Unterschiede vertikal / horizontal polarisierte Sender

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Habakukk
Beiträge: 8201
Registriert: Fr 31. Aug 2018, 22:19

Unterschiede vertikal / horizontal polarisierte Sender

Beitrag von Habakukk »

Sollte ich zu diesem Thema schon mal einen Thread gestartet haben, seht es mir nach, ich werde vergesslich auf meine alten Tage. :gruebel:

Ich wollte mal über Unterschiede von vertikal und horizontal polarisierten Sendern sprechen.

Meine Eindrücke sind folgende:
- vertikal polarisierte Sender dringen deutlich schlechter in Gebäude ein als horizontale
- vertikal polarisierte Sender lassen sich deutlich schlechter ausblenden und haben eine stärkere Tendenz zu Verzerrungen (vermutlich durch deutlich stärkere Reflexionen)

Das zu belegen ist schwierig, es sind nur Eindrücke. Leider fehlt es an direktem Vergleichsmaterial (also dass vom gleichen Standort mit vergleichbarer Leistung sowohl vertikal als auch horizontal gesendet wird).

Auffällig ist es bei mir z.B. bei den Frequenzen vom Standort Klet. Während indoor praktisch nur die horizontal gesendeten Frequenzen 91,1/94,1/102,9/106,4 schwach zu hören sind, geht am Balkon bzw. Dachfenster auch die vertikale 104,3. Der Pegel ändert sich bei den horizontalen Frequenzen recht wenig zwischen Indoor- und Outdoorempfang, aber bei der 104,3 ist das ein deutlicher Unterschied. Draußen geht sie dann sogar gleichwertig wie die anderen, drinnen ist sie praktisch nicht zu hören!

Vom Hochgitzen bei Salzburg gibt es auch zwei Frequenzen mit unterschiedlicher Polarisation, allerdings mit völlig unterschiedlichen Diagrammen, was den Vergleich auch schwierig macht. Die 107,5 der Radiofabrik (vertikal) ist indoor nur schwach zu hören, geht draußen mit gutem Mono-Signal. Die 102,8 von Antenne Salzburg (horizontal) geht indoor etwas stärker wie die 107,5, ist dafür draußen tendenziell schwächer als die 107,5.

Dann wird es schon schwierig, weil man Äpfel mit Birnen vergleichen muss. Die 91,7 der Alpenwelle aus Holzkirchen geht z.B. outdoor fast in RDS-Qualität, drinnen hat man große Mühe, sie noch zu empfangen. Die 90,2 aus Miesbach dagegen geht draußen praktisch genauso schwach wie drinnen, d.h. ist draußen schwächer als die 91,7, dafür drinnen stärker. Beide kommen aus vergleichbarer Richtung.

Besonders auffällig ist es auch bei den Sendern St.Johann/Harschbichl, Kitzbühel/Hahnenkamm und Kössen/Gruberalm, die auch aus ähnlicher Richtung kommen. Harschbichl und Hahnenkamm (horizontal) gehen drinnen wie draußen vergleichbar gut/schlecht, haben jew. ein gutes Mono-Signal knapp unter RDS-Niveau. Kössen dagegen geht draußen ähnlich gut wie die beiden anderen, ist drinnen aber kaum noch aus dem Rauschen rauszuholen.

Habt ihr ähnliche Beobachtungen gemacht?

PS: Meine Beobachtungen stammen v.a. aus Empfangsversuchen mit dem TEF und seiner Teleskopantenne mit verschiedensten Antennenausrichtungen und Positionen (drinnen wie draußen).
75-Ohm
Beiträge: 25
Registriert: Sa 7. Mär 2020, 14:12

Re: Unterschiede vertikal / horizontal polarisierte Sender

Beitrag von 75-Ohm »

Zumindest beim ehemaligen DVB-T Fernsehen konnte ich feststellen, dass die vertikalpolarisierten Sendestandorte in Bayern, der Wendelstein und der Olympiaturm sich im Gleichkanal nicht gut vertragen konnte. Im Augsburger Raum konnte der DVB-T Receiver alle horizontalen Sendestandorte fehlerfrei lesen. Aber die vertikalen Standorte funktionierten nur dann einwandfrei, wenn einer der beiden Sender abgeschaltet war, oder wenn man einen Receiver benutzte, dessen Herstellungsjahr nach 2005 war. Jetzt bei DVB-T2 tauchen diese Probleme nicht mehr auf. Aber ich habe auch festgestellt, dass insbesondere Zimmerantennen auf vertikale Sender empfindlicher reagieren.
catperson
Beiträge: 141
Registriert: Fr 31. Aug 2018, 16:50

Re: Unterschiede vertikal / horizontal polarisierte Sender

Beitrag von catperson »

Diese Fragen haben sich sehr viel schlauere Leute als wir schon vor langer Zeit gestellt. Antworten stehen hier:

EBU Tech 3236: "VHF/FM Planning and Procedures" Kapitel 5

Arg verkürzte Zusammenfassung:
  • Vertikal hat bessere Reichweite
  • Horizontal hat bessere Empfangsqualität
  • Empfehlung in eiher flachen und hügeligen Gelände: Vertikal
  • Empfehlung im Gebirge: Horizontal
Catperson
Manager
Beiträge: 2239
Registriert: Fr 31. Aug 2018, 15:48

Re: Unterschiede vertikal / horizontal polarisierte Sender

Beitrag von Manager »

catperson hat geschrieben: Di 25. Jun 2024, 12:47
  • Vertikal hat bessere Reichweite
  • Horizontal hat bessere Empfangsqualität
Deshalb hat man auch in dem 70er Jahren einige Band I Fernsehsender wie Göttelborner Höhe E02 und Kreuzberg E03 von V auf H umgestellt.
Ochsenkopf E04 blieb dagegen ganz bewusst bei V wegen der größeren Reichweite in die DDR.

So haben es mir Techniker von SR und BR auf Nachfrage erklärt.
andimik
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Re: Unterschiede vertikal / horizontal polarisierte Sender

Beitrag von andimik »

Frag W. W. :D

https://www.rtr.at/migration/decisions/ ... 63f14ff71d
Mit Schreiben vom 18.02.2012 nahm der Beschuldigte zu der vorgehaltenen Verwaltungsübertretung
Stellung. In dieser Stellungnahme gestand der Beschuldigte die Hörfunkveranstaltung ohne Zulassung zu
und brachte vor, die entsprechenden Verwaltungsvorschriften des PrR-G nicht gekannt zu haben. Sinn und
Zweck der Errichtung und des Betriebs des Senders sei die ihn als Amateurfunker interessierende
Informationsgewinnung zu den Ausbreitungsbedingungen von UKW-Radiowellen im topographisch
schwierigen Gelände und über den Einfluss der sendeseitigen Antennenpolarisation gewesen. Dieser
Problematik werde in der einschlägigen Literatur nur wenig Beachtung geschenkt
Sternenlicht
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Registriert: Do 28. Feb 2019, 14:14
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Re: Unterschiede vertikal / horizontal polarisierte Sender

Beitrag von Sternenlicht »

Was mir aufgefallen ist:

- Vertikale Sender klingen bei schwächeren Pegeln oftmals verzerrt, was für horizontale Sender in der Regel nicht gilt. Schwache H-Stationen sind früh verständlich, während die bei mir vertikal empfangbaren Niederländer erst bei starken Pegeln klar verständlich werden.

- Zwischen Indoor und Outdoor erkenne ich keine Unterschiede, die kommen zumindest bei mir gleichstark an, egal ob H oder V.

- Was mir aber generell auf UKW auffällt: Wenige Meter Standortdifferenz können einen extremen Unterschied ausmachen. Beispiel: Auf meinem Grundstück empfange ich den NDR vom Sender Lingen auf 90,2 oder 97,8 MHz. Der Signalpegel mit meinem TEF liegt ungefähr bei 10 dB, doch er schwankt stark, wenn ich mich auf dem Grundstück bewege. Bei derselben Antennenausrichtung habe ich alle paar Meter einen anderen Pegel. Zwischen 5 dB und 18 dB ist alles dabei, und nur an einer bestimmten Stelle auf dem Grundstück komme ich auf 18 dB. Dasselbe gilt für Indoor-Empfang. Nur in einem Zimmer schaffe ich 16 dB. Und das lässt sich auf allen Frequenzen beobachten, egal ob es sich um eine Funzel oder den Sender Langenberg handelt. Ich dachte, vielleicht liegt es an meiner Lage mitten im Tal, aber ich habe das bis jetzt an allen Standorten bemerkt, auch auf dem Harkortberg oder im Sauerland. Wenige Meter Ortsdifferenz können je nach Topografie gewaltige Pegelsprünge zur Folge haben!
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