Westfernsehen in der DDR

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Radio Fan
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von Radio Fan » So 11. Aug 2019, 09:58

Wer bei der NVA diente hatte dann zwei ganze Jahre komplett ohne Rundfunk oder Fernsehen aus dem Westen zu leben?
Nein warum denn ?
Man hatte auch mal Urlaub. Und zu Hause galten andere Bedingungen. :dx:
Der Grundwehrdienst dauerte nur 18 Monate.

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102.1
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von 102.1 » So 11. Aug 2019, 10:19

Radio Fan hat geschrieben:
So 11. Aug 2019, 09:58
Wer bei der NVA diente hatte dann zwei ganze Jahre komplett ohne Rundfunk oder Fernsehen aus dem Westen zu leben?
Nein warum denn ?
Man hatte auch mal Urlaub. Und zu Hause galten andere Bedingungen. :dx:
Der Grundwehrdienst dauerte nur 18 Monate.
Ich wusste nicht dass es bei der NVA auch Urlaub gab.

Sprachen Vorgesetzte sich explizit gegen Rundfunk oder Fernsehen aus dem Westen aus? War Empfang aus dem Westen auf dem gesamten NVA Kasernengelände verboten? Gab es abends irgendwelche Zwangs-Indoktrinierungen?

mittendrin
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von mittendrin » So 11. Aug 2019, 10:24

pete04 hat geschrieben:
Sa 10. Aug 2019, 20:51
... habe auch Zgorzelec besucht.
Dort fielen mir bei mehreren alten, unrenovierten Plattenbauten noch riesige Antennen, teilweise sogar Zwillinge auf dem Dach auf.
Leider habe ich keine Fotos gemacht und auch nicht auf die Ausrichtung geachtet.
Da Zgorzelec komplett mit Streetview erfasst worden ist, kann man sich auf Spaziergang durch die Stadt begeben und auch nach Antennen Ausschau halten. Ich habe nichts gesehen, was auf Berlin-Empfangsversuche schließen ließe, aber doch einige gestockte UHF-Antennen, die vielleicht sogar noch genutzt werden.
https://www.google.com/maps/place/59-90 ... 15.0065645
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mittendrin
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von mittendrin » So 11. Aug 2019, 10:39

102.1 hat geschrieben:
So 11. Aug 2019, 10:19
Ich wusste nicht dass es bei der NVA auch Urlaub gab.
Sprachen Vorgesetzte sich explizit gegen Rundfunk oder Fernsehen aus dem Westen aus? War Empfang aus dem Westen auf dem gesamten NVA Kasernengelände verboten? Gab es abends irgendwelche Zwangs-Indoktrinierungen?
Bei 18 Monaten Grundwehrdienst insgesamt 18 Tage, pro Halbjahr 1x VKU (Verlängerter Kurzurlaub: Sa.-Mittag bis Mo. 24.00 Uhr), 1x 1 Woche Jahresurlaub von Sa.-Mittag bis zum Sonntag der nächsten Woche 24.00 Uhr - nach meiner 50 Jahre zurückliegenden Erinnerung). Soldaten, die näher am Standort wohnten, konnten auf Antrag auch KU (Kurzurlaub von Sa.-Mittag bis So.-Abend 24.00 Uhr) bekommen.
Zu den Fragen:
3x Ja!
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DLR-Fan Sachsen-Anhalt
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von DLR-Fan Sachsen-Anhalt » So 11. Aug 2019, 10:42

Der Zimmerkollege erzählte doch von zu Hause, ich habe meinen Grundwehrdienst doch nicht in Görlitz geleistet. Man musste doch nicht seine Antennen zu Hause abreisssen, nur weil man mal zur Armee musste. Als ich Urlaub hatte, hatte ich auch zu Hause Westfernsehen und Westradio konsumiert, wer sollte mir das denn verbieten und kontrollieren?

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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von 102.1 » So 11. Aug 2019, 10:46

Welche Strafe drohte, wenn man auf den NVA Kasernengelände AFN Berlin gehört hatte?

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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von DLR-Fan Sachsen-Anhalt » So 11. Aug 2019, 10:53

Keine Ahnung ob es bei AFN mehr Strafe gab, für Bayern 3 und Rias 2 gabs bei uns 2 Tage Bau in der Kaserne, während des Grundausbildung. Offiziell musst das nachgedient werden, konnte bei Belobigungen aber erlassen werden.

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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von 102.1 » So 11. Aug 2019, 10:57

War während Urlaub bei der NVA auch Urlaub in anderen sozialistischen Bruderländern erlaubt solange man wieder pünktlich zum Dienst erschien? Auch vielleicht eine Reise nach Moskau?

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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von DLR-Fan Sachsen-Anhalt » So 11. Aug 2019, 11:06

Für Grundwerdienstler wahrscheinlich nicht, da man mit dem Wehrdienstausweis in der Regel nicht privat ins Ausland reisen konnte, und der Personalausweis sich ja beim heimatlichen Volkspolizei Kreisamt befand. Wie hätte man dann z.B. ein Visum für die Sowjetunion oder Ungarn beantragen sollen, mit dem WDA bestimmt nicht. Das einzigste visafreie Land war die CSSR, da hätten die mich bestimmt in Bad-Schandau im Zug mit dem WDA wieder raus geholt ;-). DDR-Bürger hatten in der Regel keinen Reisepass zu Hause, so wie heute die Bundesbürger.

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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von 102.1 » So 11. Aug 2019, 11:10

DLR-Fan Sachsen-Anhalt hat geschrieben:
So 11. Aug 2019, 10:53
Keine Ahnung ob es bei AFN mehr Strafe gab, für Bayern 3 und Rias 2 gabs bei uns 2 Tage Bau in der Kaserne, während des Grundausbildung. Offiziell musst das nachgedient werden, konnte bei Belobigungen aber erlassen werden.
Wie wurde der Westempfang nachgewiesen? Verpetzen durch Kameraden? oder konnte galt konnte jeder Vorgesetzte auch Willkür walten lassen?

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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von RADIO354 » So 11. Aug 2019, 11:13

102.1 hat geschrieben:
So 11. Aug 2019, 10:46
Welche Strafe drohte, wenn man auf den NVA Kasernengelände AFN Berlin gehört hatte?

Einem Kameraden ist es Seinerzeit gelungen sich beim DLF Hören " erwischen " zu lassen.
Zur Strafe wurde das Radio Wochenlang eingezogen. Am Radio ( Für Jede Stube war nur eines Zugelassen ) musste eine vom Kompaniechef unterzeichnete
Genehmigung vorhanden sein. Ausserdem mussten die DDR Frequenzen ( UKW Scala ) markiert sein und der Kanalanzeiger des Radios hatte sich Dort zu befinden.
Auf dem Kasernengelände gab es ein Kleineres Gebäude mit mehreren Antennen. Dabei handelte es sich um Handelsübliche Rundfunkantennen ( B II / B III / B IV- V ).
In dem mit E(mpfangspunkt) 40 bezeichnetem Gebäude hörte ein Offizier die Westfrequenzen aus Berlin ab.
Wobei dazu der Aufwand in Eggesin, Landkreis Ückermünde, Bezirk Neubrandenburg schon etwas grösser war.

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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von DLR-Fan Sachsen-Anhalt » So 11. Aug 2019, 11:22

102.1 hat geschrieben:
So 11. Aug 2019, 11:10

Wie wurde der Westempfang nachgewiesen? Verpetzen durch Kameraden? oder konnte galt konnte jeder Vorgesetzte auch Willkür walten lassen?
Tür in Stube ging auf, es wurde nicht angeklopft :-), Vorgesetzter kam rein, es lief das Radio. Es kamen gerade mit Bayern 3 Melodie Verkehrsmeldungen, bei Rias2, ähnlich, Tür ging auf... es tönte gerade zufällig: Rattatat, Ratattat, Riiiiaaaas Zweiiiii. Inflagranti wurde erwischt, nicht nachträglich, wüsste auch keinen, der andere verpetzt hätte.

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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von 102.1 » So 11. Aug 2019, 11:34

DT64 war in der NVA erlaubt zu hören? Oder war selbst da die Musik schon zu westlich?

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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von mittendrin » So 11. Aug 2019, 11:39

Selbstverständlich! das war ein DDR-Programm, das zunächst seit 1964 auf den Frequenzen des Berliner Rundfunks ausgestrahlt wurde.
Ein anderes Programm aus der DDR war der "Soldatensender"-der war nicht erlaubt! Der sollte die Wehrkraft der Bundeswehr zersetzen! Wurde auch nie irgendwo öffentlich gemacht, dass er in Burg b. Magdeburg stand. Frequenz war die seinerzeitige AFN-Berlin Frequenz 935 kHz.
Wenn er (natürlich) in der Mittagspause auf der Stube gehört wurde und dann nicht die Frequenz verstellt wurde, erschien beim testweisen Wiedereinschalten des Radios durch einen Vorgesetzten AFN Berlin. Habe ich selbst erlebt (Die Markierung der Skale war zu meiner Grundwehrdienstzeit noch nicht üblich). Das Radio wurde eingezogen, der Besitzer bestraft-wie weiß ich nicht mehr, jedenfalls hatte er einigen Ärger.
Er konnte sich das alles gar nicht erklären, weil er nichts von AFN Berlin wusste - er kam aus Südthüringen und ging nach dem Funkerlehrgang dort auch wieder hin zu seiner Einheit nach Steinheid am Rennsteig.
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von 102.1 » So 11. Aug 2019, 11:56

Gab es auch bei der NVA Vorgesetzte die den Westempfang absichtlich "übersehen" haben?

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