DAB in Norddeutschland

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Sarstedter
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Re: DAB in Norddeutschland

Beitrag von Sarstedter » Di 25. Jun 2019, 08:30

Ich denke mal das irgendwann auch Molbergen den 12A bekommt - 5C sendet dort ja bereits. Hat dann sicherlich einen ähnlichen Effekt wie bei 12A Schiffdorf und Wilhelmshaven (demnächst).... empfangbar ist der 12A ja jetzt schon in WHV, aber mit zusätzlichem Sender vor Ort auch noch besser "indoor".

Carl
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Re: DAB in Norddeutschland

Beitrag von Carl » Di 25. Jun 2019, 11:12

Moin!

Bisher war ich eher passiver Nutzer dieses Forums, aber als Bewohner Norddeutschlands verwundert es mich, dass ich hier noch nichts zu den "Plänen" der FDP in Niedersachsen lesen konnte:
https://www.heise.de/newsticker/meldung ... 53027.html

Auch interessant dazu ist der offene Brief von Peter Lepper (Techisat) an den FDP-Fraktionsvorsitzenden:
https://www.infosat.de/radio/dab-digita ... dersachsen

Oder gibts dazu schon einen Thread? Dann bitte um Entschuldigung und um Löschung.

Habakukk
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Re: DAB in Norddeutschland

Beitrag von Habakukk » Di 25. Jun 2019, 11:16

@Carl:
Siehe hier:
viewtopic.php?f=11&t=57356

Nicoco
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Re: DAB in Norddeutschland

Beitrag von Nicoco » Di 20. Aug 2019, 12:25

https://www.infosat.de/radio/trotz-land ... pl-ne-fort

Der NDR hat erneut bekräftigt, dass man trotz des Beschlusses in NDS auch dort weiterhin das Netz ausbauen werde.
Das Statement der NDR, zur angeblichen Wunderwaffe 5G Broadcast, trifft es m.M.n. sehr gut auf den Punkt:

„Als technisches System eignet sich 5G auch für die Verbreitung von Fernsehen und Hörfunk. Wann allerdings 5G Verbreitung findet, wann 5G für die Verbreitung von Rundfunk spezifiziert sein wird (was heute noch gar nicht vorgesehen ist) und ob es in Niedersachsen überhaupt eine flächendeckende Versorgung mit 5G geben wird, das sind offene Fragen. Fest steht: Der NDR benötigt aufgrund seines Auftrags ein Sendernetz, das auch in Krisen- und Katastrophenlagen unabhängig von den Interessen Dritter verlässlich die Menschen in Norddeutschland informieren und vor Gefahren warnen kann. Deshalb hält der NDR ein eigenständiges digitales Sendernetz für den Hörfunk für unabdingbar.“

Radio Fan
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Re: DAB in Norddeutschland

Beitrag von Radio Fan » Di 20. Aug 2019, 13:31

Der NDR ist zwar verständlicherweise recht vorsichtig mit Aussagen zum Ausbau des DAB-Sendernetzes. Hat aber keine Zweifel zum weiteren Ausbau aufkommen lassen. Die angekündigte jährliche Planung dazu wurde bisher umgesetzt.

QTH: Rostock Mitte
RX: Yamaha DAB Tuner T-D 500, Dual DAB 5.1, Grundig Satellit 700,
Sony ICF7600GR, Albrecht DR 333, Technisat DigiPal DAB+, Sangean DPR76
Mobil:Honda Civic-Werkslösung optimiert mit ABB-Flex Dachantenne u. DAB/FM Splitter

RadioDataSystem
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Re: DAB in Norddeutschland

Beitrag von RadioDataSystem » Di 20. Aug 2019, 21:53

NDR hat geschrieben: Der NDR benötigt aufgrund seines Auftrags ein Sendernetz, das auch in Krisen- und Katastrophenlagen unabhängig von den Interessen Dritter verlässlich die Menschen in Norddeutschland informieren und vor Gefahren warnen kann. Deshalb hält der NDR ein eigenständiges digitales Sendernetz für den Hörfunk für unabdingbar.

Tag zusammen.
Sehr interessante Aussage vom NDR in Bezug auf wirtschaftliche Eigenständigkeit, der auch soviel Jahre nach der politischen Wende offenbar immer noch in 2 Maßstäben misst. Für die ehem. DDR (sprich Meckpom) scheint das ja alles nicht zu gelten, da hat man sich seit 1990 bei Drittanbietern eingemietet. Erst die in der Abwicklung befindliche DDR-Post, dann die Dt.Bundespost/ Dt. Funkturm, dann die Telekom / T-Systems, später MediaBroadcast, heute Divicon??? Oder Uplink???

Eigene Sendeanlagen bzw. Hörfunk-Infrastruktur betreibt der NDR im Osten mit Ausnahme des Neubaus in Rostock soweit mir bekannt ist GAR KEINE. Die DAB Sender in MV werden doch alle fremdbetrieben/fremdgewartet, oder ist das nicht mehr der Fall? Macht keinen Unterschied zu einem Funkmasten von Vodaphone oder TelefonicaO2.

Ich erinnere mich noch an die Plem-Plem Debatte um mögliche Zwangsabschaltungen durch die Mediabroadcast im Zuge der Privatisierung / Outsourcing vor ein paar Monaten. Ist doch noch gar nicht so lange her dass diese Drohungen im Raum standen, soviel zum Thema, von wegen "unabhängig von den Interessen Dritter". :verrueckt:

Und mit der Eigenständigkeit des digitalen Sendernetzes scheint es im TV auch nicht zu weit her zu sein. DVB-T hat man als unwichtig erachtet, und bei DVB_T2 nochmals die Reichweite / Abdeckung im ländlichen Raum massiv reduziert. Das Fernsehen als Krisenmedium scheint in den Planungen für die Verantwortlichen keine Rolle mehr zu spielen. Und das Radio spielt eben nur noch Musik. Aber als Informations- und Nachrichtenmedium spielt es bei den normalen Leuten schon lange keine Rolle mehr. Vorbei die Zeiten mit "Bei Gefahr - Radio an und auf Durchsagen achten!" :danke:

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DerGeneral
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Re: DAB in Norddeutschland

Beitrag von DerGeneral » Di 20. Aug 2019, 22:48

Interessante Betrachtung. Was das Fernsehen betrifft, muss ich Dir Recht geben. Wobei die ARD bereits vor einigen Jahren kommunizierte, dass sie die Terrestrik nicht mehr als (zwingend flächendeckende) Grundversorgung betrachtet, sondern die Grundversorgung heute über Satellit Astra gewährleistet wird.

Die terrestrische (Unter)Versorgung in Meck-Pomm hat natürlich historische Gründe, in die Fläche wollte man nach der Wende nicht investieren und so blieben schon "seit Anbeginn" des NDR dort fast nur Fremdstandorte. Aber das wird der NDR hier gar nicht gemeint haben. Man möchte in der Zukunft nicht in die Fänge der Mobilfunkprovider geraten und weitestgehend eigenständig bleiben. Wohlgemerkt, weitestgehend. Und diese deutliche Aussage gilt es zu honorieren. Schließlich haben die FDP/CDU/SPD-Leute im Niedersächsischen Landtag diesbezüglich "nicht mehr alle Latten am Zaun", wenn ich das hier so, entschuldigt bitte meine Ausdrucksweise, mal deutlich sagen darf.

Der NDR wird in den nächsten Jahren die DAB+ Versorgung in ganz Norddeutschland weiter ausbauen, auch in Niedersachsen, selbst wenn dort die Mittel dafür aus den Rundfunkbeiträgen gestrichen werden sollten. Das ist ein Statement, und das ist richtig so! :) :spos:
Zuletzt geändert von DerGeneral am Di 20. Aug 2019, 23:05, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: DAB in Norddeutschland

Beitrag von iro » Di 20. Aug 2019, 23:00

RadioDataSystem hat geschrieben:
Di 20. Aug 2019, 21:53
Macht keinen Unterschied zu einem Funkmasten von Vodaphone oder TelefonicaO2.
Doch, macht es. Der Funkmast läuft noch etwas 2 Stunden weiter, wenn der Strom weg ist.
Der Grundnetz-Sender hat einen Notstrom-Diesel.
RadioDataSystem hat geschrieben:
Di 20. Aug 2019, 21:53
Und das Radio spielt eben nur noch Musik. Aber als Informations- und Nachrichtenmedium spielt es bei den normalen Leuten schon lange keine Rolle mehr. Vorbei die Zeiten mit "Bei Gefahr - Radio an und auf Durchsagen achten!"
Es heißt nicht: schalten sie das Radio ein und nie wieder aus. Aber bei einer größeren Gefahr muss es ja nicht Musik spielen. Und MoWaS gibt direkt programmunterbrechende Meldungen für Hörfunk und Fernsehen in einem entsprechenden Fall heraus.
Dazu gibt es eine "Vereinbarung der Innenminister und -senatoren des Bundes und der Länder und der in der ARD zusammengeschlossenen Rundfunkanstalten sowie des DeutschlandRadio über amtliche Gefahrendurchsagen und Gefahrenmitteilungen über das Satellitengestützte Warnsystem des Bundes (SatWaS)zur Warnung und Information der Bevölkerung bei vorliegenden oder drohenden Gefahren bei Katastrophen und im Verteidigungsfall sowie bei anderen erheblichen Gefahren für die öffentliche Sicherheit".

SeltenerBesucher
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Re: DAB in Norddeutschland

Beitrag von SeltenerBesucher » Di 20. Aug 2019, 23:39

RadioDataSystem hat geschrieben:
Di 20. Aug 2019, 21:53
NDR hat geschrieben: Der NDR benötigt aufgrund seines Auftrags ein Sendernetz, das auch in Krisen- und Katastrophenlagen unabhängig von den Interessen Dritter verlässlich die Menschen in Norddeutschland informieren und vor Gefahren warnen kann. Deshalb hält der NDR ein eigenständiges digitales Sendernetz für den Hörfunk für unabdingbar.
Sehr interessante Aussage vom NDR in Bezug auf wirtschaftliche Eigenständigkeit, der auch soviel Jahre nach der politischen Wende offenbar immer noch in 2 Maßstäben misst. Für die ehem. DDR (sprich Meckpom) scheint das ja alles nicht zu gelten, da hat man sich seit 1990 bei Drittanbietern eingemietet. Erst die in der Abwicklung befindliche DDR-Post, dann die Dt.Bundespost/ Dt. Funkturm, dann die Telekom / T-Systems, später MediaBroadcast, heute Divicon??? Oder Uplink???
Bei so vielen Falschaussagen frage ich mich warum noch keiner den Begriff „Lügenbeitrag“ erfunden hat. Die KEF wurde am 20. Februar 1975 von den Ministerpräsidenten errichtet. Meinst Du der NDR würde im Osten keine neuen Sendeanlagen errichten, wenn dieser es dürfte?
RadioDataSystem hat geschrieben:
Di 20. Aug 2019, 21:53
Eigene Sendeanlagen bzw. Hörfunk-Infrastruktur betreibt der NDR im Osten mit Ausnahme des Neubaus in Rostock soweit mir bekannt ist GAR KEINE.
Meinst Du den Sender Rostock-Toitenwinkel, der Deutschen Funkturm gehört?
RadioDataSystem hat geschrieben:
Di 20. Aug 2019, 21:53
Die DAB Sender in MV werden doch alle fremdbetrieben/fremdgewartet, oder ist das nicht mehr der Fall?
Meinst Du bei den Sendern im Westen werden alle Wartungsarbeiten durch die Mitarbeiter des NDRs durchgeführt? Wenn das so wäre, warum schreibt der NDR einzelne Aufgaben an Fachfirmen aus? Warum konnte der neue DAB+-Sender in Berlin nicht vermessen werden? Weil die Software für die Drohne von einer asiatischen Firma stammt und diese den Aufstieg der Drohne über eine bestimmte Höhe hinaus blockierte. Die Luftraumüberwachung erteilte eine Genehmigung, der Drohnenhersteller musste kontaktiert werden. Dieses Beispiel zeigt, wie vernetzt die Welt ist. Die Sicherheit ist von mehr Faktoren abhängig, als nur von einer simplen Frage: Wer baut die Sendetechnik auf. Was ist, wenn der Hersteller der schönen neuen Empfänger eine Hintertür einbaut, die aus der Ferne ausgelöst werden kann?
RadioDataSystem hat geschrieben:
Di 20. Aug 2019, 21:53
Macht keinen Unterschied zu einem Funkmasten von Vodaphone oder TelefonicaO2.
Der Unterschied ist groß. Es beginnt damit wer der Eigentümer der Frequenz ist, wer entscheidet wie ausgebaut wird, welcher Versorgungsgrad erreicht wird, ob eine Frequenz bevorzugt an einen Anbieter vergeben wird. In vielen Bundesländern garantiert der Gesetzgeber den öffentlich-rechtlichen Anstalten die bevorzugte Zuweisung von Frequenzen zur Versorgung der Hörer und Zuschauer. Außerdem sieht man, was mit Unternehmen passiert, wenn man sich die Geschichte von Media Broadcast anschaut. Unternehmen können zum Spekulationsobjekt werden oder von ausländischen Staaten aufgekauft werden. Es sagt jedoch keiner, dass die öffentlich-rechtlichen Anstalten ihr Netz komplett ohne Fremdanbieter betreiben müssen. Solange die Privatunternehmen ihre Aufgabe korrekt erfüllen, gibt es keinen Zwang Gebührengelder in teure Infrastrukturprojekte zu stecken. Fallen diese aus, würde der NDR auch in Mecklenburg-Vorpommern die Versorgungssicherheit herstellen müssen.
RadioDataSystem hat geschrieben:
Di 20. Aug 2019, 21:53
Ich erinnere mich noch an die Plem-Plem Debatte um mögliche Zwangsabschaltungen durch die Mediabroadcast im Zuge der Privatisierung / Outsourcing vor ein paar Monaten. Ist doch noch gar nicht so lange her dass diese Drohungen im Raum standen, soviel zum Thema, von wegen "unabhängig von den Interessen Dritter". :verrueckt:
Butter bei die Fische. Welche UKF-Frequenz einer ARD-Anstalt drohte Media Broadcast abzuschalten? Schon mal etwas vom Versorgungsauftrag gehört? Die Frequenz eines Privatradios ist in Deutschland mal einfach so abgeschaltet worden, das Programm verstummte. Auch für diesen Fall wurden rechtliche Konsequenzen angedroht.
RadioDataSystem hat geschrieben:
Di 20. Aug 2019, 21:53
Und mit der Eigenständigkeit des digitalen Sendernetzes scheint es im TV auch nicht zu weit her zu sein. DVB-T hat man als unwichtig erachtet, und bei DVB_T2 nochmals die Reichweite / Abdeckung im ländlichen Raum massiv reduziert. Das Fernsehen als Krisenmedium scheint in den Planungen für die Verantwortlichen keine Rolle mehr zu spielen.
Versuch mal Fernsehen mit Notstromaggregaten zu betreiben. Abgesehen davon, dass die meisten Menschen kein Notstromaggregat besitzen.
RadioDataSystem hat geschrieben:
Di 20. Aug 2019, 21:53
Und das Radio spielt eben nur noch Musik. Aber als Informations- und Nachrichtenmedium spielt es bei den normalen Leuten schon lange keine Rolle mehr.
Als im Münsterland Strommasten wie Streichhölzer umknickten, setzten sich die Menschen ins Auto und hörten Radio oder packten ihr Batteriebetriebenes Radio wieder aus. Wenn die Not groß ist, erinnern sich die Menschen wieder an das Radio.

Manager
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Re: DAB in Norddeutschland

Beitrag von Manager » Mi 21. Aug 2019, 19:30

RadioDataSystem
Sehr interessante Aussage vom NDR in Bezug auf wirtschaftliche Eigenständigkeit, der auch soviel Jahre nach der politischen Wende offenbar immer noch in 2 Maßstäben misst. Für die ehem. DDR (sprich Meckpom) scheint das ja alles nicht zu gelten, da hat man sich seit 1990 bei Drittanbietern eingemietet. Erst die in der Abwicklung befindliche DDR-Post, dann die Dt.Bundespost/ Dt. Funkturm, dann die Telekom / T-Systems, später MediaBroadcast, heute Divicon??? Oder Uplink???
Eigene Sendeanlagen bzw. Hörfunk-Infrastruktur betreibt der NDR im Osten mit Ausnahme des Neubaus in Rostock soweit mir bekannt ist GAR KEINE.
DerGeneral
Die terrestrische (Unter)Versorgung in Meck-Pomm hat natürlich historische Gründe, in die Fläche wollte man nach der Wende nicht investieren und so blieben schon "seit Anbeginn" des NDR dort fast nur Fremdstandorte.
Von 2 verschiedenen Maßstäben zu sprechen ist nicht ganz fair. Der NDR hat McPomm zum 01.01.92 übernommen und durfte seinerzeit gar keine eigenen Senderanlagen in MV errichten. Grund ist das berühmte 1. Rundfunkurteil des BVerfG vom 28.02.1961. In diesem wurde u. a. festgelegt, dass nur die Deutsche Bundespost befugt ist Senderanlagen zu betreiben. Allerdings erhielten alle bisherigen Senderbetreiber Bestandsschutz. Das betraf den ARD Hörfunk, das 1. Fernsehprogramm der ARD und die Sender der Alliierten einschl. RIAS sowie Europe 1. Beim Beitritt der DDR zur Bundesrepublik wurde das Monopol der Deutschen Post der DDR an die Deutsche Bundespost weitergereicht. Daher konnten NDR (in MV), MDR (in SAC, SAN und TH), ORB (in BB) und SFB (in Ost-Berlin) keine eigenen Sendemasten errichten und mussten sich bei der Bundespost und ihren Nachfolgern einmieten.

Nachdem dieses Monopol aber vor wenigen Jahren aufgehoben wurde (und es dadurch auch verschiedene Senderbetreiber auf dem Markt gibt), können die ARD Anstalten nun auch überall Sendemasten errichten und die Sender in Eigenregie betreiben; auch der NDR in MV. Dazu wird es von Ausnahmen abgesehen in absehbarer Zeit aber nicht kommen, da nicht zu erwarten ist, dass die KEF die Mittel dafür freigeben würde.

Der "neue" Sendemast in Rostock-Krummendorf gehört der Deutschen Funkturm (DFMG). An seinem Bau hat sich der NDR finanziell beteiligt.

Bei DAB hat der NDR MV bevorzugt ausgebaut. Hier sind inzwischen 12 Sender in Betrieb und es gibt nur noch wenige unversorgte Regionen. In Niedersachsen mit einer doppelt so großen Fläche und fünfmal so vielen Einwohnern kann man davon mit aktuell 13 Sendestandorten nur träumen.

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Re: DAB in Norddeutschland

Beitrag von RF_NWD » Sa 7. Sep 2019, 20:46

Wir haben uns hier im Forum gerade in Bezug auf Niedersachsen oft genug über die restriktive Haltung zu DAB + Überstrahlungen aus benachbarten Bundesländern geärgert. Schaut man sich die Rechtsgrundlagen und Verwaltungsvorschriften dazu an, muss man einräumen, dass jedes Bundesland die Überstrahlung aus berechtigtem Interesse ablehnen und einschränken kann. Allerdings zeigt die Praxis im süd-und mitteldeutschen Raum, dass Bundesländer dies auch großzügiger mit einer gegenseitigen Tolerierung handhaben können, während Länder wie NDS und NRW dies bislang in jedem Einzelfall individuell geregelt haben.
Durch den weiteren DAB + Ausbau in Norddeutschland entsteht für solche Tolerierungsvereinbarungen aber offenbar auch hier ein zunehmender Bedarf:
Im Landtagsinformationssystem Schleswig-Holstein ist dazu eine Unterrichtung über einen Entwurf aus Mai 2019 zu einer solchen Verwaltungsvereinbarung der NDR Staatsvertragsländer zu finden. Eine Info darüber, ob dieser Vertrag (auch von NDS) bereits unterzeichnet wurde, habe ich nicht gefunden. Im Anhang der Vereinbarung sind Karten mit den zulässigen Überstrahlungspolygonen zu sehen. Im Falle von Hamburg entspricht dies in etwa dem aktuellen Versorgungsbereich des Kanals 7A.
Auch in anderen Dokumenten habe ich den Hinweis auf eine Bagatellgrenze gefunden, die ohne Vereinbarung toleriert wird: Innerhalb eines Bereichs von 30 km ab der Landesgrenze darf eine zusammenhängendes Gebiet bis zu 25 km² ohne Genehmigung überstrahlt werden.
Allerdings zeigt die Erfahrung, dass trotz solcher Festlegungen unter günstigen Bedingungen im Einzelfall auch Empfang weit über das zulässige Zielgebiet hinaus möglich ist. Von Overspillgebieten in Norddeutschland wie auf UKW wird man sich aber wohl verabschieden müssen.

http://lissh.lvn.parlanet.de/cgi-bin/st ... EBVORGLFL1
Verwaltungsvereinbarung über eine generelle Genehmigung von Überstrahlungen durch DAB+
Sendeanlagen

Verwaltungsvereinbarung zwischen den Ländern Mecklenburg-Vorpommern,Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg über eine generelle Genehmigung von Überstrahlungen auf ihren Territorien durch DAB+
Sendeanlagen.

Präambel

Zur Versorgung der Bevölkerung mit digitalem Hörfunk im Standard DAB+ werden auf dem Sendegebiet des Norddeutschen Rundfunks zunehmend neue Sender in Betrieb genommen. Zur vollständigen Versorgung der Länder mit landesbezogenen Multiplexen werden auch Sendestandorte in der Nähe der jeweiligen Landesgrenzen benötigt. Technisch bedingt lässt sich hierdurch eine Überstrahlung auf das Gebiet der benachbarten Länder nicht vermeiden. Derartige Überstrahlungen sind von den landesbezogenen Bedarfen, die von den Ländern gemeldet wurden oder werden, nicht erfasst. Für die Zuteilung der notwendigen Frequenzen durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) bedarf es daher stets einer medienrechtlichen Tolerierungszusage der zuständigen Stelle des jeweils betroffenen Landes. Zukünftig sollen diese individuellen Tolerierungsvereinbarungen, für die vom Regelungsgehalt dieser Vereinbarung erfassten Überstrahlungen, durch diese generelle Tolerierungsvereinbarung geregelt werden.

Vor diesem Hintergrund schließen die Länder Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und die Freie und Hansestadt Hamburg die nachfolgende Vereinbarung. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR), die Medienanstalt Mecklenburg-Vorpommern (MMV), die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH) und die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) als potentielle Nutznießer sichern den unterzeichnenden Ländern zu, sie über die geplante Inbetriebnahme neuer Sendeanlagen mit potentiellen Überstrahlungen zu informieren:


1. Eine Überstrahlung ist eine Versorgung mit Rundfunk, die außerhalb des als Bedarf angemeldeten Versorgungsgebietes liegt (eines Landes oder einer als Bedarf gemeldeten Region) und die sich bei der Erfüllung des Versorgungsbedarfes nicht mit vertretbarem Aufwand vermeiden lässt.


2. Überstrahlungen auf die in der Anlage dieser Vereinbarung bezeichneten Gebiete werden von den unterzeichnenden Ländern gegenseitig toleriert. Für landesbezogene Bedarfe wird eine individuell zu treffende ergänzende Tolerierungszusage nur noch dann benötigt, wenn außerhalb der in der Anlage definierten Polygone für die jeweiligen Länder ein zusammenhängendes Gebiet von mehr als 25 km² oder insgesamt mehr als 100 km² unzusammenhängende Gebiete versorgt werden. ²

3. Wasserflächen dürfen ohne territoriale Einschränkungen überstrahlt werden.


4. Vertrauensschutz wird durch diese Vereinbarung nicht eingeräumt. Für die Versorgung außerhalb des eigenen Landes, die auf Basis dieser Vereinbarung möglich wird, besteht insofern kein Schutzanspruch.


5. Die Versagung der Tolerierung vor der Inbetriebnahme einer Sendeanlage bedarf der schriftlichen Erklärung des jeweils betroffenen Landes.


6. Der schriftliche Widerruf einer Tolerierung nach Inbetriebnahme einer Sendeanlage durch das jeweils von der Überstrahlung betroffene Land ist bei Vorliegen eines nachvollziehbaren Interesses zulässig.


7. Die Länder entscheiden über die Aufnahme weiterer Vertragspartner in diese Vereinbarung gemeinsam.


8. Die Kündigung dieser Vereinbarung durch einzelne Länder ist mit einer Kündigungsfrist von 6 Monaten zulässig. Sofern das jeweilige Land kündigt, unterfallen Überstrahlungen vom Territorium des Landes nicht mehr dieser Vereinbarung. Die Vereinbarung gilt für die übrigen Länder fort, soweit sich der verfolgte Zweck auch ohne die ausscheidende Partei für die verbleibenden Länder realisieren lässt. Die aufgrund dieser Vereinbarung bereits tolerierten Überstrahlungen gelten auch bei einer Kündigung bis zu einem ausdrücklichen Widerruf weiterhin als toleriert.


9. Für landesbezogene, regionalisierte Bedarfe gilt ferner, dass eine mehrfache Überstrahlung innerhalb eines Landes – über eine Regionsgrenze hinweg – toleriert wird, sofern außerhalb einer Entfernung von 30 km zur Region kein zusammenhängendes Gebiet von mehr als 25 km² versorgt wird.


10. Die Verwaltungsvereinbarung tritt mit Gegenzeichnung aller Länder in Kraft.
Potentielle Nutznießer dieser Vereinbarung können sich nur dann auf Sie berufen, wenn Sie zuvor schriftlich zugesichert haben, die Länder und die sonstigen Betroffenen über die geplante Inbetriebnahme neuer Sendeanlagen mit potentiellen Überstrahlungen zu informieren.
QTH: 52,32 /9,21

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Thomas(Metal)
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Re: DAB in Norddeutschland

Beitrag von Thomas(Metal) » Sa 7. Sep 2019, 22:20

Ich empfehle etwas Mathematik um der scheinbaren Großzügigkeit auf die Schliche zu kommen. 5x5=25. Wird also ein Gebiet z. B 5 bis 10 km hinter der Grenze überstrahlt das dann auch noch 5 km breit ist, ist das Maß ohne Zustimmung bereits voll. [Nachtrag] Oder ohne viel zu rechnen: Göttingen hat laut Wikipedia eine Fläche von 116m².
Muß man Niedersachsen nun schon Großzügigkeit unterstellen wenn man die bisherige Praxis hier dagegenhält? :verrueckt:

Süden/Mitte: 25m² zusammenhängend dürfte 10A/11D aus Bayern noch um Wiesbaden problemlos schaffen...
Zuletzt geändert von Thomas(Metal) am Sa 7. Sep 2019, 23:11, insgesamt 1-mal geändert.
QTH: 911-69 (II: Körner 9.2, III: LPDA16), QTH-alt: 9354 (II: FUBA UKA-028)
Alle Postings sind als Privatmeinung anzusehen.

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Re: DAB in Norddeutschland

Beitrag von RF_NWD » Sa 7. Sep 2019, 22:59

Diese 25km² Bagatellgrenze hat bei mir auch fast einen Lachkrampf ausgelöst.
Aber ein bisschen grosszügiger sind die gezeichneten Polgone für die gegenseitige Tolerierung ohne Notwendigkeit einer vertraglichen Zustimmung dann doch.. Von wem das Ganze ausgeht, kann man nur spekulieren.
Ich meine mich zu erinnern, dass es mal einen Beitrag "Frag den NDR " zum DAB + Standort Dannenberg gab, wo auf Schwierigkeiten wegen der Überstrahlung in die Nachbarländer hingewiesen wurde. und deshalb die Inbetriebnahme erst mal auf Eis gelegt wurde. Möglicherweise hat der NDR ein Interesse daran, solche Fälle geregelt zu bekommen.
QTH: 52,32 /9,21

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Marc!?
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Re: DAB in Norddeutschland

Beitrag von Marc!? » So 8. Sep 2019, 12:51

RF_NWD hat geschrieben:
Sa 7. Sep 2019, 22:59
Diese 25km² Bagatellgrenze hat bei mir auch fast einen Lachkrampf ausgelöst.
Aber ein bisschen grosszügiger sind die gezeichneten Polgone für die gegenseitige Tolerierung ohne Notwendigkeit einer vertraglichen Zustimmung dann doch.. Von wem das Ganze ausgeht, kann man nur spekulieren.
Ich meine mich zu erinnern, dass es mal einen Beitrag "Frag den NDR " zum DAB + Standort Dannenberg gab, wo auf Schwierigkeiten wegen der Überstrahlung in die Nachbarländer hingewiesen wurde. und deshalb die Inbetriebnahme erst mal auf Eis gelegt wurde. Möglicherweise hat der NDR ein Interesse daran, solche Fälle geregelt zu bekommen.
Aber Dannenberg ist doch eigentlich kein Problem. Im Prinzip müsste man zwei Halbstrahlantennen montieren. Eine für NDS und die andere für MV, der Bundesmux läuft dann über beide Teile als ND Konfiguration. Keine Ahnung, ob das die aktuelle Antennenanlage kann.
Zuletzt geändert von Marc!? am So 8. Sep 2019, 14:20, insgesamt 1-mal geändert.

RF_NWD
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Re: DAB in Norddeutschland

Beitrag von RF_NWD » So 8. Sep 2019, 13:26

Nach dieser Verwaltungsvereinbarung wäre es unproblematisch von Dannenberg mit 10 KW Richtung Schwerin zu senden. Das zulässige Polygon reicht bis Pampow . fast 60 km von Dannenberg entfernt.

Hier die Polgone aus der Vereinbarung: ( Karten dazu im PDF Dokument des Landtags S-H)

Überstrahlung durch Schleswig-Holstein

Polygonzug:
Scharhörn-West – Dorum – Sittensen - Ebstorf – Hitzacker - Bad Kleinen – Neukloster – Warnemünde

Zusätzlich wird die Inbetriebnahme eines DAB-Senders auf Helgoland zugelassen (max. 500 W ERP ND, ca. 105 m Antennenhöhe).


Überstrahlung durch Mecklenburg-Vorpommern

Polygonzug:

Puttgarden – Malente – Reppenstedt – Bergen (Dumme)


Überstrahlung durch Hamburg

Polygonzug:

Brunsbüttel – Hohenweststedt – Ahrensbök – Ratekau – Zarrentin – Neuhaus (Elbe) – Emmendorf – Neuenkirchen –Zeven – Eberstorf – Wingst

Zusätzlich wird die Inbetriebnahme eines DAB-Senders in Cuxhaven zur Versorgung Neuwerks zugelassen
(max. 500 W ERP ND in Cuxhaven-Altenwalde,

ca. 100 m Antennenhöhe
oder vergleichbare Versorgung

Überstrahlung durch Niedersachsen

Polygonzug: Scharhörn-West – St. Peter Ording – Garding - Hohenwestedt – Kaltenkirchen - Mölln – Pampow – Suckow (A24)
QTH: 52,32 /9,21

UKW/DAB + : Panasonic RF D10
mobil: Sony XDR P10DBP / Sangean DPR 34

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