Westfernsehen in der DDR

Das Radioforum. Hier dreht sich alles um die technischen Seiten des Radio- und TV-Empfangs.
calimero
Beiträge: 9
Registriert: Di 7. Mai 2019, 14:38

Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von calimero » Fr 10. Mai 2019, 14:09

Ich weiss noch dass meine Eltern immer sagten, mache das Radio (SFB2) nicht so laut, man weiss nie wer da mithört im Neubau. Später hab ich dann regelmäßig meine Nachbarn mit BFBS erfreut, weil Lautsprecher bei den Heizungrohren angebracht waren...
Beliebte TV Themen in der Schule waren:
Gruselkabinett (N3), Formel Eins(N3), Dallas und ich glaub Bananas.... Bei vielen konnte ich nicht mitreden weil die zu spät kamen...
West Fernseh Verbot gabs bei uns nicht, bei meinen Eltern undenkbar

2-0-8
Beiträge: 23
Registriert: Fr 31. Aug 2018, 19:21
Wohnort: CH-Frutigen

Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von 2-0-8 » Sa 11. Mai 2019, 11:19

102.1 hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 11:44
War der Einfluss von Westfernsehen und Westradio in der DDR allgegenwaertig, insbs. unter gleichaltrigen Schülern?
Einfluss?
Wir haben von den was hereinkam eben gehört, was uns gefiel und uns darüber auch unterhalten. Egal, ob das nun auf Ost- oder Westmedien kam.
Naja, Ostmedien waren uncool, aber gehört und gesehen wurden sie trotzdem.
102.1 hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 11:44
Ab welchem Alter begann man so im Durchschnitt als Schüler bzw. junger Mensch die DDR, das damalige System und den Kommunismus in Frage zu stellen?
Das passiert automatisch, wenn die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit immer größer wird. Wenn man damals für benötigte Dinge immer mehr Organisationsaufwand betreiben musste, war es schwer, an die überlegenheit des sozialistischen Systems zu glauben. Und es wurde ja nicht besser, sonder über die Jahre immer schlechter.

Wenn du meinst, die Westmedien hätte da etwas forciert, dann ist eher das Gegenteil der Fall gewesen. Die größeren Anti-DDR Auswüchse habe ich dort erlebt, wo keine Westmedien hinkamen. Bei uns in der Gegend wurde zwar meist nur ARD gesehen und NDR (UKW) bzw. DLF (AM) gehört, das reichte aber um zu wissen, daß auch im Westen nicht alles Gold ist, was glänzt. Meine Meinung war damals (und ist heute wieder), daß Rundfunk politisch beeinflußt ist und man von allen Seiten angelogen wird, man also nicht alles glauben darf.
* XHDATA D-808 * SONY XDR-P1DBP *

Kunos-Radiothek
Beiträge: 42
Registriert: Fr 31. Aug 2018, 21:37

Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von Kunos-Radiothek » Sa 11. Mai 2019, 21:31

Ab Mitte der 70iger war West-TV und West-Radio für uns stink normal. Ich hatte ja schon geschrieben das über die Gemeinschafstantenne der kommunalen Wohnungsverwaltung ganz offiziell ARD/ZDF/N3 verbreitet wurde. Es wurde extra eine dafür geeignete Antenne aufgestellt. Nicht privat sondern ganz offiziell von den Handwerkern der KWV. Wenn hier nicht gerade Ferienwellenzeit war lief ganz normal NDR 2 im heimischen Radio. Samstag wenn keine Schule war wurde vormittags die nordeutsche Top 15 von Welle Nord gehört und ab Sendestart dann RSH. Ein Verwandter arbeitet in einen KFZ-Bude. In den meisten Autoradios der Kunden war NDR 2 eingestellt, selbst beim Parteisekretär oder sonstigen Funktionären. Das hat hier keinen gestört. Ich kenne niemanden der wegen West-TV oder Radio irgendwelche Probleme bekommen hat. Unter uns Schülern wurde ganz offen über Sendungen gesprochen und selbst unser Staatsbürgerkundelehrer (großer Fußballfan) hat nach einem wichtigen Fußballspiel am nächsten Tag erstmal ganz genau das Spiel vom Vortag mit uns im Unterricht besprochen und das nicht aus politischer Sicht.

TV-Werbung war damals schon nervig und ist es noch heute, das hat sich für mich nicht geändert. Nachrichtentechnisch war die Mischung aus AK, Heute und Tagesschau wohl die beste Infoquelle. Alles in einen Topf und die goldene Mitte kam der Wahrheit wohl immer am nächsten.

catperson
Beiträge: 17
Registriert: Fr 31. Aug 2018, 16:50

Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von catperson » So 12. Mai 2019, 00:40

calimero hat geschrieben:
Mi 8. Mai 2019, 17:45
eine Frage: wurde der afn über Satellit, auf 60° Ost verschlüsselt oder nicht? wann war das?
Ist in diesem Thread zwar vollkommen OT, aber die Antwort ist interessanter als calimero wohl erwartet:

Der 60°-Ost AFN war in der Tat über längere Zeit "unverschlüsselt". Mein Gedächtnis verläßt mich in Detailfragen mittlerweile, aber gefühlt war das mehrere Monate quasi ununterbrochen der Fall. Aber: Natürlich hat dieser Sender immer in B-MAC gesendet und mangels offiziell erhältlicher Dekoder hat die unverschlüsselte Sendung so niemandem geholfen. Der einzige Unterschied zu verschlüsseltem B-MAC war, daß man auf einem normalen Fernseher das typische MAC-Bild mit etwas Glück zum stehen bekam. Ton gab's natürlich auch nicht. Bei verschlüsseltem B-MAC ging dagegen gar nichts. Diese Tatsache ist wahrscheinlich der Grund dafür, daß man die Frage mit der harten Verschlüsselung beim AFN etwas lockerer gesehen hat. Gerüchteweise hatten die offiziellen Dekoder Schwierigkeiten mit der Verschlüsselung. Bei AFN TV Berlin meine ich so etwas gesehen zu haben; das ging dann ja gleich per Bildschirmmenü mit auf den Sender. :)

In Australien benutzte der DBS-Dienst damals auch B-MAC-Empfänger, die dort natürlich mehr oder weniger frei verkäuflich waren. Aber zu der Zeit hieß es, diese Empfänger könnten das unverschlüsselte AFN-Signal auch nicht empfangen, da alle Dekoder nur mit "ihrem" Network funktionieren sollten. Ausprobieren konnte ich das nie. Zum ersten waren die Dinger auch in Australien sündhaft teuer (und Catperson bettelarm :heul:) und im Vorinternetzeitalter wären die auch äußerst schwierig zu beschaffen gewesen.

Catperson

catperson
Beiträge: 17
Registriert: Fr 31. Aug 2018, 16:50

Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von catperson » So 12. Mai 2019, 01:16

Kunos-Radiothek hat geschrieben:
Mi 8. Mai 2019, 01:53
Das auch TV aus der SU über Sender in der DDR verbreitet wurde hat keiner wirklich gewusst
Ich bin zwar kein gelernter DDR-Bürger, aber da würde ich Zweifel anmelden wollen. Aber das hier
2-0-8 hat geschrieben:
Mi 8. Mai 2019, 21:23
Wir hatten nur Interesse an Westfernsehen in deutscher Sprache. Selbst wenn im Umfeld von Kasernen ein sowjetisches Fernsehen empfangbar gewesen sein sollte, hat das niemanden interessiert.
entspricht voll und ganz meiner Erfahrung:

1985 war Catperson auf Familienbesuch in Rostock und natürlich mußte Catperson an dem guten Wohnzimmerfernseher herumfummeln und hatte in Nullkommanix den "russischen" Sender in bester Ortsenderqualität auf dem Bildschirm. Unsere Gastgeberin (absolut TV-DX- und Sowjetunionfan-unverdächtig) war darüber überhaupt nicht überrascht und ich sollte den Kanal auf dem hinteren Programmplatz eingestellt lassen. Interessiert hat es sie aber nicht. Ihrer Meinung nach kam das SIgnal vom Polizeigebäude, aber zu der Zeit war das nicht wirklich etwas, was wir näher erforschen wollten. ;) Unsere ansonsten eher unerschrockene Gastgeberin - schließlich hatte sie Westbesuch - war in diesen Sachen auf einmal sehr zurückhaltend.

Interessant fand ich auch die Signale an der Hausantenne: Die Westprogramme hatten leichtes Rauschen, waren aber ansonsten absolut einwandfrei. Die Ostprogramme waren natürlich absolut rauschfrei, dafür mit unterschiedlich starken Reflexionen. Das sowjetische Programm habe ich als rausch- und reflexionsfrei in Erinnerung, trotzdem war die Qualität etwas "komisch".

Auch von anderen Ostkontakten kenne ich nur Interesse an Westdeutschem Radio und Fernsehen und nicht an den Westallierten. OK, das französische Programm war todlangweilig und bei AFN und BFBS-TV kommt die Normenfrage hinzu, aber die angelsächsischen Radiosender hätte man zum Beispiel in der Gegend um Berlin problemlos hören können.

Catperson

catperson
Beiträge: 17
Registriert: Fr 31. Aug 2018, 16:50

Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von catperson » So 12. Mai 2019, 01:24

calimero hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 14:09
Ich weiss noch dass meine Eltern immer sagten, mache das Radio (SFB2) nicht so laut, man weiss nie wer da mithört im Neubau. Später hab ich dann regelmäßig meine Nachbarn mit BFBS erfreut, weil Lautsprecher bei den Heizungrohren angebracht waren...
Das kenne ich als junger BRD-Bürger (1980er Jahre) aber auch: Während des sonntäglichen Familienausflugs hatte ich alle Familienmitglieder mit BFBS Radio beschallt, aber beim Aussteigen nach der Rückkehr sollte ich "den Tommy" doch leiser machen: Die Nachbarn bräuchen nicht zu hören, daß wir den anhatten. Dabei gab es natürlich keinen politischen Grund dafür. Die Instinkthandlung steckte in meinem Vater (der die NS-Zeit noch erlebt hatte) einfach noch drin.

Catperson

Kunos-Radiothek
Beiträge: 42
Registriert: Fr 31. Aug 2018, 21:37

Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von Kunos-Radiothek » So 12. Mai 2019, 10:39

catperson hat geschrieben:
So 12. Mai 2019, 01:16

1985 war Catperson auf Familienbesuch in Rostock und natürlich mußte Catperson an dem guten Wohnzimmerfernseher herumfummeln und hatte in Nullkommanix den "russischen" Sender in bester Ortsenderqualität auf dem Bildschirm. Unsere Gastgeberin (absolut TV-DX- und Sowjetunionfan-unverdächtig) war darüber überhaupt nicht überrascht und ich sollte den Kanal auf dem hinteren Programmplatz eingestellt lassen. Interessiert hat es sie aber nicht. Ihrer Meinung nach kam das SIgnal vom Polizeigebäude, ............
Wenn die Wohnung/Empfangsort in der Rostocker Innenstadt war könnte die ungefähre Ortsangabe stimmen. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe gab es in Rostock nicht direkt eine russische Kaserne, aber wegen des Hafens sowas wie eine Vertretung (im S-Bahn-Sprechfunk zur Abfertigung der Züge hörte man ab und an schonmal russische Laute die da nicht hingehörten). Und in Reutershagen war ein zentrales Polizeigebäude und dort in der Nähe war auch diese russische Vertretung/Kommandantur. Heute ist da glaube ich die Uni drin.

In meiner Heimatstadt (ca. 45 km von Rostock entfernt) gab es ein Hospital, eine Radarstation und am Stadtrand ein Munitionsdepot. Über die Stadt verteilt wohnte russische Offiziere an mehreren Stellen, aber russische Fernsehen gab es hier nicht. Ihr könnt sicher sein das ich auf der Suche nach dänischem TV des öfteren das Band komplett durchgekurbelt habe. Unter uns Schüler war gut bekannt das die Dänen schonmal nichtjugendfreie Filmchen brachten.

2-0-8
Beiträge: 23
Registriert: Fr 31. Aug 2018, 19:21
Wohnort: CH-Frutigen

Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von 2-0-8 » So 12. Mai 2019, 11:10

catperson hat geschrieben:
So 12. Mai 2019, 01:16
Kunos-Radiothek hat geschrieben:
Mi 8. Mai 2019, 01:53
Das auch TV aus der SU über Sender in der DDR verbreitet wurde hat keiner wirklich gewusst
Ich bin zwar kein gelernter DDR-Bürger, aber da würde ich Zweifel anmelden wollen.
Sagen wir mal so: Es hätte wohl niemanden gewundert, wenn man beim Durchkurbeln sowjetisches Fernsehen empfangen hätte. Nur wäre mir das neu, dass das Wissen über die Ausstrahlung Allgemeingut war.
Höchstwahrscheinlich war die Ausstrahlung für die Kaserne und die Offiztierswohnungen bestimmt und die lagen z.B. in der nahen Kreisstadt direkt nebeneinander. Ich habe in etwa 7km Entfernung nie etwas von der Ausstrahlung mitbekommen, die es lt. Frequenzliste dort gegeben haben soll.
* XHDATA D-808 * SONY XDR-P1DBP *

Radio Fan
Beiträge: 458
Registriert: Fr 31. Aug 2018, 15:48
Wohnort: HRO

Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von Radio Fan » So 12. Mai 2019, 11:37

Kunos-Radiothek hat geschrieben:
So 12. Mai 2019, 10:39
Wenn die Wohnung/Empfangsort in der Rostocker Innenstadt war könnte die ungefähre Ortsangabe stimmen. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe gab es in Rostock nicht direkt eine russische Kaserne, aber wegen des Hafens sowas wie eine Vertretung (im S-Bahn-Sprechfunk zur Abfertigung der Züge hörte man ab und an schonmal russische Laute die da nicht hingehörten). Und in Reutershagen war ein zentrales Polizeigebäude und dort in der Nähe war auch diese russische Vertretung/Kommandantur. Heute ist da glaube ich die Uni drin.
So um mal die Örtlichchkeit (neudeutsch "Location" :verrueckt: ) konkret zu klären :

Definitiv war diese russische Vertretung/Kommandantur in der Ulmenstr. auch eine Kaserne.
Und genau auf auf diesem Gebäude, wo heute die Uni drin ist, befand sich die Sendeantenne untergebracht in einem Gehäuse aus GFK.
Gesendet wurde das Programm auf Kanal E32, was zunächst viele Störungen durch Übersteuerungen an den in der Nähe befindlichen Westantennen verursacht hat.
Das Signal wurde mittels einer gr. Sat-Antenne(8-10m), welche sich auf der Südseite des Dachs befand, von einem Satelliten empfangen.
Zuletzt geändert von Radio Fan am So 12. Mai 2019, 16:52, insgesamt 1-mal geändert.

delicious
Beiträge: 101
Registriert: Fr 31. Aug 2018, 15:54
Wohnort: HRO

Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von delicious » So 12. Mai 2019, 15:18

ja, das würde ich auch eine Kaserne nennen.. von den Sende- und Empfangsantennen gibts sicherlich keine Fotos, gehe ich jedenfalls mal von aus!? :) in dem Bereich fotografieren..

ich selber kann mich daran nur noch grob erinnern, damals war ich noch zu klein dafür und das Interesse noch nicht vorhanden.

wenn ich mich richtig erinnere: in der GGA gabs nur 3x West und 2x Ost-TV, und gerade die Westsender waren natürlich interessant. von russischem TV keine Spur, das wurde nicht eingespeist. und per Antenne, dafür war die Reichweite (bei der geringen Sendeleistung) wohl viel zu gering. das Interesse an diesem Programm dürfte auch nicht so groß gewesen sein.
QTH: D-Rostock (MV) | RX: Astrometa Stick mit Andis DAB Player/DVBViewer, Coolstream Tank Sat/Kabel, SIRD 14 C2, SIRD 14 C3, DUAL DAB4, Albrecht DR 56, LG Stylus2

Radio Fan
Beiträge: 458
Registriert: Fr 31. Aug 2018, 15:48
Wohnort: HRO

Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von Radio Fan » So 12. Mai 2019, 16:50

delicious hat geschrieben: wenn ich mich richtig erinnere: in der GGA gabs nur 3x West und 2x Ost-TV, und gerade die Westsender waren natürlich interessant. von russischem TV keine Spur, das wurde nicht eingespeist. und per Antenne, dafür war die Reichweite (bei der geringen Sendeleistung) wohl viel zu gering. das Interesse an diesem Programm dürfte auch nicht so groß gewesen sein.
Ja das Programm war nur mit eigenen Antennen, die damals ja viele hatten, im Stadtzentrum je nach Lage mehr oder weniger gut zu empfangen.

Kunos-Radiothek
Beiträge: 42
Registriert: Fr 31. Aug 2018, 21:37

Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von Kunos-Radiothek » So 12. Mai 2019, 21:20

Radio Fan hat geschrieben:
So 12. Mai 2019, 11:37
Kunos-Radiothek hat geschrieben:
So 12. Mai 2019, 10:39
Wenn die Wohnung/Empfangsort in der Rostocker Innenstadt war könnte die ungefähre Ortsangabe stimmen. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe gab es in Rostock nicht direkt eine russische Kaserne, aber wegen des Hafens sowas wie eine Vertretung (im S-Bahn-Sprechfunk zur Abfertigung der Züge hörte man ab und an schonmal russische Laute die da nicht hingehörten). Und in Reutershagen war ein zentrales Polizeigebäude und dort in der Nähe war auch diese russische Vertretung/Kommandantur. Heute ist da glaube ich die Uni drin.
So um mal die Örtlichchkeit (neudeutsch "Location" :verrueckt: ) konkret zu klären :

Definitiv war diese russische Vertretung/Kommandantur in der Ulmenstr. auch eine Kaserne.
Genau das Gebäude/Areal war mir im Sinn. Die Liste der sowjetischen Standorte in der DDR verzeichnet für Rostock komischer Weise keinen Eintrag für eine Kaserne, deshalb hatte ich Kommandantur/Vertretung gewählt. Vielleicht gehörten die irgendwo dazu. Das Lazerett in Güstrow steht in der Liste auch nicht drin, da gibt es auch nur den Standtort Primerwald. Schön das wir uns einig sind. :)

Zintus
Beiträge: 52
Registriert: Sa 1. Sep 2018, 23:03
Wohnort: 1. Haren (Ems) 2. Rijswijk/Den Haag (NL)

Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von Zintus » So 12. Mai 2019, 22:45

Kunos-Radiothek hat geschrieben:
Sa 11. Mai 2019, 21:31
Ab Mitte der 70iger war West-TV und West-Radio für uns stink normal. Ich hatte ja schon geschrieben das über die Gemeinschafstantenne der kommunalen Wohnungsverwaltung ganz offiziell ARD/ZDF/N3 verbreitet wurde. Es wurde extra eine dafür geeignete Antenne aufgestellt. Nicht privat sondern ganz offiziell von den Handwerkern der KWV. Wenn hier nicht gerade Ferienwellenzeit war lief ganz normal NDR 2 im heimischen Radio. Samstag wenn keine Schule war wurde vormittags die nordeutsche Top 15 von Welle Nord gehört und ab Sendestart dann RSH. Ein Verwandter arbeitet in einen KFZ-Bude. In den meisten Autoradios der Kunden war NDR 2 eingestellt, selbst beim Parteisekretär oder sonstigen Funktionären. Das hat hier keinen gestört. Ich kenne niemanden der wegen West-TV oder Radio irgendwelche Probleme bekommen hat. Unter uns Schülern wurde ganz offen über Sendungen gesprochen und selbst unser Staatsbürgerkundelehrer (großer Fußballfan) hat nach einem wichtigen Fußballspiel am nächsten Tag erstmal ganz genau das Spiel vom Vortag mit uns im Unterricht besprochen und das nicht aus politischer Sicht.
...
Diese Erfahrungen passen sehr gut zu den Erzählungen über die Nazizeit, die ich hier im Nordwesten von meinen Großeltern und anderen Angehörigen der gleichen Generation kenne. Zusammenfassend glaube ich, dass die etwas "phlegmatische" norddeutsche Mentalität dazu beitrug, dass in den typisch norddeutschen Gebieten zwar nicht aktiv Widerstand geleistet wurde, aber alles etwas gelassener gesehen und gehandhabt wurde. Sei es in damals in der DDR oder davor im Dritten Reich. Hier im Nordwesten Deutschlands merkt man das bis heute daran, dass bestimmte gesetztliche Regelungen nur sehr zögerlich durch die Bevölkerung angenommen bzw. implementiert und befolgt werden.
QTH 1: Haren/Ems (D) QTH2: Rijswijk/Den Haag (NL)
RX: Technics ST-8077K+ 5 ele auf Rotor & 3 ele fix 70° 5 ele fix 10° schaltbar @QTH 1
Sat: 19,2°E, 28,2°E @QTH 1&2, AM: ICF 2001D, ICF 7600 SW, Tecsun PL-660
DAB: Panasonic RF-D10, Sony XDR-S41D

catperson
Beiträge: 17
Registriert: Fr 31. Aug 2018, 16:50

Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von catperson » Mo 13. Mai 2019, 00:44

2-0-8 hat geschrieben:
So 12. Mai 2019, 11:10
catperson hat geschrieben:
So 12. Mai 2019, 01:16
Kunos-Radiothek hat geschrieben:
Mi 8. Mai 2019, 01:53
Das auch TV aus der SU über Sender in der DDR verbreitet wurde hat keiner wirklich gewusst
Ich bin zwar kein gelernter DDR-Bürger, aber da würde ich Zweifel anmelden wollen.
Sagen wir mal so: Es hätte wohl niemanden gewundert, wenn man beim Durchkurbeln sowjetisches Fernsehen empfangen hätte. Nur wäre mir das neu, dass das Wissen über die Ausstrahlung Allgemeingut war.
"Allgemeingut" habe ich nicht gesagt. Ich habe nur "keiner (...) gewußt" angezweifelt. Irgendwie gehört, daß es soetwas geben sollte, hatten die meisten mit denen ich gesprochen habe. Nur interessiert hat es sie überhaupt nicht.

Allgemeingut war das Wissen über die Fernsehaktivitäten der Alliierten im Westen auch nicht. Und schon gar nicht in Gegenden, wo es keine entsprechende Präsenz gab. Selbst da, wo der Empfang möglich war, gab es nur begrenztes Interesse und auch das nur in der Zeit vor dem Start der deutschen Kommerzsender und Kabel- und Satellitenfernsehen.

Ich persönlich habe den BFBS-Sender auch nur durch "kurbeln" am Fernseher entdeckt. Offizielle Informationen gab es zu der Zeit keine - zumindest keine, die mir bekannt gewesen wären. Nach einiger Zeit hatten die besseren örtlichen Fernsehhändler BFBS-fähige Geräte im Angebot und auch ein Demogerät im Laden und boten entsprechende Antenneninstallationen an. Aber die Generation, die sich das hätte leisten können, war desinteressiert und die jüngeren Leute hatten nicht die Möglichkeiten. Auch im Hause Catperson gab es Konfliktpotential, weil durch die Zusammenschaltung der Ableitungen mit BFBS manche deutsche Programme nicht so sauber ankamen, wie sie hätten sein können... :D

Catperson

calimero
Beiträge: 9
Registriert: Di 7. Mai 2019, 14:38

Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von calimero » Mo 13. Mai 2019, 19:41

In welcher Gegend hast Du BFBS sehen können?

catperson hat geschrieben:
Mo 13. Mai 2019, 00:44
2-0-8 hat geschrieben:
So 12. Mai 2019, 11:10
catperson hat geschrieben:
So 12. Mai 2019, 01:16

Ich bin zwar kein gelernter DDR-Bürger, aber da würde ich Zweifel anmelden wollen.
Sagen wir mal so: Es hätte wohl niemanden gewundert, wenn man beim Durchkurbeln sowjetisches Fernsehen empfangen hätte. Nur wäre mir das neu, dass das Wissen über die Ausstrahlung Allgemeingut war.
"Allgemeingut" habe ich nicht gesagt. Ich habe nur "keiner (...) gewußt" angezweifelt. Irgendwie gehört, daß es soetwas geben sollte, hatten die meisten mit denen ich gesprochen habe. Nur interessiert hat es sie überhaupt nicht.

Allgemeingut war das Wissen über die Fernsehaktivitäten der Alliierten im Westen auch nicht. Und schon gar nicht in Gegenden, wo es keine entsprechende Präsenz gab. Selbst da, wo der Empfang möglich war, gab es nur begrenztes Interesse und auch das nur in der Zeit vor dem Start der deutschen Kommerzsender und Kabel- und Satellitenfernsehen.

Ich persönlich habe den BFBS-Sender auch nur durch "kurbeln" am Fernseher entdeckt. Offizielle Informationen gab es zu der Zeit keine - zumindest keine, die mir bekannt gewesen wären. Nach einiger Zeit hatten die besseren örtlichen Fernsehhändler BFBS-fähige Geräte im Angebot und auch ein Demogerät im Laden und boten entsprechende Antenneninstallationen an. Aber die Generation, die sich das hätte leisten können, war desinteressiert und die jüngeren Leute hatten nicht die Möglichkeiten. Auch im Hause Catperson gab es Konfliktpotential, weil durch die Zusammenschaltung der Ableitungen mit BFBS manche deutsche Programme nicht so sauber ankamen, wie sie hätten sein können... :D

Catperson

Antworten