UKW-Sender des Deutschlandfunks in den 80ern

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Dudelsack
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UKW-Sender des Deutschlandfunks in den 80ern

Beitrag von Dudelsack »

Hallo an alle Rundfunkhistoriker,
Vor einiger Zeit habe ich einen ganzen Packen allter Kassetten gratis ergattert. Hierbei handelt es sich um Aufnahmen eines Leseservice für Blinde. Man konnte seinerzeit ein Druckwerk einsenden und auf Kassette aufsprechen lassen.
Jedenfalls ist unter diesen Kassetten auch eine Hörversion der Chronik, die der Deutschlandfunk im Jahre 1987 zum 25. Jubiläum herausgab. Mit dabei ist auch eine Auflistung der in Betrieb befindlichen und geplanten UKW-Sender mit Standort, Frequenz und Sendeleistung. Die meisten Angaben stimmen noch heute, aber manches war wohl früher ganz anders. Und genau darum soll es hier gehen.
Für Bremen wird die 95,00 MHZ mit einem KW genannt, die ja heute mit NDR Info und dem Bremischen Landtag belegt ist. Wann erfolgte der Wechsel auf 107,10 MHZ mit 100 KW?
Bleiben wir in der Gegend. Beim Sender Aurich wird man auf die 101,10 MHZ mit 100 KW Rundstrahlung verwiesen. Ich nehme mal stark an, dass sich die Sprecherin da einfach verlesen hat und eigentlich die 101,80 MHZ meinte, denn schließlich hätte das ja ordentliche Störungen mit Bremen 4 auf 101,20 MHZ gegeben. Liege ich mit der Vermutung, dass das ein Versehen war, richtig, oder war tatsächlich mal eine solche Kampfkoordination geplant oder gar in Betrieb?
Die Leistungen von Höbeck (94 KW) und Bungsberg (95 KW) hatten mich schon öfters verwirrt. Warum hat man nicht einfach auf runde 100 KW aufgedreht? In meiner Aufnahme sind beide Sender mit 100 KW vermerkt. Waren Höbeck und Bungsberg jemals mit dieser Leistung in betrieb, beziehungsweise geplant oder hat man bei der Senderkarte einfach nur aufgerundet?
Die 103,30 MHZ ist hier für den Senderstandort Kreuzberg angegeben. Plante man 1987 denn noch, vom BR-Sender statt vom Heidelstein auszustrahlen oder verwendete man die Bezeichnung, weil der Sender Kreuzberg schon einen gewissen Bekanntheitsgrad hatte und man sich daher ungefär das Verbreitungsgebiet vorstellen konnte?
Am Blauen war die 105,10 MHZ genannt, allerdings mit 19 KW. War diese Leistung tatsächlich mal so geplant oder in Betrieb und wenn ja: Wann und warum wurden dann 10 KW daraus?
Ich danke schon jetzt für Aufklärung.
Klaus-Peter
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Re: UKW-Sender des Deutschlandfunks in den 80ern

Beitrag von Klaus-Peter »

Auf die Schnelle, konnte ich lediglich eine Senderkarte von 1993 finden ! Vielleicht von Interesse !
Dateianhänge
dlf.png
QTH : Region Hannover
RX : Grundig Satellit 650 u.a.
ANT : Teleskop und Langdraht
Habakukk
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Re: UKW-Sender des Deutschlandfunks in den 80ern

Beitrag von Habakukk »

Bei Höhbeck und Bungsberg habe ich mal gehört, dass man an diesen Standorten kostentechnisch in eine preisgünstigere Kategorie (Leistungsklasse) gelangen konnte, weil man nicht die vollen 100kW ausgenutzt hat. Ob das so stimmt, möchte ich nicht beschwören. Und ich weiß auch nicht, warum das nicht an anderen Standorten auch der Fall war.
ulionken
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Re: UKW-Sender des Deutschlandfunks in den 80ern

Beitrag von ulionken »

Dudelsack hat geschrieben: Do 1. Okt 2020, 19:22 Am Blauen war die 105,10 MHZ genannt, allerdings mit 19 KW. War diese Leistung tatsächlich mal so geplant oder in Betrieb und wenn ja: Wann und warum wurden dann 10 KW daraus?
Ich danke schon jetzt für Aufklärung.
Der Blauen 105.10 MHz war in Genf (GE84) mit 10 kW koordiniert. Gesendet wurde zunächst mit 0.5 kW vom Totenkopf, später mit 10 kW vom Blauen. 19 kW waren nie geplant, das ist offensichtlich ein Fehler.

73 de Uli
UKW/TV-Arbeitskreis, FMLIST
QTH: Lörrach, JN37TO
Ingo-GL
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Re: UKW-Sender des Deutschlandfunks in den 80ern

Beitrag von Ingo-GL »

Meine Theorie: Werte wie 94 kW kommen heraus, wenn man bei der Abnahme nach der Installation feststellt, dass der Antennengewinn nicht ganz den nominellen Wert erreicht. Dann lässt man es dabei bewenden und stockt nicht den Sender auf. Der Unterschied zu 100 kW beträgt -0,23 dB.
Dudelsack
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Re: UKW-Sender des Deutschlandfunks in den 80ern

Beitrag von Dudelsack »

Klaus-Peter hat geschrieben: Do 1. Okt 2020, 19:55 Auf die Schnelle, konnte ich lediglich eine Senderkarte von 1993 finden ! Vielleicht von Interesse !
Ja, von Interesse durchaus, aber für mich wegen Blindheit leider nicht auszulesen. Ist denn irgendetwas auf dieser Karte zu sehen, das heute anders ist? War Bremen da schon auf 107,10 MHZ?
Ingo-GL hat geschrieben: Do 1. Okt 2020, 21:59 Meine Theorie: Werte wie 94 kW kommen heraus, wenn man bei der Abnahme nach der Installation feststellt, dass der Antennengewinn nicht ganz den nominellen Wert erreicht. Dann lässt man es dabei bewenden und stockt nicht den Sender auf. Der Unterschied zu 100 kW beträgt -0,23 dB.
Aha, das klingt plausibel und würde dazu passen, dass die beiden betreffenden Standorte ja als geplant mit 100 KW angeführt wurden. Gut möglich, dass sich die wahre Leistung dann erst nach der Aufschaltung zeigte.
Klaus
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Re: UKW-Sender des Deutschlandfunks in den 80ern

Beitrag von Klaus »

Ich persönlich erinnere mich sehr genau an die Frequenzkarte, die mir der DLF in den 80ern geschickt hatte. Die Frequenzen waren damals noch in Planung, in Betrieb waren nur Hamburg 88,7 MHz und Bonn schon seit den 70ern auf 89,1 MHz.
Dudelsack hat geschrieben: Do 1. Okt 2020, 19:22 Für Bremen wird die 95,00 MHZ mit einem KW genannt, die ja heute mit NDR Info und dem Bremischen Landtag belegt ist. Wann erfolgte der Wechsel auf 107,10 MHZ mit 100 KW?
Ich erinnere mich nicht, dass aus Bremen jemals auf 95,00 MHz gesendet worden wäre. Die 107,1 MHz war in den 80ern noch nicht geplant, sie kam erst später. Bremen war ja auch kein Grenzstandort.
Dudelsack hat geschrieben: Do 1. Okt 2020, 19:22 Bleiben wir in der Gegend. Beim Sender Aurich wird man auf die 101,10 MHZ mit 100 KW Rundstrahlung verwiesen. Ich nehme mal stark an, dass sich die Sprecherin da einfach verlesen hat und eigentlich die 101,80 MHZ meinte, denn schließlich hätte das ja ordentliche Störungen mit Bremen 4 auf 101,20 MHZ gegeben. Liege ich mit der Vermutung, dass das ein Versehen war, richtig, oder war tatsächlich mal eine solche Kampfkoordination geplant oder gar in Betrieb?
Aurich war immer mit der 101,8 MHz in der Planung. Zumindest wurde seitens des DLF nie öffentlich etwas anderes kommuniziert.
Dudelsack hat geschrieben: Do 1. Okt 2020, 19:22 Die 103,30 MHZ ist hier für den Senderstandort Kreuzberg angegeben. Plante man 1987 denn noch, vom BR-Sender statt vom Heidelstein auszustrahlen oder verwendete man die Bezeichnung, weil der Sender Kreuzberg schon einen gewissen Bekanntheitsgrad hatte und man sich daher ungefär das Verbreitungsgebiet vorstellen konnte?
Geplant war in den 80ern der Standort Kreuzberg. Weshalb es letztlich doch Heidelstein wurde oder man vom Kreuzberg zum Heidelstein gewechselt hat, wissen andere hier vielleicht besser.
ardey.fm
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Re: UKW-Sender des Deutschlandfunks in den 80ern

Beitrag von ardey.fm »

Hier eine Frequenzkarte von 1986 oder 1987.

Verzeichnet sind dort:

In Betrieb:

Flensburg 103.3
Hamburg 88.7
Aurich 101.8
Torfhaus 103.5
Wesel 102.8
Bonn 89.1
Freiburg 105.1
Witthoh 100.6
Högl/Freilassing 100.3

Ab Sommer/Herbst 1987:

Eutin/Bungsberg 101.9
Lingen 102.0
Höhbeck/Lüchow 102.2
Heidelstein/Rhön 103.3
Ochsenkopf 100.3
Saarburg 104.6
Brotjacklriegel 100.1

Geplant:

Hornisgrinde 106.3

(Plus LW/MW Donebach 153, Erching 209, Neumünster 1269, Königslutter 756, Nordkirchen 549, Mainflingen 1539, Thurnau 549, Ravensburg 756).
Dateianhänge
DLF1987_0001.jpg
Zuletzt geändert von ardey.fm am Do 1. Okt 2020, 22:52, insgesamt 2-mal geändert.
TobiasF
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Re: UKW-Sender des Deutschlandfunks in den 80ern

Beitrag von TobiasF »

Die 1993er Karte hat auf der linken Seite eine nummerierte Liste mit 22 Einträgen:
  1. 103,3 Flensburg
  2. 101,9 Eutin
  3. 88,7 Hamburg
  4. 101,8 Aurich
  5. 102,2 Höhbeck
  6. 102,0 Lingen
  7. 103,5 Torfhaus
  8. 102,8 Wesel
  9. 96,6 Leipzig
  10. 99,5 Löbau
  11. 97,3 Dresden
  12. 89,1 Bonn
  13. 97,0 Chemnitz
  14. 94,5 Auerbach/Schöneck
  15. 103,3 Rhön
  16. 100,3 Ochsenkopf
  17. 104,6 Saarburg
  18. 100,1 Brotjacklriegel
  19. 106,3 Hornisgrinde
  20. 105,1 Freiburg i. Brsg.
  21. 100,6 Witthoh
  22. 100,3 Högl
Der Standort Bremen ist weder in der Karte eingezeichnet noch in der Liste enthalten. Was mich als Dresdner wundert, auch die 97,7 aus Berlin fehlt.

Außer Sachsen, Hamburg und Bonn sind das alles Grenzstandorte.
Standort: Dresden-Mickten / Moritzburg-Reichenberg bei Dresden
Empfangsgeräte: TechniSat Digitradio 361 CD IR, TechniSat Digitradio 1, TechniSat Digitradio mobil, TechniSat Digipal DAB+, TechniSat Digit ISIO S2
_Yoshi_
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Re: UKW-Sender des Deutschlandfunks in den 80ern

Beitrag von _Yoshi_ »

War vom DLF die 89,1MHz in Bonn die erste UKW Frequenz?
Damals kannte ich den DLF nur von der MW her.
RX QTH: Leer Ostfriesland - JO33RF
Degen DE-1103, Microspot RA-319
SDR AirSpy One mit SDR#
My Snip †01.09.2018 11.21Uhr
102.1
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Re: UKW-Sender des Deutschlandfunks in den 80ern

Beitrag von 102.1 »

Ich meine beim DLF bereits in den 80er Jahren einen Kleinsender in München in Erinnerung zu haben?
carkiller08
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Re: UKW-Sender des Deutschlandfunks in den 80ern

Beitrag von carkiller08 »

War vom DLF die 89,1MHz in Bonn die erste UKW Frequenz?
Wahscheinlich ja.

https://fmkompakt.de/File0804.PDF

Steht dort als einziger 1985 schon in Betrieb gegangener Sender.

Für Torfhaus 103,5 kann ich mich hoch erinnern, dass die Inbetriebnahme in der Tagesschau in der 2.Hälfte der 80er Jahre erwähnt wurde.
Die Reichweite gen Osten laut der Karte karte aus Beitrag #2 ist aber wegen der Antennenhöhe unrealistisch.
Habakukk
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Re: UKW-Sender des Deutschlandfunks in den 80ern

Beitrag von Habakukk »

102.1 hat geschrieben: Fr 2. Okt 2020, 00:43 Ich meine beim DLF bereits in den 80er Jahren einen Kleinsender in München in Erinnerung zu haben?
Nein, da gab es nichts. Nur Langwelle 207kHz. Ab den 90erm konnte man mit viel Mühe via 100,1 Brotjacklriegel hören, wo nicht AFN 100,0 aus Augsburg stärker war (100,3 Högl reicht nicht so weit).
Dudelsack
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Re: UKW-Sender des Deutschlandfunks in den 80ern

Beitrag von Dudelsack »

ardey.fm hat geschrieben: Do 1. Okt 2020, 22:31 Hier eine Frequenzkarte von 1986 oder 1987.

Verzeichnet sind dort:

In Betrieb:

Flensburg 103.3
Hamburg 88.7
Aurich 101.8
Torfhaus 103.5
Wesel 102.8
Bonn 89.1
Freiburg 105.1
Witthoh 100.6
Högl/Freilassing 100.3
Erst einmal danke an dich und auch an TobiasF für das Abtippen der Daten. :danke:
Deine Karte muss wohl von 1987, tendenziell aus dem zweiten Quartal stammen. Die mir vorliegende Chronik stammt vom Januar 1987 und wurde eben zum 25. Geburtstag des Deutschlandfunks herausgegeben.
In meiner Auflistung sind lediglich Bonn, Flenzburg, Hamburg und Freiburg in Betrieb, die Aufschaltung von Högel und Wesel wird für Anfang des Jahres angekündigt. Alle anderen Sender waren zum damaligen Stand nur Planungen.
carkiller08 hat geschrieben: Fr 2. Okt 2020, 07:19
War vom DLF die 89,1MHz in Bonn die erste UKW Frequenz?
Wahscheinlich ja.

https://fmkompakt.de/File0804.PDF

Steht dort als einziger 1985 schon in Betrieb gegangener Sender.
Meine Chronik gibt als Aufschaltdatum für den Sender Bonn den 02.01.1975 an, damals noch mit einem KW und von 19:30 Uhr bis 20:00 Uhr mit Sendungen in Englisch, Französisch und Spanisch zu jeweils zehn Minuten für die Diplomaten.
HAL9000
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Wohnort: Wilhelmshaven

Re: UKW-Sender des Deutschlandfunks in den 80ern

Beitrag von HAL9000 »

Den DLF gab es bei uns nie auf 101,1 MHz - Seit der Aufschaltung des Programms in Aurich sendet dieser auf 101,8 MHz.
Da ich nichts von Koordinierungen aus dieser Zeit weiss, gehe ich auch von einem Versprecher aus
Ant: Humax 80cm Sat auf Stab USALS PolarMount- Rotor, UKW-Antenne 14 El. Kompaß @ Rotor
RX: microtelecom PERSEUS & microtelecom FM+
KFZ: Alpine i902D-G6
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