Frequenzbereich des Volksempfängers

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DXer
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Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von DXer » So 3. Feb 2019, 21:37

Welchen Frequenzbereich konnte man mit dem Volksempfänger empfangen? Nur die Lang- oder auch die Mittelwelle?
Ich meine in einer Dokumentation gehört zu haben, dass der Frequenzbereich besonders schmal gewesen sein soll, um den Empfang von ausländischen "Feindsendern" zu unterbinden.
Weiß jemand mehr?

WiehengeBIERge
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von WiehengeBIERge » So 3. Feb 2019, 21:56

Mittelwelle und Langwelle. Von 150-350 kHz und ca. 400 kHz - ca. 1600 kHz. Also von wegen "besonders schmal...
QTH: 52.28 N | 8.70 O
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DXer
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von DXer » So 3. Feb 2019, 22:11

Konnte man mit den Geräten die BBC und andere ausländische Sender reinbekommen?
Eigentlich müsste dies doch dann möglich gewesen sein, oder?
Wie empfindlich waren die Volksempfänger?
War es möglich, eine Beverage-Antenne anzuschließen? Machte man sich damit bereits verdächtig?

Delfi
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von Delfi » So 3. Feb 2019, 23:09

Also meine Göbbelsschnauze ist schon sehr, sehr taub! Aber mit entsprechender Langdrahtantenne lassen sich damit auch einige Ausländer hören.

ScheichManfred
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von ScheichManfred » Mo 4. Feb 2019, 00:02

Ich habe einen DKE38 im Originalzustand, und da geht nicht viel. Vor Allem die Trennschärfe ist miserabel, als hier im Rhein-Main-Gebiet noch die 873 kHz (AFN) und 1017 kHz (SWR) on air waren, konnte man sie gerade so trennen, und zusammen haben sie das komplette Band blockiert. Da es früher sicherlich fast überall einen starken Ortssender auf MW gab, dürfte dann nur dieser zu empfangen gewesen sein.

wasat
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von wasat » Mo 4. Feb 2019, 01:01

Eine eingeschränkter Frequenzbereich war gar nicht möglich, da die deutschen Sender von 519 kHz (Süddeutsche Gleichwelle) bis 1465 kHz (Dresden) reichten.

Die starken deutschen Sender waren, ausgenommen Heilsberg (Königsberg) alle unter 1000 kHz. Prag/Melnik war noch auf 1113 kHz. Die BBC sendete ihren "European Service" auf 1050 kHz (Start Point, Devon 100 kW) und 1149 kHz (Droitwich 400 kW). Ab Februar 1940 wurde auch 804 kHz benützt und ab Herbst 1941 ging auch wieder die Langwelle 200 kHz über 3 leistungsstarke Sender für den "European Service" in Betrieb. Und ab Oktober 1943 kam der Sender Ottringham dazu mit 4 x 200 kW, die zusammen geschaltet werden konnten, und Richtantenne. Bei dieser Station war ein Betrieb auf Lang- und Mittelwelle mit raschem Frequenzwechsel möglich.

Das einheitliche britische Inlandsprogramm lief während des Kriegs auf den Gleichwellen 668 und 767 kHz, um die Sender für Peilungen unbrauchbar zu machen. Dazu kam noch ein Armeeprogramm auf 877 kHz, gegen Kriegsende auch auf 1013 kHz. Die großen Sender wurden bei deutschen Luftangriffen abgeschaltet. Für wichtige Verlautbarungen gab es dann in den größeren Städten Sender kleiner Leistung auf der Gleichwelle 1474 kHz.

Irgend ein Engländer ging auch mit einem Volksempfänger sicher immer.

DB1BMN
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von DB1BMN » Mo 4. Feb 2019, 09:25

Moin,

ich habe mich nach langer Zeit mal wieder bei Jogis Röhrenbude durchgeklickt.[1]
So wie ich das sehe, hatten die VE301 nicht mal ein Lautstärke-Poti. Die Audio-Lautstärke wurde nur durch die Spulen-Anzapfungen des Eingangskreises verstellt.

Beste Grüße, Marek


[1] http://www.jogis-roehrenbude.de/VE-DKE-Plaene.htm

DXer
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von DXer » Mo 4. Feb 2019, 20:22

Danke für die ausführlichen Darlegungen.

Die fehlende Trennschäfte sowie eine mangelhafte Großsignalfestigkeit werden wohl der Grund gewesen sein, weshalb es mit dem Volksempfänger schwierig war, ausländische Sender zu hören.

Hat jemand mal so ein Ding unlängst in Betrieb genommen?
Was gibt die Goebbels-Schnauze heute so von sich?

sup2a
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von sup2a » Mo 4. Feb 2019, 20:35

Hierzu muss man wissen, dass eine der Vorgaben des Gerätes auch eine möglichst billige Bauweise sein sollte.
Dau gab es damals doch eine Art Wettbewerb.
Somit wurde im Prinzip an allem gespart. Für den Staatsfunk reichte es wohl, aber kaum mehr.
Wer mehr hören wollte, hatte entsprechende Geröte, wie mir aus vorliegender Literatur bekannt ist.
Zu den Hilfssendern : Diese waren m.W. auf 519 KHz beheimatet und hatten nur wenig Leistung.
Sie waren im Einsatz, wenn Bomberangriffee geflogen wurden. Die Inhalte waren angeblich nur Hinweise,
wo die nächsten Bunker zu finden waren ( wer weiss mehr ? )

jkr 2
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von jkr 2 » Mo 4. Feb 2019, 20:57

Meine verstorbene Schwiegermutter entstammte einem Elektrogeschäft, dases auch schon während der unseligen Zeit gab.
Von ihr weiß ich, dass die Göbbelsschnauze nicht per se taub war, sondern es im Laufe der Zeit durch Alterung der Bauteile wurde.
Die Versorgung der Straubinger Gegend war ja damals auch nicht gerade toll: Zum einen Ismaning, dessen Signal am Bayerischen Wald bekanntlich den Dienst quittierte und zum anderen Nürnberg mit 5 kW, dafür auf der weitreichenden 519.

Übrigens wurde er in ihrer Familie vorzugsweise nach Kriegsende eingesetzt: Im inneren war viel Platz und er wurde während "der schlechten Zeit" dazu hergenommen, um Eier aus Regensburg nach Niederbayern im Tausch gegen Butter unbemerkt zu transportieren.

WiehengeBIERge
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von WiehengeBIERge » Di 5. Feb 2019, 06:53

DB1BMN hat geschrieben:
Mo 4. Feb 2019, 09:25
So wie ich das sehe, hatten die VE301 nicht mal ein Lautstärke-Poti. Die Audio-Lautstärke wurde nur durch die Spulen-Anzapfungen des Eingangskreises verstellt.
Eingangskreis ist gut ;) - mehr Kreise gibt rs ja in dem Audion auch nicht.
Nicht über Anzapfungen sondern über die Schwenkspule. Über die Anzapfungen erfolgt die "Anpassung" an die jeweilige Antenne. Loser angekoppelt erreicht man weniger Empfindlichkeit bei besserer Trennschärfe.
So "taub" wie immer beschrieben ist der ve keineswegs. Es ist nur nicht so leicht ihn richtig zu bedienen (Zusammenspiel von Rückkopplung, Schwenkspule und Antennenanschluss).
Mein VE ist, korrekt bedient, fast genau so empfangsstark wie ein Superhet aus fen 50ern.
Das Innenleben und auch die Röhren sind, bis auf alle Kondensatoren, in meinem ve noch original.
Man muss natürlich schon ein paar Meter Draht anschliessen - aber das musste man "damals' bei anderen Radios auch.
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Frankfurt
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von Frankfurt » Di 5. Feb 2019, 08:01

Meiner hat Anschluss für Antenne und Erdung.
Da er keine Ferritantenne hat sollte man halt keine UKW Wurfantenne anschließen. Das ist dann zu wenig Draht ;)

ScheichManfred
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von ScheichManfred » Di 5. Feb 2019, 08:48

DXer hat geschrieben:
Mo 4. Feb 2019, 20:22
Hat jemand mal so ein Ding unlängst in Betrieb genommen?
Was gibt die Goebbels-Schnauze heute so von sich?
Ich kann das gute Stück heute Abend mal anwerfen. Da die MW hier aber weitgehend leergefegt ist (zumindest ohne einen sehr guten Empfänger), erwarte ich nicht viel.

DB1BMN
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von DB1BMN » Di 5. Feb 2019, 11:47

Oh ja, das wäre sehr interessant!
Also die Franzosen, BBC und Polen sollten auf LW auf jeden Fall gehen.
Ich habe mal aus Langeweile im Stau einen Bandscan auf MW gemacht und konnte etliche Sender noch fangen: https://www.youtube.com/watch?v=Wy4pypDO8BY
Wäre mal spannend, zu vergleichen, wie viel davon sich mit dem VE reproduzieren lässt.

Beste Grüße, Marek

ScheichManfred
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Re: Frequenzbereich des Volksempfängers

Beitrag von ScheichManfred » Di 5. Feb 2019, 12:33

Hallo,

Klar gibt es noch genug Sender. Aber keiner davon kommt in Deutschland wirklich stark an. Die Autoradios sind auf MW oftmals sehr gut, wahrscheinlich weil man unter freiem Himmel ist und zudem nur wenige Störquellen in der Nähe existieren. Das ist indoor etwas schwieriger.

Einer der stärksten Sender aus deinem Video (1008 kHz) ist mittlerweile auch außer Betrieb. Es wird Zeit einen kleinen MW Transmitter zu bauen...

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