ZDF Fernsehumsetzer und Bezugsender 1971

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Marc!?
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Re: ZDF Fernsehumsetzer und Bezugsender 1971

Beitrag von Marc!? »

Deutschland hätte ja auch im Norden oder auch die DDR Leistungen größer 500 kW einsetzten können.In Berlin war der ORB mit 700 kW der stärkste Sender, im Bereich der alten BRD müsste es der Haardtkopf mit 550 kW auf K55 gewesen sein, der natürlich nur ein Bruchteil der Einwohner direkt versorgt hat.

Gerade RLP ist so ein Beispiel für ein Gebiet mit vielen Füllsender abgesehen von Der Vorderpfalz bei der ARD und ZDF. Da die ARD hier aufgrund der früheren Regionalisierung einen GNS auf dem Weinbiet hatte, Südwest 3 aber nicht, mussten dort auch fürs Dritte Programm viele Füllsender aufgebaut werden, zum Teil auch im südlichen Teil für die ARD. ZDF ging vielerorts problemlos über Sender aus BW.

In Schleswig-Holstein, wenn man von Helgoland absieht, kam man faktisch ohne Füllsender aus.
CBS
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Re: ZDF Fernsehumsetzer und Bezugsender 1971

Beitrag von CBS »

Zur Umsetzer-Einwohnergrenze von 800 muss ich aber ergänzen, dass es seit den 1980er Jahren eine weitere Richtlinie gab, die unter diesem Schwellenwert liegenden Einwohner zu erreichen. Man hatte ermittelt, dass um eine 100%ige Vollversorgung zu erreichen, weitere 2 Mrd. DM notwendig wären (auch trotz Inflation fast schon Peanuts heutzutage). Mit in die Betrachtung flossen auch die Errichtung von Gemeinschaftsantennenanlagen. Mit der Erhöhung der Rundfunkgebühren zum 1.3.1983 wurden 15 Pf. je Teilnehmer für die Versorgung von Orten unter 800 Einwohnern zumindest rechnerisch für die Restversorgung reserviert und somit dieses Projekt erst ermöglicht.

Um die Kosten möglichst niedrig zu halten wurden in der Richtlinie für die Restversorgung z.B. Beugungsempfang zugelassen, um die Masthöhen zu begrenzen. Neue technische Geräte sollten klein gehalten werden (nierige Leistung), um bei nicht vorhandenem Platz in der Kabine diese in einem wetterfesten Mastgehäuse unterzubringen und möglichst keine weiteren Ertüchtigungen der Stromversorgung bei bestehenden Anlagen zu benötigen.

Die Vorgehensweise war zunächst alle Gebiete mit mind. 200 Einwohnern zu erreichen, wo keins der drei Programme bisher ging, dann dort, wo zwei Programme fehlten und schließlich wo ein Programm fehlte. Man ging davon aus, die großen Lücken bis Anfang der 1990er zu füllen, die restlichen bis Mitte der 90er. So war zumindest das Ziel, alle gebiete mit mind. 200 Einwohnern zu erreichen gesetzt.
Funker Tommy
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Re: ZDF Fernsehumsetzer und Bezugsender 1971

Beitrag von Funker Tommy »

Neben Umsetzern gab es laut Ard Technikangaben zB für den WDR, auch den Einsatz sogenannter UMLENKANTENNEN.
Experten wissen vielleicht mehr dazu.
PAM
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ZDF Fernsehumsetzer und Bezugsender 1971

Beitrag von PAM »

Funker Tommy hat geschrieben: So 2. Mai 2021, 11:14 Neben Umsetzern gab es laut Ard Technikangaben zB für den WDR, auch den Einsatz sogenannter UMLENKANTENNEN.
Experten wissen vielleicht mehr dazu.
Passive Umlenkeinrichtungen gab es auch auf dem Gebiet der DDR. Sie empfingen mit für den angepeilten Zielkanal abgestimmten Antennen hohen Gewinns und strahlten auf dem gleichen Kanal mit einer daran angeschlossenen Antenne z. B. in eine abgeschattete oder in eine Tallage. Das setzte am Aufstellungsort dieser Umlenkeinrichtung ein starkes und möglichst ungestörtes Quellsignal voraus.

Gesehen hatte ich sowas noch als Kind auf einer Wanderung im Ostharz. Es kann nicht weit von Alexisbad entfernt gewesen sein. Allgemein war die Empfangslage dort trotz der Nähe zum Westharz sehr schlecht. Unser damaliges Urlaubsdomizil bekam sein Fernsehen dank nach Osten offener Lage mit langen Dachantennen in ganz manierlicher Qualität vom Sender Wiederau. Westfernsehen ging damit gar nicht, die Ukw-Programme vom Torfhaus nur mit sehr wechselhaftem Mobilempfang. Ukw vom Brocken war durch Reflexionen trotz starkem Signal oft verzerrt.

Von der zufällig entdeckten passiven Umlenkeinrichtung hatten ein paar Häuser am Hang eines gegenüberliegenden Hügels etwas. Die Antennen waren für das VHF-Band III. Ob sie neben dem ortsüblichen Kanal 6 vom Brocken auch den Kanal 10 vom Torfhaus heran holten oder gar primär dafür gebaut war, das vermag ich nicht zu sagen. Wohl aber, dass diese paar Häuser sonst in der angepeilten Empfangsrichtung abgeschattet gewesen wären.
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Re: ZDF Fernsehumsetzer und Bezugsender 1971

Beitrag von jkr 2 »

Im Bereich des BR gab es anfangs auf dem Kreuzeck eine Umlenkantenne. Der Wendelstein auf K10 wurde damals ins Tal umgelenkt.
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Staumelder
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Re: ZDF Fernsehumsetzer und Bezugsender 1971

Beitrag von Staumelder »

MainMan hat geschrieben: Fr 30. Apr 2021, 19:38 Das ZDF hat zum jahreswechsel 1970/1971 ein Fachbuch mit dem Titel "Die Technik im ZDF" publiziert.
Darin wurden Produktion und Verbreitung des Fernsehprogramms zur damaligen Zeit populärwissenschaftlich erläutert.

Aus Anlass dieses "Jubiläums" habe ich die Sendertabelle des ZDF inkl. aller damaligen Fernsehumsetzer und Bezugsender eingescannt.
Für die älteren Semester hier im Forum eine schöne Erinnerung, für die jüngeren ist es Technik- und Zeitgeschichte zugleich.
Sehr interessant. Vielen Dank. Demnach gab es im relativ hügeligen Osnabrücker Umland keine Füllsender, Orte und Kleinstädte waren von der TV-Versorgung abgeschnitten bzw. man musste einen erhöhten Aufwand treiben um Sender zu empfangen.
QTH: 52.35 | 7.96 [nds] 5km westlich der "Schleptruper Egge" (Osnabrück)
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MainMan
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Re: ZDF Fernsehumsetzer und Bezugsender 1971

Beitrag von MainMan »

Marc!? hat geschrieben: Sa 1. Mai 2021, 16:11
MainMan hat geschrieben: Sa 1. Mai 2021, 16:01 So war es auch im Finkenbachtal (Odenwald). Dort wurde erst 1985 ein Umsetzer der DBP errichtet, vorher gab es nur ARD (HR) via Hardberg K5 und ARD (SDR) via Königstuhl K7 in mässiger Qualität.
Hat Finkenwald dann auch noch einen Umsetzer für die ARD bekommen?
Ja, vom DBP-Umsetzer Finkenbach kam auch die ARD (HR) auf K22 mit 10 Watt. Damit waren dann ARD, ZDF und Hessen 3 per Zimmerantenne empfangbar.
Finkenbach hat rund 400 Einwohner, der Umsetzer dort wurde 1985 im Rahmen der von @CBS erwähnten Restversorgung errichtet.
Das Grundstück für den Umsetzer hat die Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt.

Der TVU Finkenbach wurde wie alle anderen Umsetzer im hessischen Odenwald 2006 abgeschaltet.
Seither geht dort terrestrisch mit Normalaufwand gar nichts mehr (Hardberg K5 und Heidelberg K7 gingen ebenfalls 2006 aus der Luft).
Marc!?
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Re: ZDF Fernsehumsetzer und Bezugsender 1971

Beitrag von Marc!? »

MainMan hat geschrieben: So 2. Mai 2021, 13:52
Marc!? hat geschrieben: Sa 1. Mai 2021, 16:11
MainMan hat geschrieben: Sa 1. Mai 2021, 16:01 So war es auch im Finkenbachtal (Odenwald). Dort wurde erst 1985 ein Umsetzer der DBP errichtet, vorher gab es nur ARD (HR) via Hardberg K5 und ARD (SDR) via Königstuhl K7 in mässiger Qualität.
Hat Finkenwald dann auch noch einen Umsetzer für die ARD bekommen?
Ja, vom DBP-Umsetzer Finkenbach kam auch die ARD (HR) auf K22 mit 10 Watt. Damit waren dann ARD, ZDF und Hessen 3 per Zimmerantenne empfangbar.
Finkenbach hat rund 400 Einwohner, der Umsetzer dort wurde 1985 im Rahmen der von @CBS erwähnten Restversorgung errichtet.
Das Grundstück für den Umsetzer hat die Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt.

Der TVU Finkenbach wurde wie alle anderen Umsetzer im hessischen Odenwald 2006 abgeschaltet.
Seither geht dort terrestrisch mit Normalaufwand gar nichts mehr (Hardberg K5 und Heidelberg K7 gingen ebenfalls 2006 aus der Luft).
Gabs eig auch Gemeinden die die Umsetzer bezahlt haben?
Terranus
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Re: ZDF Fernsehumsetzer und Bezugsender 1971

Beitrag von Terranus »

Der BR zog an bestehenden Bundespost Umsetzern sogar noch bis Mitte der 90er Jahre nach. zB an TVUs wie Unterleinleiter, Dürrbrunn oder Weilersbach ging erst 1993/1994 das 1.Progr. dort mit auf Sendung. Das fand ich schon bemerkenswert, trotz schon Satboom. Aber damals spielte die Regionalisierung noch eine Rolle...

Die niedrigere Masthöhe führt heute dazu, dass diese oft für Mobilfunk durch höhere ersetzt werden. Passiert hier derzeit auch vielerorts. "Weilersbach" (was früher auch ein Unterkabelkopf war) und Unterleinleiter wurden durch wesentlich höhere Schleuderbetonmasten ersetzt.
Mir ist bis heute aber kein TVU Standort bekannt, der aufgegeben wurde. Die Masten blieben überall stehen, selbst dort, wo es bis heute keine Nachnutzung gibt. ZB Dürrbrunn, der Stengel ist seit 2005 nackt. Aber Hütte und Mast stehen noch.
Marc!?
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Re: ZDF Fernsehumsetzer und Bezugsender 1971

Beitrag von Marc!? »

Terranus hat geschrieben: So 2. Mai 2021, 14:15 Der BR zog an bestehenden Bundespost Umsetzern sogar noch bis Mitte der 90er Jahre nach. zB an TVUs wie Unterleinleiter, Dürrbrunn oder Weilersbach ging erst 1993/1994 das 1.Progr. dort mit auf Sendung. Das fand ich schon bemerkenswert, trotz schon Satboom. Aber damals spielte die Regionalisierung noch eine Rolle...

Die niedrigere Masthöhe führt heute dazu, dass diese oft für Mobilfunk durch höhere ersetzt werden. Passiert hier derzeit auch vielerorts. "Weilersbach" (was früher auch ein Unterkabelkopf war) und Unterleinleiter wurden durch wesentlich höhere Schleuderbetonmasten ersetzt.
Mir ist bis heute aber kein TVU Standort bekannt, der aufgegeben wurde. Die Masten blieben überall stehen, selbst dort, wo es bis heute keine Nachnutzung gibt. ZB Dürrbrunn, der Stengel ist seit 2005 nackt. Aber Hütte und Mast stehen noch.
In Saarbrücken-Güdingen wurde der Umsetzer des SR für die ARD auf K6 oberhalb des Sonnenberg Kinikums im Wald abgebaut. auch L-Band kam mal von dort.

Im Saarland wurden die Letzten TVU meines Wissens wie folgt in betrieb genommen:

ARD (SR) am 08.07.1992 in Körprich mit 40 W auf K28 (Erstaunlich, dass man sich im Primstal so lange seit gelassen hat)
ZDF/SW3 am 22.10.1992 Hausbach mit 3 W auf K32/59
DH0GHU
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Re: ZDF Fernsehumsetzer und Bezugsender 1971

Beitrag von DH0GHU »

Terranus hat geschrieben: So 2. Mai 2021, 14:15
Mir ist bis heute aber kein TVU Standort bekannt, der aufgegeben wurde. Die Masten blieben überall stehen, selbst dort, wo es bis heute keine Nachnutzung gibt. ZB Dürrbrunn, der Stengel ist seit 2005 nackt. Aber Hütte und Mast stehen noch.
Man fragt sich ja, wieso - denn bestenfalls verursacht so ein Leerstand "keine Kosten" - aber bringen tut's wenig. Eine aktive Vermarktung dürfte oft schwierig sein.
Für DAB und DVB-T braucht man die meisten Standorte nicht,
für Mobilfunk dürften sie oft zu exponiert sein, weil sie meist so hoch gelegen sind, dass Grundnetzsender in direkter Sicht stehen.
und andere Anwendungen fallen mir nun auch nicht ein.... Vielleicht noch die Hütten (falls vorhanden) selbst als Grillhütte, Vereinshütten, etc...
QTH: Obersöchering/JN57OR, zeitweise Kehl/JN38VN
Funkamateur, DLF-Hörer, Multipler Musikgeschmack, DAB-Nutzer. Normal ist normalerweise langweilig.
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Saarländer (aus Elm)
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Re: ZDF Fernsehumsetzer und Bezugsender 1971

Beitrag von Saarländer (aus Elm) »

Hab ja gerade hier viewtopic.php?p=1599773#p1599773

einen solchen Standort dokumentiert. Schade, dass man nicht mehr daraus machen kann.
Marc!?
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Re: ZDF Fernsehumsetzer und Bezugsender 1971

Beitrag von Marc!? »

Saarländer (aus Elm) hat geschrieben: So 2. Mai 2021, 15:11 Hab ja gerade hier viewtopic.php?p=1599773#p1599773

einen solchen Standort dokumentiert. Schade, dass man nicht mehr daraus machen kann.
Ist halt schwierig, der Standort versorgt im Prinzip nur Tettingen und Sinz, über die deutsche Uferseite des Moseltals strahlt er hinweg.
Funker Tommy
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Re: ZDF Fernsehumsetzer und Bezugsender 1971

Beitrag von Funker Tommy »

Sehr viele ehemalige TVU dienen heute dem Mobilfunk. Wäre interessant, wieviele....
MainMan
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Re: ZDF Fernsehumsetzer und Bezugsender 1971

Beitrag von MainMan »

Terranus hat geschrieben: So 2. Mai 2021, 14:15 Mir ist bis heute aber kein TVU Standort bekannt, der aufgegeben wurde. Die Masten blieben überall stehen, selbst dort, wo es bis heute keine Nachnutzung gibt. ZB Dürrbrunn, der Stengel ist seit 2005 nackt. Aber Hütte und Mast stehen noch.
Im Odenwald stehen alle TVU der ex-DBP noch, die große Mehrheit wird heute für Mobilfunk genutzt. "Nackte" Masten sieht man nur ganz selten. Es gibt sie aber auch, bspw. Heiligkreuzsteinach-Sändel.

Beim HR sieht es etwas anders aus. Auch dessen TVU werden heute mehrheitlich für Mobilfunk genutzt, vereinzelt wurden ungenutzte TVU in den letzten Jahren aber komplett zurückgebaut.
Beispielsweise der Gittermast in 64711 Erbach. Dieser strahlte bis 2006 das ARD-Programm auf K6 aus, danach wurde er nicht mehr genutzt. Im Sommer 2017 ist er komplett demontiert worden.
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