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Sendemasten statt Sendetürme für UKW/DAB/DVB-T?

Verfasst: Mo 15. Apr 2019, 13:03
von wolfgangF
Wenn ich immer mal wieder Senderfotos deutschlandweit ansehe habe ich den Eindruck, dass doch häufiger abgespannte Sendemasten (Gittermasten oder Rohrmasten) zum Einsatz kommen anstatt Sendetürme aus Beton wie bspw. Witthoh, Feldberg oder Hornisgrinde.

Das verwundert mich insofern, als doch reihenweise die abgeschalteten Mittelwellensender rasch abgerissen wurden mit der Begründung, dass deren Unterhaltung so aufwendig und kostenintensiv sei.

Ich kann mir als Laie schon vorstellen, dass ein Betonturm beim Bau erstmal teurer ist, aber langfristig ist er meines Erachtens in der Bauwerksunterhaltung doch kostengünstiger, müssen doch die Masten regelmäßig gestrichen und die Pardunen dauernd überwacht werden. Außerdem sind Stahlmasten doch hinsichtlich Tragfähigkeit und Windlast sicherlich kritischer als Türme.

Wie seht Ihr das? Hat jemand hierzu Hintergrundwissen?

Re: Sendemasten statt Sendetürme für UKW/DAB/DVB-T?

Verfasst: Mo 15. Apr 2019, 13:10
von RheinMain701
Das hat historische Gründe, Betontürme wurden erst Mitte der 50er-Jahre erfunden (der Stuttgarter Fernsehturm war der erste seiner Art) und erst in den 60ern begann die Massenproduktion. Vorher gab es entweder kurzlebige Holztürme, oder eben abgespannte Sendemasten. Die allermeisten Grundnetzsender stammen noch aus der Anfangszeit der Bundesrepublik (frühe 50er-Jahre) und damit vor der Erfindung des "Fernsehturms".

Die Mittelwellensender wurden deshalb abgerissen, weil die Lage zur Verbreitung von Programmen auf UKW/DAB/DVB-T denkbar ungeeignet ist. Mittelwellensender (oder LMK-Sender insgesamt) müssen möglichst an feuchten Böden gebaut werden, also in Flussauen oder am Meer. UKW-Sender (und DAB/DVB-T) baut man am besten in die Höhe. Beides zusammen bekommt man schwer unter einen Hut, weshalb es nur sehr wenige kombinierte UKW/Mittelwellensender gab (z. B. Hamburg-Moorfleet).

Re: Sendemasten statt Sendetürme für UKW/DAB/DVB-T?

Verfasst: Mo 15. Apr 2019, 13:32
von Marc!?
Die neuen Türme sind fast alle Stahlgittermasten oder Türme um die 50m.

Re: Sendemasten statt Sendetürme für UKW/DAB/DVB-T?

Verfasst: Mo 15. Apr 2019, 13:41
von iro
Der Fernsehturm ist doch auch nur ein Abfallprodukt des Schornsteinbaus...

Re: Sendemasten statt Sendetürme für UKW/DAB/DVB-T?

Verfasst: Mo 15. Apr 2019, 15:08
von DH0GHU
Auch Betontürme bedürfen einer Wartung.
Ihr Vorteil ist, dass sie mehr Platz bieten - insbesondere auch für Betriebsgeschosse zur antennennahen Unterbringung der Technik. Lange Koaxkabel bedeuten immer Leistungsverluste...
Die MW-masten mußte man halt nach MW-Abschaltung "fürs rumstehen" in Schuss (Korrosionsschutz, Flugwarnleuchten, ...) halten, ohne einen Cent Einnahmen.

Wenn, dann muß man die Gesamt-Lebenskosten betrachten. Die sind beim Metallmast natürlich sowieso viel niedriger. Der Abbau gehört z.B. in die Betrachtung mit rein. Beim abgespannten Metallmast ist das schlichtweg nur: Pardunen in einer Richtung auftrennen, und zack fällt das Ding ziemlich exakt in die Gegenrichtung um. Danach gibts sogar noch Geld für den Schrott :)

Re: Sendemasten statt Sendetürme für UKW/DAB/DVB-T?

Verfasst: Mo 15. Apr 2019, 15:14
von DB1BMN
iro hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 13:41
Der Fernsehturm ist doch auch nur ein Abfallprodukt des Schornsteinbaus...
LOL!

Eben aus Gründen der Statik wurde ja z.B. letztens der Sender Steinkimmen umgebaut von Rohrturm in Stahlfachwerk.

Re: Sendemasten statt Sendetürme für UKW/DAB/DVB-T?

Verfasst: Mo 15. Apr 2019, 15:34
von iro
Zum Alex in Berlin:
https://www.zeit.de/1999/42/199942.auss ... ml/seite-4
"Bestimmt war es nicht einfach, einen 365 Meter hohen Turm zu konstruieren.
Dieter: Ja, das könnte auch heute nicht jedes westliche Planungsbüro. Der Turm ist zwar im Prinzip nur ein Schornstein, aber ein sehr hoher, der eine Kugel trägt und noch ein Stück darüber einen 118 Meter hohen Stahlmast. Das war eine gestalterische und technische Herausforderung."

https://www.berlinjournal.biz/berliner- ... hrzeichen/
"Doch technisch gesehen war der Bau kein großes Problem für die DDR. Es handelte sich genau genommen um einen Schornsteinbau – und damit hatte man Erfahrung. Denn mit Riesenschornsteinen sind schon mehrere Braunkohlekraftwerke ausgestattet worden."