Multikanal-Rundfunk vor drastischem Wandel?

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ulionken
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Re: Multikanal-Rundfunk vor drastischem Wandel?

Beitrag von ulionken »

DH0GHU hat geschrieben:
Do 18. Feb 2021, 09:48
Felix II hat geschrieben:
Di 16. Feb 2021, 14:30

Solange es volumenbasierte Tarife auf den smartphones gibt wird sich Rundfunk mobil auf den Handys nicht durchsetzen. Keiner verplempert dauerhaft sein Volumen für (Internet)radio.
Das ist doch heute schon kein Thema mehr. Der kleinste Tarif bei der Telekom bietet momentan 6 GByte Daten pro Monat.
Das ist sicher nicht der kleinste Mobiltarif der Telekom. Ich beziehe 2 GB im Monat und zahle dafür vorab prepaid knapp 100 € pro Jahr. Das reicht problemlos für den mobilen Bedarf, aber nicht für längeres Streaming. Mal ganz abgesehen davon, dass dort, wo ich es als Outdoor-Mensch brauchen würde, die Telekom oft gerade mal 2G/GSM anbietet, was nicht für stabiles Streaming reicht. UKW-Radio im Smartphone geht dagegen flächendeckend, DAB+ mit separatem Empfänger auch.

73 de Uli
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DH0GHU
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Re: Multikanal-Rundfunk vor drastischem Wandel?

Beitrag von DH0GHU »

Die Einwände stimmen natürlich. Wobei: wir reden hier von ganz anderen Volumen als noch vor 5 Jahren.
Mir ist auch bewußt, dass sich das nicht jeder leisten kann. Ich habe das auch ganz bewußt nicht mit einfließen lassen - wir wissen, dass die Anbieter kein Sozialamt sind, die sich tatsächlich um die wirtschaftlichen Belange der Kunen kümmern. Fußball, der Breitensport schlechthin, ist mittlerweile auch allzuoft hinter einer Bezahlschranke verschwunden.
Im Worst-Case (aus unserer Sicht) schert das auch viele Kunden nicht.
Außerdem: Daten werden weiter immer billiger werden. Was heute die 6 GB (als Vertrag, nicht prepaid) bei der DTAG sind, waren vor 5 Jahren noch 1,5 GB. ÖPNV, Bahn und Co bieten heute schon häufig freies WIFI an, ebenfalls alle möglichen anderen Einrichtungen, vom Friseur übers Café bis hin zur Kommune, die an belebten Plätzen eine kostenlose Versorgung anbietet. Wir wollen doch weiter denken als nur 1-2 Jahre?

Dann bleibt aber IMMER das Grundproblem des Online-streamings - und darüber sollten vor allem die ANBIETER, die voll aufs Netz setzen, mal nachdenken:

Warum um alles in der Welt soll ich langfristig als Hörer bei Antenne Bad Kleinkleckersdorf bleiben, wenn mir im Netz so viele auf meine Bedürfnisse "maßgeschneiderte" Dienste angeboten werden? Wenn sich nur ein Drittel der jetzigen Hörer den Luxus leistet, ins Netz zu gehen, statt über DAB+ oder UKW zu hören, dann ist dieses Drittel potentiell nicht mehr der Konkurrenz aus 4 Muxen, sondern der Konkurrenz des ganzen Netzes "ausgeliefert". Wenn ich eh schon online bin, warte ich auch nicht, bis mir Antenne Bad Kleinkleckersdorf in 2 Minuten die Nachrichten aus Bad Kleinkleckersdorf und der Region vorliest - während ich zufällig gerade die nötige Aufmerksamkeit habe, sondern greife mir die aus einem Nachrichtenportal genau dann ab, wenn ich Zeit dafür habe.

Wie aufwändig wird das mit der Flächenversorgung (wenn wir bei O2 schauen, wird der VERTRAG mit vielen GB plötzlich schon viel günstiger - aber das Netz....)?

Der große Vorteil vom Radio ist seine Barrierefreiheit: Einschalten, an der Kurbel drehen oder den Suchlauf starten, durchzappen, fertig. Keine App installieren, keine Adressen suchen, überhaupt keine GEDANKEN machen obs Datenvolumen reicht. Radio funktioniert immer und überall (naja fast), unabhängig und vor allem EINFACH.

DAS sind die Stärken des Radios, viel mehr als nur die Tatsache, dass das übertragene Bit viel billiger ist. Das ist EIN Teilaspekt, aber viel zu kurz gegriffen - wie immer dann, wenn eine Produktqualität nur nach dem Preis bewertet wird (Geiz ist halt nicht geil, sondern bestenfalls aus einer Not geboren).
QTH: Obersöchering/JN57OR, zeitweise Kehl/JN38VN
Funkamateur, DLF-Hörer, Multipler Musikgeschmack, DAB-Nutzer. Normal ist normalerweise langweilig.

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