Reichweite Zugspitze UKW DVBT

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Thomas(Metal)
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Re: Reichweite Zugspitze UKW DVBT

Beitrag von Thomas(Metal) »

[OT]
helmi hat geschrieben: Mo 1. Mär 2021, 20:31 Bei den alten UKW-Feldern auf der Zugspitze scheint es sich m. E. um diesen Typ gehandelt zu haben:
ukw.jpg
Bis wann wurde dieser Antennentyp verbaut? Ich erinnere mich noch daß 1990 auf dem alten Kreuzberg-Mast solche Antennen für UKW verbaut waren. Der Turm stammte allerdings von Anfang der 60er Jahre. Auf dem Gr. Feldberg war die 6-fach Stockung aus solchen Antennen. Dagegen wurden bereits wohl Mitte der 70er auf dem Hohenbogen die heute bekannten gewinkelten Antennen verbaut.
Was waren denn die Vor- und Nachteile?
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helmi
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Re: Reichweite Zugspitze UKW DVBT

Beitrag von helmi »

Thomas(Metal) hat geschrieben: Do 4. Mär 2021, 21:02 [OT]
Bis wann wurde dieser Antennentyp verbaut?
Was waren denn die Vor- und Nachteile?
Und ich hatte gehofft, dass mir jemand etwas dazu sagen kann. Ich vermute, dass es sich um Telefunken Sendertechnik gehandelt hat. Beim Ausmisten daheim habe ich u. a. einen Telefunken Prospekt mit einem UKW-Einerfeld gefunden, das von der Bauform ähnlich ausgesehen hat. Telefunken Sendertechnik wurde glaub ich nur bis Mitte der 90er hergestellt. Zu dieser Zeit war Kathrein sicher schon ein Jahrzehnt marktführend.
helmi
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Re: Reichweite Zugspitze UKW DVBT

Beitrag von helmi »

wasat hat geschrieben: Do 4. Mär 2021, 16:29 Ich finde leider die Publikation nicht mehr, in der stand, dass am Patscherkofel die Kanäle 60 und 62 über Hornstrahler, wie sie auch für Richtfunk Verwendung finden, abgestrahlt wurden. Man konnte daher am Patscherkofel dafür keine eigenen Sendeantennen erkennen.
Das würde erklären, weshalb z. B. in der EBU-Liste 1994 mehrere Strahlrichtungen des K60/K62 exakt auf ein Grad angegeben wurden. Mit 267° könnte z. B. der TVU Stubai oder Sellrain angepeilt worden sein.
hit24_for_ever
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Re: Reichweite Zugspitze UKW DVBT

Beitrag von hit24_for_ever »

wasat hat geschrieben: Do 4. Mär 2021, 16:29 Ich finde leider die Publikation nicht mehr, in der stand, dass am Patscherkofel die Kanäle 60 und 62 über Hornstrahler, wie sie auch für Richtfunk Verwendung finden, abgestrahlt wurden. Man konnte daher am Patscherkofel dafür keine eigenen Sendeantennen erkennen.
Ok Danke für die Info.
Interessant finde ich dann die Anmerkung „Sonderausstrahlung Innsbruck Süd“...offensichtlich war diese Ausstrahlung mehr Muttersender.

Da hab ich mich wieder an eine Geschichte von jemandem aus Baumkirchen erinnert. Er meinte, dass bei seinem Haus eine große UHF plus Verstärker notwendig war, um ein sauberes ORF Bild zu bekommen...das trotz Sichtkontakt. Daraus schließe ich, dass einerseits (möglicherweise) über die Power-Kanäle kein sauberes Bild zu bekommen war und daher 60/62 genutzt wurde und zweitens, dass diese eher stark gerichtet abgestrahlt wurden, was durch deine Info bestätigt wurde.
helmi
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Re: Reichweite Zugspitze UKW DVBT

Beitrag von helmi »

wasat hat geschrieben: Do 4. Mär 2021, 16:29 Ich finde leider die Publikation nicht mehr, in der stand, dass am Patscherkofel die Kanäle 60 und 62 über Hornstrahler, wie sie auch für Richtfunk Verwendung finden, abgestrahlt wurden. Man konnte daher am Patscherkofel dafür keine eigenen Sendeantennen erkennen.
Habe in der Sache ein bisschen weiterrecherchiert. Am Sender Imst-Burgstall wurden ebenfalls zum Zwecke der Zuführung die Kanäle 63 und 65 eingesetzt. Ein altes Foto aus den 80ern hat mir verraten, dass exakt in die von der EBU-Liste ausgegebenen Strahlungsrichtungen und übereinstimmend mit den Angaben zur Antennenhöhe 2 große Parabolantennen eingesetzt wurden.
hit24_for_ever
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Re: Reichweite Zugspitze UKW DVBT

Beitrag von hit24_for_ever »

Eine Frage am Rande: Wann wurde der E4 am Patscherkofel abgeschaltet?

Müsste ja schon eine Weile zurückliegen, weil man kaum noch Band I Antennen im Inntal sieht.
wasat
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Re: Reichweite Zugspitze UKW DVBT

Beitrag von wasat »

Ich habe die vermisste Publikation in den alten Downloads wieder gefunden. Sie war einmal online abrufbar.

"Antennen. Fachdidaktisches Seminar, Sommersemester 1996. Vortrag von Arntraud Bacher, Cornelia Lederle und Klaus Rheinberger vom Institut der Theoretischen Physik, Innsbruck."

Auf Seite 29 heißt es:

Bild 8: Das sind schließlich die Sender für Kanal 60 und 62, die das Innsbrucker Stadtgebiet versorgen (in Richtung Nord-West).
Speziell der Kanal 62 mußte errichtet werden, um in diesem Gebiet einen ausreichenden Empfang zu gewährleisten. Der Kanal 4 bzw. 23 ist dazu nicht geeignet, da die starke Leistung, die ins Unterinntal geschickt wird, teilweise von Bergen wie dem Glungezer zuruckreflektiert wird und zu große Störungen verursacht.

Bild 9: Wieder die Sender für Kanal 60 und 62 (diesmal Richtung Nord-Ost).
Hier ist jeweils der ganze Sender in eine massive Konstruktion verpackt, um Witterungseinfluße (Nässe,...) zu minimieren. Diese Konstruktion ist aber nicht luftdicht, um Kondenswasser austreten zu lassen.


Die Bilder zeigen, dass dafür in Richtung NW (Zugspitze) eine der Muschelantennen am Hauptmast verwendet wurde. In Richtung NO (Richtung Richtfunkstation Kanzelkehre bei Jenbach) wurde eine der Muschelantennen am Antennengerüst an der Nordostecke des Sendergebäudes benützt.

Noch was Historisches zu den beiden K60/62-Sendern am Patscherkofel:
In einem ORF-Senderverzeichnis von 1971 heißt es: Patscherkofel 3 FS1 Kanal 62 2 kW V. Kanal 60 gab es noch nicht.
1980: Innsbruck 1-Patscherkofel Zubringer FS1 Kanal 62 2,4 kW V, FS2 Kanal 60 0,8 kW H
1889: Innsbruck 1-Patscherkofel FS1 Kanal 62 3 kW V 1,5 kW H, FS2 Kanal 60 1,2 kW H 0,35 kW V
hit24_for_ever
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Re: Reichweite Zugspitze UKW DVBT

Beitrag von hit24_for_ever »

Also demnach war der E4 1996 noch on air?
wasat
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Re: Reichweite Zugspitze UKW DVBT

Beitrag von wasat »

Hier im Forum fand ich einen Eintrag von Ende 2002, nachdem der Patscherkofel E4 bereits abgeschaltet sei. Müsste also Ende 2002 passiert sein.
strade
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Re: Reichweite Zugspitze UKW DVBT

Beitrag von strade »

Auch wenn die analoge-TV-Versorgung in bergigen Bereichen ein Problem war, so lese ich aus den Berichten, dass der Bereich KNL 2 bis 4 ein besonderes Problem war. Worin lag der Grund ?
hit24_for_ever
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Re: Reichweite Zugspitze UKW DVBT

Beitrag von hit24_for_ever »

Dadurch dass die Kanäle 2 bis 4 so niederfrequent waren, gab es mehr Probleme mit Überreichweiten. Auch von Zündfunkenstörungen wird öfters berichtet.

Bei uns in Nordtirol wurde der Kanal 2 vom Grünten ARD viel genutzt. Da waren alles dabei von Jalousie bis hin zu komplett anderem Programm (im Sommer manchmal TVE1 aus Spanien).
Andererseits hatten die Band I Sender eine hohe Reichweite.
Beim E4 Patscherkofel war die Reichweite aber mehr von den Bergen begrenzt...

Wegen dieser ungünstigen Bedingungen hat man für ORF1 einen UHF Ersatzkanal gefunden und den E4 abgeschaltet.
wasat
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Re: Reichweite Zugspitze UKW DVBT

Beitrag von wasat »

In Österreich gab es insgsamt 10 Senderstandorte im Gebirge, die auf den Kanälen 3 und 4 arbeiteten. Die Leistung war aber mit Ausnahme des Patscherkofels gering (2,8 Watt bis 1 kW). In Österreich war eine umfangreiche Nutzung der Kanäle 2-4 nicht möglich, weil diese nicht in den osteuropischen Kanalraster passten. Daher sendete der Jauerling auch auf dem Sonderkanal E2A, der dem osteuropäischen Kanal R1 entsprach. R2, auf dem Cesky Budejovice/Klet und Bratislava weit nach Österreich hineinstrahlten, lag zwischen E3 und E4 und machte daher eine Belegung im größten Teil Österreichs mit starken Sendern unmöglich.

Problematisch waren beim Patscherkofel im Nahbereich die Reflexionen, die wegen der besseren Wellenausbreitung im Band I über den Horizont hinaus zu umfangreicheren Beeinträchtigungen führten als es auf UHF gewesen ist.

Übrigens sollte nach der ursprünglichen Planung der Wendelstein statt dem Grünten auf Kanal 2 senden.
cain
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Re: Reichweite Zugspitze UKW DVBT

Beitrag von cain »

Mc Jack hat geschrieben: Mo 1. Feb 2021, 14:31
helmi hat geschrieben: Mo 1. Feb 2021, 11:41
Mc Jack hat geschrieben: So 31. Jan 2021, 21:20 Irgendwann war hier mal zu lesen, dass der BR im Voralpenraum einen Umsetzer auf K49 in Betrieb hatte.
Schliersee? Dieser TVU kam dem ORF im Sendegebiet Zugspitze noch nie in die Quere.
Mc Jack hat geschrieben: So 31. Jan 2021, 21:20 ORF2 K55 dagegen ging vertikal fast gar nicht.
Eventuell spielt auch der Zeitpunkt eine Rolle, wann das getestet wurde. Von 1998 bis zur DVB-T Umstellung vergingen ja noch viele Jahre.
Jedenfalls konnte ich bei mir damals keinen großen Unterschied zwischen K49 und K55 (vertikal) feststellen. (Getestet mit Kathrein AOT 65 und Wisi EB 66). Die Fakten sprechen ebenfalls dafür. Die Diagramme für K49/55 (vertikal) waren vollkommen identisch. Geht man von den maximal erlaubten 1 kW ERP vertikal Richtung 80° aus, so hätte eine vertikale Nebenkeule mit 0,1 kW Richtung München bzw. 40° gestrahlt. Anzumerken ist noch, dass der ORF die Vertikalabstrahlung in seinen Listen nie erwähnt hat. Desweiteren habe ich noch entdeckt, dass der ORF nach dem Jahr 2000 den K49 (horizontal) weiterhin mit 2 kW gelistet hat und den K55 (horizontal) plötzlich mit 2,5 kW. In welche Richtung diese Leistung ging, geht daraus natürlich nicht hervor. Möglicherweise kann jemand anderes weitere Fakten liefern.
Ja, das ist im Nachhinein alles ziemlich seltsam. An Schliersee mit seinen 120W als Störer glaube ich auch nicht wirklich. Das wäre schon sehr eigenartig..
Ich hatte auf K49 leichte, waagerechte Streifen (Moiré). Ein anderer User berichtete vor Jahren, dass er im Westend dasselbe Problem hatte. Bei mir kann es auch eine lokale Störung gewesen sein. Ist alles über 20 Jahre her und wird sich wohl heute auch nicht mehr klären lassen..

Zum V/H-Thema:
Die alte, horizontale Dachantenne lieferte ORF2 in guter Qualität, von der Anlage auf K4 umgesetzt. ORF1 auf K2 war dagegen nicht anzusehen. Es kann genauso gut auch sein, dass der Kanalzug einfach nur hinüber war. Ich hatte als Mieter keinen Zugriff auf die Technik.
Und meine Fensterbrett-Bastelei war eh das Wunder schlechthin. Hatte ich die Antenne um +/- 10cm verschoben, war das ORF1-Bild weg. ORF2 ging damit nur, wenn ich die Antenne horizontal ausgerichtet hatte. Das alles war 1999/2000.
Ziemlich seltsam, das Ganze. :-)
Evtl kamen die Störungen ja vom BR Sender Rhön mit 350 kW bei leichtenTropo.
helmi
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Re: Reichweite Zugspitze UKW DVBT

Beitrag von helmi »

hit24_for_ever hat geschrieben: Fr 5. Mär 2021, 17:22 Also demnach war der E4 1996 noch on air?
Laut ITU wurde der K29 im Oktober 2000 aufgeschaltet, die Abschaltung des K4 fand im Mai 2002 statt.
DH0GHU
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Re: Reichweite Zugspitze UKW DVBT

Beitrag von DH0GHU »

OT: Gab es in Deutschland eigentlich auch Füllsender im Band I? Mir sind nur die wenigen GNS bekannt, wobei Grünten und Saarland die "Hauptprobleme" waren, weil sie lange eine Amateurfunknutzung verhindert hatten.
Die Reichweite im Band I war natürlich enorm, so konnte ich in der Rheinebene mit Zimmerdipol E4 vom Raichberg empfangen - stark vergrieselt, aber immerhin.
Eigentlich war das Band aber "fehl am Platz", nachdem es die nötige Infrastruktur für eine flächendeckende UHF-Versorgung gab. Bei Broadcast-Anwendungen sollte der Aufwand immer auf der Senderseite sein, nicht auf der Empfängerseite, und das wurde natürlich mit den riesigen Band-I-Antennen gehörig konterkariert.
QTH: Obersöchering/JN57OR, zeitweise Kehl/JN38VN
Funkamateur, DLF-Hörer, Multipler Musikgeschmack, DAB-Nutzer. Normal ist normalerweise langweilig.
http://zitate.net/kritik-zitate
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