Westfernsehen in der DDR

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calimero
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von calimero » Di 7. Mai 2019, 15:40

wie konnte man die Zuspielkanäle sehen? Die wurden doch in einer bestimmten Höhe zwischen Berlin und Westdeutschland übertragen?

mittendrin hat geschrieben:
Di 13. Nov 2018, 21:56
102.1 hat geschrieben:
Di 13. Nov 2018, 20:36
AFN sowie BFBS verwendeten beide den Kanal 51?
Die Forensuche bringt weitere Erhellung:
K51 war offensichtlich ein reiner Zuspielkanal. Im Übrigen wurden ja die Programmaufbereitungen durch die verschiedenen Anbieter oben beschrieben.
viewtopic.php?f=4&t=21896&p=403814

102.1
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von 102.1 » Di 7. Mai 2019, 17:05

calimero hat geschrieben:
Di 7. Mai 2019, 15:06
Ich hab das als Schüler 2 mal handschriftlich beantragt (~1985-1988)("für den Empfang des afn auf Kanal 29") und wurde dann vor geladen. Wurde nie was draus.
Wie ging es bei einer solchen Vorladung zu? War in in der DDR überhaupt erlaubt offen den Wunsch nach AFN Empfang zu äußern? Landete man da gleich in irgendeiner Umerziehungsanstalt? Oder kam man nur auf eine Schwarze Liste der Stasi?

calimero
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von calimero » Di 7. Mai 2019, 18:08

Ich wurde vorgeladen, da wo sich die Polizei (Kleinstadt) befand und befragt warum ich den Sender sehen wolle. ich sagte wegen den Musikvideos und Serien und Filmen. Nichts Politisches. Der sagte mir daß es der Klassenfeind ist oder so ähnlich. Danach kam nichts mehr. Ob ich auf ne Stasi Liste kam weiß ich nicht...

102.1
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von 102.1 » Di 7. Mai 2019, 18:51

calimero hat geschrieben:
Di 7. Mai 2019, 18:08
Ich wurde vorgeladen, da wo sich die Polizei (Kleinstadt) befand und befragt warum ich den Sender sehen wolle. ich sagte wegen den Musikvideos und Serien und Filmen. Nichts Politisches. Der sagte mir daß es der Klassenfeind ist oder so ähnlich. Danach kam nichts mehr. Ob ich auf ne Stasi Liste kam weiß ich nicht...
Und der Begriff Klassenfeind kam nur bei AFN? Wenn man ARD oder ZDF wollte, kam der Begriff Klassenfeind nicht? Am Ende waren ja alle Klassenfeind?

Wurde bei solchen Vorladungen nie auf russisches ( ich meine sovjetisches ) Fernsehen hingewiesen? ( Auch wenn man es nicht wollte ) hätte das bei einer Vorladung und Diskussion über Klassenfeind angeboten gehört ? Oder war auch diese Kreativität in der DDR verboten?

Gab es in der DDR eigentlich Kabelnetze die sovjetisches Fernsehen verbreiteten? Etwa mehr als nur ein Programm?

Radio Fan
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von Radio Fan » Di 7. Mai 2019, 19:41

102.1 hat geschrieben:
Di 7. Mai 2019, 18:51
Gab es in der DDR eigentlich Kabelnetze die sovjetisches Fernsehen verbreiteten? Etwa mehr als nur ein Programm?
In der DDR gab es kein Kabelfernsehen nach heutigem technischen Sinn.
Es existierten oft in Neubaugebieten nur größere Gemeinschafts-Antennenanlagen über die in den späten 80'zigern dann auch Westprogramme übetragen wurden.
Über Austrahlungen von sowjetischen Programmen gab es überhaupt keine offiziellen Verlautbarungen.
Zuletzt geändert von Radio Fan am Mi 8. Mai 2019, 15:09, insgesamt 1-mal geändert.

102.1
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von 102.1 » Di 7. Mai 2019, 23:42

Radio Fan hat geschrieben:
Di 7. Mai 2019, 19:41
102.1 hat geschrieben:
Di 7. Mai 2019, 18:51
Gab es in der DDR eigentlich Kabelnetze die sovjetisches Fernsehen verbreiteten? Etwa mehr als nur ein Programm?
In der DDR gab es kein Kabelfernsehen nach heutigem technischen Sinn.
Es existierten oft in Neubaugebieten nur größere Gemeinschafts-Antennenanlagen über die in den späten 80'zigern auch Westprogramme übetragen wurden.
Über Austrahlungen von sowjetischen Programmen gab es überhaupt keine offiziellen Verlautbarungen.
Diese Gemeinschafts-Antennenanlagen gab es in der DDR erst in den 80igern. Ab welchem Jahr etwa? Zuvor gab es nur "Ochsenkopfantennen"?

In den Ostblockstaaten wurde oft lediglich das erste russische Programm terrestrisch ausgestrahlt, aehnlich wie AFN im Westen. Ostberlin hatte sicher auch russisches Fernsehen. In der CSSR weiß ich dass Prag, Brno sowie Bratislava russisches Fernsehen terrestrisch hatten.

Wie war das in den russischen Kasernen eigentlich in der DDR? Hatten die dort Kabelfernsehen aus Russland?

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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von Kunos-Radiothek » Mi 8. Mai 2019, 01:53

Gemeinschaftsantennenanlagen gab es nicht erst in den 80igern. Diese wurden privat oder durch die örtliche Wohnungsverwaltung innitiert auch schon wesentlich früher gebaut und genutzt. Eingespeist wurde was technisch irgendwie ging, ab den 80iger Jahren bei vorhandesein der technischen Möglichkeiten dann auch SAT-TV. Das Ortsübliche West-Programm wurde da auch schon früher verbreitet. Bei uns in Mecklenburg waren das die über Höhbeck- oder Eutinantennen empfangenen Programme.

Das auch TV aus der SU über Sender in der DDR verbreitet wurde hat keiner wirklich gewusst und was in den Kasernen abging ebenso wenig. Deshalb wird dir die Frage sicher kein DDR-Bürger beantworten können.

Handydoctor
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von Handydoctor » Mi 8. Mai 2019, 13:36

In den russischen Standorten wurde meist nur ein TV Programm ausgestrahlt.

mittendrin
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von mittendrin » Mi 8. Mai 2019, 16:22

102.1 hat geschrieben:
Di 7. Mai 2019, 23:42
Wie war das in den russischen Kasernen eigentlich in der DDR? Hatten die dort Kabelfernsehen aus Russland?
Alles dazu gibt´s unter diesem Thema:
viewtopic.php?f=4&t=15466
mittendrin ist hier: QTH 11e59 / 51n23

calimero
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von calimero » Mi 8. Mai 2019, 17:45

eine Frage: wurde der afn über Satellit, auf 60° Ost verschlüsselt oder nicht? wann war das?

2-0-8
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von 2-0-8 » Mi 8. Mai 2019, 21:23

Kunos-Radiothek hat geschrieben:
Mi 8. Mai 2019, 01:53
Das auch TV aus der SU über Sender in der DDR verbreitet wurde hat keiner wirklich gewusst und was in den Kasernen abging ebenso wenig. Deshalb wird dir die Frage sicher kein DDR-Bürger beantworten können.
Stimmt.
Wir hatten nur Interesse an Westfernsehen in deutscher Sprache. Selbst wenn im Umfeld von Kasernen ein sowjetisches Fernsehen empfangbar gewesen sein sollte, hat das niemanden interessiert. Ich habe erst hier im Forum gelesen, dass es Ausstrahlungen gegeben haben soll.

In den 80er Jahren habe ich mich mit TV-Fernempfang beschäftigt. Alles was ich aus der UdSSR empfangen konnte war einmal ein Testbild von Sender Leningrad bei Überreichweiten im Band I.
* XHDATA D-808 * SONY XDR-P1DBP *

calimero
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von calimero » Do 9. Mai 2019, 07:25

Stimmt, das hätte niemanden interessiert. Uns wurde das schon in der Schule von vorne bis hinten erzählt, Sowjetunion etc. Da möchte man das nicht auch noch im Fernsehen. Ausserdem war Westfernsehen bunt (und exotisch(afn)) und der Ostblock grau und diktatorisch. So war das jedenfalls als Schüler. Aber daß da hinter Kanal 7 was gesendet hat hab ich öfter verrauscht gesehen...
Und auf afn kamen Serien die man bei uns garnicht kannte:
21 Jump Street
Kids incorperated
Captain Power...


Durch afn TV und BFBS radio und Luxy 208 hab mir dann sogar etwas Englisch Sprachkenntnis angeeignet.

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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von 102.1 » Fr 10. Mai 2019, 11:44

calimero hat geschrieben:
Do 9. Mai 2019, 07:25
Stimmt, das hätte niemanden interessiert. Uns wurde das schon in der Schule von vorne bis hinten erzählt, Sowjetunion etc. Da möchte man das nicht auch noch im Fernsehen. Ausserdem war Westfernsehen bunt (und exotisch(afn)) und der Ostblock grau und diktatorisch. So war das jedenfalls als Schüler. Aber daß da hinter Kanal 7 was gesendet hat hab ich öfter verrauscht gesehen...
Und auf afn kamen Serien die man bei uns garnicht kannte:
21 Jump Street
Kids incorperated
Captain Power...


Durch afn TV und BFBS radio und Luxy 208 hab mir dann sogar etwas Englisch Sprachkenntnis angeeignet.
War der Einfluss von Westfernsehen und Westradio in der DDR allgegenwaertig, insbs. unter gleichaltrigen Schülern?

Ab welchem Alter begann man so im Durchschnitt als Schüler bzw. junger Mensch die DDR, das damalige System und den Kommunismus in Frage zu stellen?

PAM
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Westfernsehen in der DDR

Beitrag von PAM » Fr 10. Mai 2019, 13:07

Das System in Frage zu stellen, das war als Erwachsener gefährlich. Es konnte den Arbeitsplatz oder soziale Errungenschaften kosten und man machte recht schnell mit den "staatlichen Organen" Bekanntschaft. Auf Kinder wurde ja im Rahmen der sozialistischen Erziehung insbesondere in der Schule Einfluss genommen. Wer grob quer schoss, der brachte damit zunächst seine Eltern in Erklärungsnot, denn denen wurde recht schnell der Vorwurf gemacht, sie würden in der Erziehung versagen. Der nächste Schritt hätte sein können, die Kinder per gerichtlichem Beschluss aus der Familie zu nehmen und entweder zu linientreuen Pflegeeltern oder in ein Heim zu geben.

Dennoch war das in meiner Schulzeit schon nicht mehr so kriminell. In den 1980ern wurde niemand mehr wegen einer Nietenhose (''Jeans'') zum Umziehen heim geschickt. Auch hatten zahlreiche Klassenkameraden bereits Tintenfüller aus dem Westen. Und freilich machte die Pelikan-Tinte das schönere Blau. Kugelschreiber waren zu meiner Schulzeit noch verboten, allerdings eher, um das Schreiben mit Tinte zu fördern. Zu meiner Zeit wurden auch Linkshänder nicht mehr zwangsweise zum Schreiben mit der rechten Hand umerzogen, wenngleich ihnen doch klar gemacht wurde, dass die damalige Gesellschaft Linkshänder zumindest als "beeinträchtigt" ansah.

Aber zurück zum Medienkonsum. Bei einigen Klassenkameraden und auch bei mir war das Westfernsehen im elterlichen Haus verboten. Über meinen ausweichenden Konsum von rias 2 und Hundert,6 hörte man hinweg. Was aber verboten ist, das hat seinen besonderen Reiz. Und so wusste ich, bei welchen Klassenkameraden nachmittags bereits der Fernseher eingeschaltet werden durfte und wo es Westfernsehen gab. Mir blieben demnach "Alf", "Ein Colt für alle Fälle" oder "Tom & Jerry" nicht verborgen. Ich sah auch die junge Steffi Graf und den ebenso jungen Boris Becker. Tennis wurde in der DDR zwar auch gespielt, hatte aber als Wettbewerbssportart keine Chance.

Umgekehrt gab es im DDR-Fernsehen auch viel, das bei Empfangbarkeit auch im Westen eine große Akzeptanz gefunden hat. Wessi-Kollegen bestätigten mir das für die Märchenfilme, insbesondere für die "Flimmerstunde". Auch "Der alte Film", eine Reihe mit z. T. uralten Filmen, fand bei den Erwachsenen ein großes Interesse.

györgy
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Re: Westfernsehen in der DDR

Beitrag von györgy » Fr 10. Mai 2019, 13:35

Ja, in den 80er Jahren war der Konsum von Westmedien eine absolute Selbstverständlichkeit in der DDR, wenn man nicht von den Erziehungsberechtigten daran gehindert wurde. Man konnte sich in der Schule über westliche Unterhaltungsprogramme austauschen, ohne sanktioniert zu werden.

Im Unterricht mit dem linientreuen Klassenlehrer wurde allerdings versucht Einfluss zu nehmen und Dinge "einzuordnen" .

Von der Glitzerwelt der Werbung solle man sich nicht beeinflussen lassen - die beworbenen Produkte wären auch nicht besser als die aus der Kaufhalle.

Nachrichtensendungen der Westmedien solle man aufgrund des geringen Wahrheitsgehalts meiden und darauf könne man auch die eigenen Eltern aufmerksam machen.

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