digitale Dividende III: Geht es jetzt DVB-T2 an den Kragen?

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freiwild
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digitale Dividende III: Geht es jetzt DVB-T2 an den Kragen?

Beitrag von freiwild »

Das analoge terrestrische Fernsehen hatte einst 60 Kanäle zur Verfügung.

Bei der digitalen Dividende I fielen zwanzig davon weg (an Amateurfunk, DAB+, 4G-Mobilfunk). Blieben noch vierzig.

Bei der digitalen Dividende II fielen weitere zwölf weg (an 5G-Mobilfunk). Blieben noch achtundzwanzig.

Bei der digitalen Dividende III ... genau darum geht es gerade.

Den Hintergrundartikel von Thorsten Zarges auf DWDL könnt Ihr selbst lesen, den muss ich nicht zusammenfassen.

Meine Meinung: 28 Kanäle für eine wenig genutzte Subtechnologie (lineares terrestrisches Fernsehen) einer langsam sterbenden Grundtechnologie (lineares Fernsehen) erscheinen mir tatsächlich ein bisschen viel; zumal die Sendeanstalten, sowohl privat wie öffentlich-rechtlich, ihre Spartenkanäle bereits angezählt haben. Das im Artikel erwähnte Szenario, dass es künftig digitales terrestrisches Fernsehen nur noch in Ballungsräumen geben könnte, ist - das ist Autor Zarges wohl entgangen - bereits heute Realität, und das liegt nicht an fehlenden Frequenzen, sondern daran, dass niemand für die Ausstrahlung dort zahlen möchte, und sie dort wohl auch niemand vermisst. Für vier Bedeckungen (2 ör, 2 privat, statt heute drei plus drei) würden wohl auch zwanzig Kanäle ausreichen. Die Behörden werden wohl kaum soviel Spektrum brauchen, und die Mobilfunkbetreiber (die bekanntlich die gesamte Bandbreite der Digitalen Diviende II für ihr 5G bekommen haben), sind ohnehin dabei, die in Verwendung befindlichen Frequenzbereiche der Altstandards umzuwandeln.

Eine Komplettabschaltung von DVB-T2 würde ich kritisch sehen - die Marktmacht von Vodafone und Astra, und Abhängigkeit von Störungen (oder: "Störungen") bei ihnen würde zu groß. Dass es dazu kommen würde, ist ohnehin unwahrscheinlich; in großen EU-Ländern wie Frankreich, Italien oder Polen ist terrestrisches Fernsehen nach wie vor das Maß aller Dinge.
Pfennigfuchser
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Re: digitale Dividende III: Geht es jetzt DVB-T2 an den Kragen?

Beitrag von Pfennigfuchser »

Also Deine Argumentation kann ich ehrlich gesagt nicht ganz folgen. Nach der Umstellung auf DVB-T2 steht ein breites Alternativangebot zur Verfügung, was sich gut vor allem für Zweitgeräte u.a. gut nutzen lässt. Neben den freien Programmen gibt es dann noch die internetbasierten Programme, die zumindest frei empfangbar sind. Dadurch ist die Programmzahl erheblich gestiegen. Wenn man noch die Privaten in HD sehen will, muss man zwar zahlen, aber das muss man ja bis auf Sat/Kabel in SD überall sonst auch. Wie es eh ab 2024 dann aussehen wird, wird man sehen. Vermutlich werden dann die kostenlosen SD-Versionen abgeschaltet und man zahlt auch auf Sat/Kabel, wenn man diese Programme sehen möchte.

Ob nun in einigen (vielen) Jahren das lineare Fernsehen dann der Vergangenheit angehört, wird man sehen. Aber jetzt schon den Frequenzbereich und damit die Programmanzahl zu reduzieren, würde DVB-T2 noch unattraktiver machen. Und ganz ehrlich, was will der Mobilfunk mit noch mehr Frequenzen? Die sollen erst einmal bestehende Netze vernünftig ausbauen.
zerobase now
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Re: digitale Dividende III: Geht es jetzt DVB-T2 an den Kragen?

Beitrag von zerobase now »

freiwild hat geschrieben: Di 10. Mai 2022, 08:25 Für vier Bedeckungen (2 ör, 2 privat, statt heute drei plus drei) würden wohl auch zwanzig Kanäle ausreichen.
Eine Komplettabschaltung von DVB-T2 würde ich kritisch sehen - die Marktmacht von Vodafone und Astra, und Abhängigkeit von Störungen (oder: "Störungen") bei ihnen würde zu groß.
Sehe ich ähnlich. Wobei ich glaube, dass der Marktanteil des terrestrischen Fernsehens immer weiter abnimmt und deutlich ins Internet verlagert. Zumal lineares Fernsehen auch immer weniger genutzt wird und sich mehr und mehr in den Mediatheken abspielt, weil es einfach komfortabeler ist.
Habakukk
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Re: digitale Dividende III: Geht es jetzt DVB-T2 an den Kragen?

Beitrag von Habakukk »

Dazu passend auch aus Österreich:

https://www.ors.at/service/frequenzallianz/
Emilio
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Re: digitale Dividende III: Geht es jetzt DVB-T2 an den Kragen?

Beitrag von Emilio »

Wie es eh ab 2024 dann aussehen wird, wird man sehen. Vermutlich werden dann die kostenlosen SD-Versionen abgeschaltet und man zahlt auch auf Sat/Kabel, wenn man diese Programme sehen möchte.
Ich habe große Zweifel, dass bei einer reinen Pay-TV-Vermarktung der Privaten das Geschäftsmodell funktionieren würde. Die sehr stark werbungslastigen Inhalte eignen sich absolut nicht für Pay-TV. Und wenn die Erreichbarkeit zu stark sinkt, was zu befürchten wäre, springt auch die Werbungskundschaft ab. Ich bin wirklich mal gespannt, ob die kostenlose Empfangsmöglichkeit der Privaten abgeschaltet wird.
MainMan
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Re: digitale Dividende III: Geht es jetzt DVB-T2 an den Kragen?

Beitrag von MainMan »

freiwild hat geschrieben: Di 10. Mai 2022, 08:25 Das im Artikel erwähnte Szenario, dass es künftig digitales terrestrisches Fernsehen nur noch in Ballungsräumen geben könnte, ist - das ist Autor Zarges wohl entgangen - bereits heute Realität
Torsten Zarges ist nichts entgangen, da liegst du falsch. Es gibt in der Bundesrepublik heute noch ein gutes Dutzend Standorte für die Flächenversorgung mit terrestrischem ÖR-TV, außerhalb der Ballungsräume.
Selbst finanziell massiv angeschlagene ARD-Anstalten wie der SR und der HR leisten sich Sender zur Versorgung der Provinz.
Bekanntlich ist die diesbzgl. Vorgehensweise innerhalb der ARD aber recht unterschiedlich. Der SWR hat zB in RLP nur noch zwei Flächenversorger (Donnersberg und Eifel) für DVB-T2 in der Luft.
DH0GHU
Beiträge: 5978
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Re: digitale Dividende III: Geht es jetzt DVB-T2 an den Kragen?

Beitrag von DH0GHU »

Frequenzzuweisungen sind nicht national betrachtbar, sondern müssen im kontinentalen Kontext betrachtet werden - und da ist es mit 4 Bedeckungen in der Regel nicht getan. Insofern dürfte ein Schrotten weiterer Kanäle, um Standorte in der Mobilfunkinfrastruktur einsparen zu können, kaum bei einer WRC mehrheitsfähig sein. Wobei man natürlich die Frage erlauben darf, ob für ein fast nur stationär genutztes Medium (im Gegensatz zu z.B. reinen Audioangeboten) wirklich so ein großer Teil des für mobile Anwendungen besonders interessanten Spektrums zwischen 300 MHz und 3 GHz (bzw für Anwendungen im ländlichen Raum bis 1 GHz) genutzt werden sollte. Mit DVB-S2 hat der Fernsehrundfunkdienst eine sehr attraktive Alternative abseits des Internets. Andererseits: 470 bis 694 MHz ist nun nicht mehr wirklich soooo extrem viel.
freiwild hat geschrieben: Di 10. Mai 2022, 08:25 Bei der digitalen Dividende I fielen zwanzig davon weg (an Amateurfunk, DAB+, 4G-Mobilfunk). Blieben noch vierzig.
Die Auflösung des Band I hat nichts mit der digitalen Dividende zu tun. Der Ausstieg aus Band I wäre auch ohne DVB-T irgendwann gekommen. Ansonsten ist der Amateurfunk allenfalls insofern Nutznießer der digitalen Dividende, weil der Druck auf das 70cm-Band ein wenig nachlässt, wenn andere Bereiche erschlossen werden.
Zuletzt geändert von DH0GHU am Di 10. Mai 2022, 11:18, insgesamt 2-mal geändert.
QTH: Obersöchering/JN57OR, zeitweise Kehl/JN38VN
Funkamateur, DLF-Hörer, Multipler Musikgeschmack, DAB-Nutzer. Normal ist normalerweise langweilig.
http://zitate.net/kritik-zitate
Lebe stets so, dass die fckAfD dagegen ist!
Thomas(Metal)
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Re: digitale Dividende III: Geht es jetzt DVB-T2 an den Kragen?

Beitrag von Thomas(Metal) »

Nennen wir mal ein Datum: 24.02.2022...
Und wenn der Russe nun die SAT-Verbreitung einmal effektiv stören sollte, wie wären dann die Überlegungen von den "das kann weg" Rufern?
QTH: 911-69 (II: Körner 9.2, III: LPDA16), QTH-alt: 9354 (II: FUBA UKA-028)
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iro
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Re: digitale Dividende III: Geht es jetzt DVB-T2 an den Kragen?

Beitrag von iro »

Pfennigfuchser hat geschrieben: Di 10. Mai 2022, 08:39Neben den freien Programmen gibt es dann noch die internetbasierten Programme, die zumindest frei empfangbar sind.
Leider sind rein internetbasierte Programme an vielen Orten in Deutschland nicht empfangbar mangels ausreichendem Internet.
Netflix geht bei mir gar nicht. Das Erste Live per Internet ist nur bei der miesesten Auflösung einigermaßen ruckelfrei zu empfangen, beim ZDF gelingt das leider nie - das ist die Auflösung zu hoch dafür. Wenn TV per Internet, dann ist das bei mir nur per Vorab-Download aus der mediathek möglich (aber eben nicht linear/live).
DVB-T2 habe ich aber auch noch keinen Gedanken dran verschwendet, es gibt ja Astra 19.2° Ost.
JL82
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Re: digitale Dividende III: Geht es jetzt DVB-T2 an den Kragen?

Beitrag von JL82 »

zerobase now hat geschrieben: Di 10. Mai 2022, 08:47
Sehe ich ähnlich. Wobei ich glaube, dass der Marktanteil des terrestrischen Fernsehens immer weiter abnimmt und deutlich ins Internet verlagert. Zumal lineares Fernsehen auch immer weniger genutzt wird und sich mehr und mehr in den Mediatheken abspielt, weil es einfach komfortabeler ist.
Wenn man bei den Mediatheken von ARD + ZDF wenigstens so komfortabel und auch uneingeschränkt schauen könnte wie im linearen TV-Programm oder Live-Stream, dann würde ich die Aussage oben auch sofort unterschreiben.

Im linearen TV-Programm sehe ich alles uneingeschränkt, im linearen Live-Stream ebenfalls. In der Mediathek kann ich aber
  • Sendungen nicht immer zuverlässig nach ihrer Ausstrahlung auswählen
  • tlw. Sendungen auch garnicht finden, die aber definitiv liefen
  • nicht alle Inhalte der Sendungen sehen, z.B. Sportberichte in Nachrichtensendungen oder auch Filme
Zudem sollten ARD & ZDF in ihren Mediatheken eine Login-Funktion gekoppelt an die Rundfunkbeitragsnummer schaffen, womit man dann alle Inhalte uneingeschränkt (auf bis zu x Geräten) europaweit schauen kann. Und bitte auch, wenn verfügbar, mit der Dolby Digital Tonspur. Dann noch alle Sendungen spätestens direkt nach Ende der Ausstrahlung abrufbar!
strade
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Re: digitale Dividende III: Geht es jetzt DVB-T2 an den Kragen?

Beitrag von strade »

Soweit ich vor zwei Jahren las, ist DVB-T2 Ende 2029 Geschichte.
SeltenerBesucher
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Re: digitale Dividende III: Geht es jetzt DVB-T2 an den Kragen?

Beitrag von SeltenerBesucher »

strade hat geschrieben: Di 10. Mai 2022, 20:26 Soweit ich vor zwei Jahren las, ist DVB-T2 Ende 2029 Geschichte.
Vielleicht schon früher, wenn 5G Broadcast kommt. Polen stellt erst sein einige Wochen auf DVB-T2 um. Also vor 2032-2034 ist dort garantiert nicht Schluß mit DVB-T2. In Deutschland wird DVB-T2 eingstellt, wenn Freenet den Stecker zieht und ARD und ZDF keinen Grund haben werden an dieser Technik zu halten.
RudiP
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Re: digitale Dividende III: Geht es jetzt DVB-T2 an den Kragen?

Beitrag von RudiP »

Und was ist, wenn Funk über 5G oder Sat die neue Gazprom sind? Spätestens jetzt müsste man doch gelernt haben, dass man nicht zu viel Macht in die Hände weniger Lieferanten legen darf. Was muss noch passieren, dass die Leute kapieren, dass man sich nicht von wenigen Anbietern/Ausspielwegen abhängig machen darf?
Nicoco
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Re: digitale Dividende III: Geht es jetzt DVB-T2 an den Kragen?

Beitrag von Nicoco »

Bei Sat ist man doch schon heute abhängig von einem großen Anbieter, nämlich SES.
Eutelsat spielt in Deutschland keine wirkliche Rolle.
Und da viele Kabelanbieter ihre Signale über Sat zuführen ist auch das Kabelnetz keine autarke Alternative.
Aus Kostengründen wurden direkte Zuführungen der ARD/des ZDF an die großen Betreiber Vodafone, Unitymedia, NetCologne und Co. eingestellt.
Auch dort hat man das Thema Unabhängigkeit / Sicherheit absolut nicht auf dem Schirm.

Selbst die Privaten RTL und ProSiebenSat.1 leisten sich Direktzuführungen zu VF, der ÖR will es einfach nicht, das Geld versinkt an anderer Stelle, das Leben ist schön...
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