Frequenzbereich des Volksempfängers

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WiehengeBIERge
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von WiehengeBIERge » Mi 6. Feb 2019, 18:11

Es sind nicht alle Volksempfänger Allstromgeräte.
Es gibt verschiedene Versionen, gekennzeichnet wurde das mit Buchstaben. G für reine Gleichstromgeräte, W für Wechselstromgeräte (die haben auch einen Netztrafo und sind somit keine Allstromgeräte) und GW für Allstromgeräte.

Mir sind bisher nur "W" Geräte über den Weg gelaufen und auch mein eigener ist ein "ungefährlicher" W, und sogar ein DYN W, was bedeutet dass er einen dynamischen Lautsprecher (mit Elektromagnet) besitzt.
Hier in der Umgebung soll es aber auch von Anfang an nur Wechselstromnetze gegeben haben, was vielleicht eine Erklärung dafür sei könnte.
QTH: 52.28 N | 8.70 O
am Nordhang des Wiehengebirges, am äußersten Rand von NRW und der "Bergwelt"

http://www.senderfotos-owl.de

Zintus
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von Zintus » Mi 6. Feb 2019, 22:26

Klasse Video. Vielen Dank dafür. Ich habe selber noch nie einen Volksempfänger in den Händen gehabt. Allerdings kommt mir das Handling in dem Video von diversen selbstgebauten Audions (Röhren und Transistoren) sehr bekannt vor. Immer wieder die Hand am Rückkopplungsknopf, da sich der Punkt, wo die Schwingung einsetzt, ständig ändert, abhängig von der Frequenz und anderen Faktoren.
Auch erstaunlich, was man mit dem alten Schätzchen doch noch alles empfängt auf den "leergefegten" MW- und LW-Bändern. :spos:
QTH 1: Haren/Ems (D) QTH2: Rijswijk/Den Haag (NL)
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DAB: Panasonic RF-D10, Sony XDR-S41D

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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von 102.1 » Do 7. Feb 2019, 06:13

ScheichManfred hat geschrieben:
Di 5. Feb 2019, 20:35
Jetzt, wo es nur noch schwache Signale gibt, lässt sich doch eine erstaunliche Sendervielfalt auf die Skala zaubern. Auf Langewelle beispielsweise kriege ich: 270 Tschechien, 252 Algerien, 234 RTL, 216 RMC, 198 BBC und darüber hinaus noch schwach 225 aus Polen und die verzerrte 183 von Europe 1. Also quasi fast alles, was hier auf Langewelle noch sendet.

Auf Mittelwelle gehen die Engländer super. Ist schon geil, Guns 'n' Roses aus der Goebbelsschnauze zu hören :D. Voraussetzung sind natürlich eine ordentliche Antenne und Erdung.

Die Bedienung ist übrigens alles andere als trivial und erfordert eigentlich drei Hände. Ich hab mal ein kleines Video gemacht, vielleicht lade ich das noch hoch. Erstmal das ungeahnte Erfolgserlebnis genießen :)

PS: zum Thema Empfangsbereich: der holländische Polka-Pirat auf 1619 kHz kommt auch gut rein!
Interessanter Bericht. Waehrend der NS Zeit haette Dir dieser Empfang eine Menge Aerger einbringen koennen und der Empfangsbericht ebenfalls.

Spacelab
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von Spacelab » Do 7. Feb 2019, 08:26

WiehengeBIERge hat geschrieben:
Mi 6. Feb 2019, 18:11
auch mein eigener ist ein "ungefährlicher" W, und sogar ein DYN W, was bedeutet dass er einen dynamischen Lautsprecher (mit Elektromagnet) besitzt.
Das ist noch nicht mal so unwichtig. Ich habe mal so ein altes Radio mit einem "Freischwinger" gehört. Das klang grausam.

DB1BMN
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von DB1BMN » Do 7. Feb 2019, 09:25

Moin,

ich frage mich, was denn so toll ist an den DYNs?
Sofern ich weiß, haben alle Alltags-Lautsprecher einen Permanentmagneten von Lo- bis HiFi und so schlimm klingen die wirklich nicht.
Plärren tun sie meist eh nur, wenn die Membrane viel zu klein ist und man sie total übersteuert?
Selbst der GameBoy-Lautsprecher hat mit seinen 25 mm noch einen passablen Sound in Zimmerlautstärke abgeliefert und die meisten Küchenradios haben einen Durchmesser der Lautsprecher, der kleiner ist, als vom VE.

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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von Spacelab » Do 7. Feb 2019, 09:31

Das was du beschreibst sind dynamische Lautsprecher mit permanent Magnet. ;)

Felix II
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von Felix II » Do 7. Feb 2019, 09:38

dynamische Lautsprecher mit permanent Magnet
Ist das nicht dasselbe wie ein "Freischwinger" ?
mfG: Felix II

[hr]

ein Ponyhof ist kein Ponyhof.

Wikipedia: Standart bezeichnet häufig eine Falschschreibung des Wortes Standard

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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von Spacelab » Do 7. Feb 2019, 10:03

Nein. Ein dynamischer Lautsprecher ist das was wir heute so kennen. Also ein permanent Magnet mit Schwingspule an dem die Membrane befestigt ist und die (also die Spule) sich in einem Spalt im Magnet bewegt. Ein Freischwinger ist eine Membrane an der ein Anker (sieht aus wie ein Nagel) befestigt ist und dieser Anker wird von einem Elektromagnet angezogen oder abgestoßen. Bei größerem Hub, also Bewegung der Membran zum Beispiel durch Bass, schlägt der Anker am Magnet an da dieser ja eine gewisse tiefe im Magnetfeld stehen muss und nicht beliebig weit entfernt montiert werden kann. Dadurch kann so ein Freischwinger nicht sonderlich laut. Außerdem ist das ganze mit dem Anker und dem Elektromagneten eine ziemlich träge Konstruktion. Selbst auf Lang- und Mittelwelle fiel der recht muffelige und breiige Klang auf. Wir hatten damals an der Uni noch so einen Freischwinger zum ausprobieren. Da klang selbst eine CD wie üble Mittelwelle. :D Vorteile hatte so ein Freischwinger aber auch. Er war viel günstiger herzustellen als ein dynamischer Lautsprecher. Er war elektrisch kaum zerstörbar. Also verbrannte Schwingspulen wie bei einem dynamischen Lautsprecher gab es da natürlich nicht. Außerdem war so ein Freischwinger hochohmig. Die Impedanz lag so bei 600 Ohm. Damit war so ein Lautsprecher extrem Verstärker unkritisch und spielte auch mit der letzten Gurke problemlos zusammen.

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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von DB1BMN » Do 7. Feb 2019, 10:14

Jetzt bin ich komplett durcheinander :-(

* Ein Freischwinger kann gar nicht frei schwingen, sondern stößt an?
* Ein dynamischer Lautsprecher ist gar nicht dynamisch, sondern hat einen statischen Magneten?

Ich dachte, beim "DYN" hatte man sich auch noch den Permanentmagneten eingespart und statt dessen die Anodendrossel als Elektromagnet verwendet?

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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von Spacelab » Do 7. Feb 2019, 10:28

Ein Freischwinger stößt, wie ich ja ausdrücklich schrieb, nur bei Überlast an. Sonst schwingt er frei. Und nicht wie ein Elektrostat der zwischen zwei elektrischen Feldern quasi eingespannt ist oder die ersten Versuche mit Doppel-ALNICO-Magneten mit denen man einen ganzen Kinosaal beschallen konnte mit gerade mal 20 Watt Verstärkerleistung. Mehr gab es damals nicht.

Das "dynamisch" bei einem dynamischen Lautsprecher bezieht sich doch nicht auf den Magneten. Es bedeutet im Prinzip das gleiche wie beim Freischwinger. Die Membran kann sich frei, also dynamisch, bewegen.

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Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von PAM » Do 7. Feb 2019, 10:56

Zunächst stehen dem AM-Hörrundfunk nur 4,5 kHz Bandbreite zur Verfügung, was das abbildbare Audiospektrum stark einschränkt. Der als muffelig beschriebene Klang der Volksempfänger ist primär dem Schaltungsprinzip geschuldet. Je nach Einstellung der Rückkopplung konnte die Trennschärfe verbessert werden und weitere Teile des empfangenen Audiospektrums wurden abgeschnitten. Bei stark einfallendem Ortssender und entsprechender Einstellung ließ sich der Klangeindruck verbessern. Dem setzten die damals für diese Geräteklasse verfügbaren Lautsprecher ihre Grenzen.

Wer einmal zeitgenössische Mittel- oder Oberklassegeräte der 1930er und 1940er Jahre gehört hat, der wird sich dagegen wundern. Aus der weiterhin überschaubaren Bandbreite war plötzlich ein erheblich runderer Klangeindruck zu gewinnen. Das setzte allerdings auch voraus, dass senderseitig ein entsprechend reichhaltiges Audiospektrum angeboten wurde und der Empfang beim Zuhörer hinreichend stark war.

Elektromagneten in dynamischen Lautsprechern gibt es übrigens bis heute. Sie werden z. B. dann eingesetzt, wenn Baugröße und Leistungsparameter einen erforderlichen Permanentmagneten übermäßig groß und schwer machen würden sowie der zusätzliche Energiebedarf kein Problem darstellt. Hinzu kommt, dass man heute auch in der Lage ist, den Elektromagneten dynamisch anzusteuern und darüber das Anschwing- bzw. auch das Bremsverhalten der Membran zu beeinflussen.

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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von mittendrin » Do 7. Feb 2019, 11:15

Viel mehr als dieses musste er (der Volksempfänger) doch nicht akustisch abbilden können:
https://www.youtube.com/watch?v=XBj5PIb-EAs
:eek:
mittendrin ist hier: QTH 11e59 / 51n23

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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von ScheichManfred » Do 7. Feb 2019, 11:18

Für einen Freischwinger aus gepresster Pappe in einem Bakelitgehäuse finde ich den Klang beim DKE gar nicht mal so schlecht.

Ich habe noch ein Mittelklassegerät von 1934 mit einem "richtigen" dynamischen Lautsprecher. Da kann man als Zweitlautsprecher einen Freischwinger anschließen, der schaltungstechnisch parallel zum Ausgangsübertrager liegt und somit unter relativ hoher Spannung steht. Passt man hier nicht auf und schließt einen dynamischen LS an, gibt es auf jeden Fall einen ordentlichen Knall :D.

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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von Spacelab » Do 7. Feb 2019, 12:52

Das größte Problem bei einem Freischwinger war gar nicht so der begrenzte Frequenzbereich. Das Exemplar das wir an der Uni hatten hatte (wenn ich mich nicht irre) einen Frequenzbereich von rund 200Hz bis 6kHz. Für AM Rundfunk war das mehr als ausreichend. Das eigentliche Problem war das echt miese Ausschwingverhalten. Bildlich gesprochen: wenn ein normaler Lautsprecher nach einem Ton mehr oder weniger sofort stoppt, wobbelt der Freischwinger noch eine Zeit lang nach. Auch wenn man es vielleicht anders erwarten würde, aber bei Musik war das noch nicht mal so auffällig. Schlimmer war es bei tiefen Männerstimmen. Die nuschelten und hörten sich an als hätten sie eine Socke im Mund.

Es gibt dutzende verschiedene Möglichkeiten einen Lautsprecher zu konstruieren. Sogar welche ganz ohne Membran.

PAM
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Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von PAM » Do 7. Feb 2019, 13:05

Berücksichtige aber bitte auch, wie wenig Energie dem Freischwinger überhaupt zur Verfügung stand. Und es war gefordert, dass das Gerät zumindest eine angehobene Zimmerlautstärke erreichen könnte. Unter diesem Blickwinkel war das Konstrukt doch gar nicht so ineffizient.

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