/DVB-T2 eher nebenher.

In anderen Ländern ist es noch Hauptverbreitungsweg, wie z. B. in Italien. Daher kann Band IV und das untere Band V nicht so schnell freigegeben werden.

Generell aber ist die Bedeutung der Terrestrik für TV leider weiter abnehmend. Für deep indoor sind die Frequenzen beim Mobilfunk interessant, allerdings ist die zur Verfügung stehende Bandbreite hier sowieso eher gering.
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freiwild
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Re: Weltfunkkonferenz (WRC23) : Rundfunk bleibt Primärnutzer < 700 MHz (UHF) !

Beitrag von freiwild »

ich schlage vor, diesen Thread in diesen zu verschieben, da es ja um das gleiche Thema geht.
Thomas(Metal)
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Re: Weltfunkkonferenz (WRC23) : Rundfunk bleibt Primärnutzer < 700 MHz (UHF) !

Beitrag von Thomas(Metal) »

Georg A. hat geschrieben: Mo 18. Dez 2023, 00:07 Eher wegen der Mobilfunk-Nutzung in dünn besiedelten (bzw. technisch schwer erschliessbaren) Ecken mit nur wenig Basistationen.
Ist das interessant für den Mobilfunk? Da gibt es sicher kein DX wie beim Hobby. Man wird mit freiem Funkfeld planen und nicht was sonst noch gehen könnte. Dazu kommt noch die Auslastung der Zellen. Wenn die zu groß werden geht das bei vielen Teilnehmern durch die Decke. Wir sprechen von einem shared-medium.
Vielleicht will schlicht mehr Frequenzen um weitere Abdeckungen bei bereits vollen Mobilfunkbändern zu realisieren.
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Re: Weltfunkkonferenz (WRC23) : Rundfunk bleibt Primärnutzer < 700 MHz (UHF) !

Beitrag von DH0GHU »

Thomas(Metal) hat geschrieben: Mo 18. Dez 2023, 08:48
Georg A. hat geschrieben: Mo 18. Dez 2023, 00:07 Eher wegen der Mobilfunk-Nutzung in dünn besiedelten (bzw. technisch schwer erschliessbaren) Ecken mit nur wenig Basistationen.
Ist das interessant für den Mobilfunk? Da gibt es sicher kein DX wie beim Hobby. Man wird mit freiem Funkfeld planen und nicht was sonst noch gehen könnte. Dazu kommt noch die Auslastung der Zellen. Wenn die zu groß werden geht das bei vielen Teilnehmern durch die Decke. Wir sprechen von einem shared-medium.
Vielleicht will schlicht mehr Frequenzen um weitere Abdeckungen bei bereits vollen Mobilfunkbändern zu realisieren.
In dünn besiedelten Regionen entfällt das Auslastungs-Argument. Die Reichweite und die Eindringtiefe in Gebäude wie auch die Ausbreitung in einem hindernisbehaftetem Funkfeld (z.B. in Waldgebieten) sind frequenzabhängig, weshalb niedrigere Frequenzen tatsächlich besser sind. Bei 600 MHz wird dann eher die Antennengröße ein Problem - aber es gibt ja auch noch andere Anwendungen als nur Smartphones. Im ländlichen Raum sind 4G, 5G und Co durchaus auch eine Option für die "letzte Meile" (die derer viele sein kann) für stationären Internetzugang.
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Re: Weltfunkkonferenz (WRC23) : Rundfunk bleibt Primärnutzer < 700 MHz (UHF) !

Beitrag von Cyberjack »

Georg A. hat geschrieben: Mo 18. Dez 2023, 00:07 Eher wegen der Mobilfunk-Nutzung in dünn besiedelten (bzw. technisch schwer erschliessbaren) Ecken mit nur wenig Basistationen.
Starlink und Co. existieren, da brauchts keinen UHF-Mobilfunk der aufgrund der Bandbreite eh keinen brauchbaren Throughput bieten würde.

Wenn man seine Bürger nur per IP informieren möchte ist Broadcast per TV natürlich nicht erwünscht. Die arabische Halbinsel ist jetzt nicht gerade ein Hort der freien Meinung und der Demokratie. Insofern machen die Anträge schon Sinn.

M.
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Re: Weltfunkkonferenz (WRC23) : Rundfunk bleibt Primärnutzer < 700 MHz (UHF) !

Beitrag von DH0GHU »

Cyberjack hat geschrieben: Mo 18. Dez 2023, 12:31 Starlink und Co. existieren, da brauchts keinen UHF-Mobilfunk der aufgrund der Bandbreite eh keinen brauchbaren Throughput bieten würde.
Starlink ist auch ein "shared medium". Pro Generation-1-Starlink-Satellit geht man von 50 GBit/s maximaler Datenrate aus. Das entspricht 2,5 5G-Zellen (natürlich nicht solcher auf UHF). Es gibt nur ca. 5000 Starlink-Satelliten. Wöllte man 1% der Menschheit (80 Millionen Menschen) damit versorgen, ergäbe das eine Datenrate von 3 kbit/s pro Mensch. Bisl wenig... Und im Shared Medium sowie aufgrund der geographischen Verteilung der Nutzer ist das ja noch hoch gegriffen.
Faktisch dient UHF natürlich vor allem der Kostensenkung, weshalb die Ablehnung einer Umwidmung dieser Bereiche durchaus richtig ist. Zumal andere Funkdienste/Bedarfsträger genauso auf Bereiche unter 1 GHz angewiesen sind.

Wenn man seine Bürger nur per IP informieren möchte ist Broadcast per TV natürlich nicht erwünscht. Die arabische Halbinsel ist jetzt nicht gerade ein Hort der freien Meinung und der Demokratie. Insofern machen die Anträge schon Sinn.
und welche terrestrisch einstrahlende Sender aus dem demokratischen Ausland kann man dann zukünftig in Riyadh nicht mehr empfangen? ;-)

Mit Deiner Argumentation kann man letztendlich auch DVB-T(2) in Frage stellen. Das geht über Satellit auch besser und ist weniger einfach zu zensieren, außerdem ist bei Broadcast-Technologien das Shared-Medium-Gegenargument auch weitestgehend hinfällig.
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Re: Weltfunkkonferenz (WRC23) : Rundfunk bleibt Primärnutzer < 700 MHz (UHF) !

Beitrag von Cyberjack »

Naja im Grundsatz werden Fakten geschaffen.
Da kommt dann kein klasssisches Broadcast mehr, auf absehbare Zeit.

Strategisch keine dumme Entscheidung aus Sicht eines autoritären Regimes. Selbst nach einem Regimewechsel sind die klassischen Rundfunkdienste verloren.

Gerade in Wüstengebieten zieht das Share-Medium-Argument nicht, wo sollen die User herkommen? Da ist für die Beduinen und Scheichs sicher genug Kapazität vorhanden.

In Städten wie Riad oder Mekka stellt sich die Frage ja nicht, da gibts ja genug Versorgung.

Zwischen Satellit und Terrestrik gibts einen gewaltigen Unterschied: Wenn der Sat kaputt ist oder abstürzt, ist er auf absehbare Zeit weg. Terrestrisch stelle ich eine neue Antenne, idealerweise am nächsten Berg auf und kann wieder senden.

Deswegen lieber DMR als QO-100 :D

M.
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DH0GHU
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Re: Weltfunkkonferenz (WRC23) : Rundfunk bleibt Primärnutzer < 700 MHz (UHF) !

Beitrag von DH0GHU »

Cyberjack hat geschrieben: Mo 18. Dez 2023, 13:52 Deswegen lieber DMR als QO-100 :D
CWFE ;-)
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