DAB-Repeater - genauer erklärt

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strade
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DAB-Repeater - genauer erklärt

Beitrag von strade »

Hier und da liest man von einem DAB-Repeater, in der Regel ein leistungsschwaches Senderchen irgendwo. Diese Repeater sind doch vereinfacht gesagt nur HF-Verstärker, die ein ankommendes Signal mit etwas Dampf auf einer anderen Antenne z.B. auf ein abgelegenes Fleckchen Erde sendet. Bei UKW war das ja schon kaum möglich im Gleichwellenbetrieb eine 102,0 zu empfangen und auf einer 102,0 vom selben Turm wieder auszusenden., Wie soll das bei DAB klappen, oder gibt es Dank der Digitaltechnik irgenwelche Tricks ?
Georg A.
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Re: DAB-Repeater - genauer erklärt

Beitrag von Georg A. »

strade hat geschrieben: Mo 16. Feb 2026, 14:44 Hier und da liest man von einem DAB-Repeater, in der Regel ein leistungsschwaches Senderchen irgendwo. Diese Repeater sind doch vereinfacht gesagt nur HF-Verstärker, die ein ankommendes Signal mit etwas Dampf auf einer anderen Antenne z.B. auf ein abgelegenes Fleckchen Erde sendet. Bei UKW war das ja schon kaum möglich im Gleichwellenbetrieb eine 102,0 zu empfangen und auf einer 102,0 vom selben Turm wieder auszusenden., Wie soll das bei DAB klappen, oder gibt es Dank der Digitaltechnik irgenwelche Tricks ?
Das klappt gerade deswegen, weil es DAB ist, das schon vom Prinzip her mit Gleichwellenbetrieb kein Problem hat, solange die Laufzeitverzögerungen durch andere Sender nicht einen bestimmten Wert überschreiten (ca. 80km). Effektiv liegt das an OFDM. Statt eine Information schnell auf einen Träger zu modulieren, wird die Information sehr langsam auf sehr vielen Trägern übertragen. Zusätzlich gibts noch eine Art "Abklingzeit" (aka Guard-Intervall), in dem die unterschiedlich ankommenden Änderungen ignoriert werden können (das ist das, was sonst bei digitalen Übertragungen stört (ISI, Inter Symbol Interference)). Danach ist ein konstanter Zustand von konstruktiver und destruktiver Interferenz für jeden einzelnen Träger, wobei eine völlige Auslöschung eher unwahrscheinlich ist. Mit etwas Redundanz stört das Fehlen einzelner Bits dann auch nicht mehr.

Diese Unempfindlichkeit gegenüber Echos ist ja gerade der Grund, warum so gut wie überall jetzt OFDM verwendet wird (DSL, DVB-T, DVB-C2, LTE, 5G, WLAN, ...).

BTW: "Echte" DAB-Repeater haben noch eine Rückkopplungserkennung drin, falls die Empfangsantenne zuviel vom eigenen Sendesignal empfängt. Sonst würde der Repeater zu einem Störsender ;)
strade
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Re: DAB-Repeater - genauer erklärt

Beitrag von strade »

Hey Georg, vielen Dank für die genauen Infos :)
frank.koriander
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Re: DAB-Repeater - genauer erklärt

Beitrag von frank.koriander »

Repeater sind ja in Deutschland bisher weitgehend nur beim NDR im Einsatz. Beim 1. Bundesmux experimentiert MB in Wiedenest im Bergischen mit dieser Technik, beim BR ist es afaik nur der Standort Jenner, der als Repeater fungiert. Man spart sich halt die teure Anbindung mit jeder Menge technischem Equipment an den SFN-Betrieb, da der Repeater einfach das empfangene Signal aufnimmt, verstärkt und wieder ausgibt. Andererseits: So einfach ist das dann doch wieder nicht. Am besten funktioniert es bei einem Standort, bei dem z.B. ein Signal aus dem Osten empfangen wird und dann nach Westen abgestrahlt wird. In jedem Fall müssen Empfangs- und Sendeantenne gut entkoppelt sein und brauchen einiges an gegenseitigem Abstand. Am Standort Bad Bentheim war das z.B. nicht möglich, so wie es zunächst geplant war.

Strahlungsleistung ist wohl egal, in der Theorie kann auch ein Repeater mit 10 kW senden. Da ist es aber freilich dann nochmal schwieriger, Empfangs- und Sendeantenne voneinander zu trennen.
Kohlberger91
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Re: DAB-Repeater - genauer erklärt

Beitrag von Kohlberger91 »

Im Gebirge hat man den Vorteil, dass sich unter Umständen Empfangsantenne und Sendeantenne einfacher voneinander trennen lassen. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, dass es beim Jenner ebenfalls so ist, dass die Empfangsantenne an einem wo anders auf dem Berg montiert ist. Theoretisch könnte man an einem Berg beispielsweise die Empfangsantenne auf der Ostseite und die Sendeantenne gezielt auf der Westseite mit Blickrichtung gezielt dem Tal installieren. Das Sendesignal würde dadurch die Empfangsantenne gar nicht oder nur sehr schwach erreichen, da der Berg selbst als Abschirmung wirkt. Es stellt sich natürlich die Frage, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt, wenn die Multiplexe ohnehin fix und fertig über Satellit verfügbar sind. Wenn das Signal aufgrund der Leitungslänge ohnehin per Lichtwellenleiter von Antenne A zu Senderstandort B übertragen werden muss, kann man es im Grunde gleich direkt vom Satelliten holen. So sind ja auch viele Füllsender des BR angebunden. Wo es auch Sinn macht, in Tunneln oder Unterführungen, bei denen kein komplexes Tunnelfunksystem vorgeschrieben ist. Ein Beispiel dafür ist der Tunnel Bernhardswald an der Bundesstraße 16 bei Regensburg, der nur rund 200 Meter lang ist. Sendeanlagen mit der Möglichkeit für Durchsagen sind soweit ich weiß erst ab einer Länge von 500 Metern vorgeschrieben. Ich könnte mir daher gut vorstellen, dass in Bernhardswald lediglich auch nur ein Repeater-System im Einsatz ist. Empfangsantenne sind jedenfalls draußen zu erkennen.
jkr 2
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Re: DAB-Repeater - genauer erklärt

Beitrag von jkr 2 »

Der DAB-Repeater Jenner ist hier

https://bgl.wiki/bgl/Sender_Jenner

sehr ausführlich beschrieben, auch mit Fotos.

Die Empfangsantenne ist räumlich abgesetzt und fast 100 Meter tiefer plaziert
QTH: Regensburg
ulionken
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Re: DAB-Repeater - genauer erklärt

Beitrag von ulionken »

Bei der SRG vermute ich zwei konkrete Situationen, bei denen DAB-Repeater zum Einsatz kommen. In beiden Fällen vergrössert der mutmassliche Repeater das Versorgungsgebiet des örtlichen DAB-Senders in ein sonst abgeschattetes Tal. Die TIIs des Hauptsenders und des vermuteten Repeaters sind jeweils die gleichen. Allerdings sind jeweils beide Standorte auch per Richtfunk angebunden; ein Repeaterbetrieb ist von daher also nicht zwingend, sondern nur in der Situation praktikabel.

Fall 1: SRG SSR R01 (12D), Val Müstair, Sender Santa Maria und "Füllsender" Tschierv/Ofenpass. Santa Maria ist 2012 in Betrieb gegangen, der Sender am Ofenpass (Pass dal Fuorn) in 2019. Karte: https://s.geo.admin.ch/argj97socpm6 . Das koordinierte Richtdiagramm am Ofenpass zeigt nur nach Westnordwest (270-330°), also in Richtung Zernez und nicht "rückwärts" nach Santa Maria. Das zeigt auch mein Bild vom Februar 2021 in FMLIST (im Vorbeifahren aufgenommen und daher schlecht aufgelöst). Die Empfangsantenne vermute ich weiter unten am Mast, aber das ist im Bild nicht klar erkennbar.

Fall 2: SRG SSR D01 (12C), Schächental, Sender Attinghausen/Schiltwald und "Füllsender" Spiringen-Bürglen/Eggenbergli. Attinghausen ist seit 2012 in Betrieb, Spiringen seit 2024. Karte: https://s.geo.admin.ch/twccog2fyvqd . Auch hier zeigt das Richtdiagramm des Füllsenders ins sonst abgeschattete obere Schächental (70-110°) und nicht rückwärts nach Attinghausen. Ein Bild der Antennenanlage habe ich hier noch nicht.

Als weiteren Beleg, dass hier wirklich DAB-Repeater im Einsatz sind, müsste man z.B. mit QIRX das Timing der beiden DAB-Signale an einem geeigneten Empfangsort vergleichen. Das Signal des Repeaters müsste bei ähnlicher Distanz mit geringer zeitlicher Verzögerung ankommen.

73 de Uli
Zuletzt geändert von ulionken am Di 17. Feb 2026, 21:49, insgesamt 2-mal geändert.
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TEF668x, Körner 9.2 u.a.
QTH: Lörrach, JN37TO
Harald Z
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Re: DAB-Repeater - genauer erklärt

Beitrag von Harald Z »

Habe mir da etwas zusammengereimt und stelle es zur Diskussion:

Code: Alles auswählen

Repeater
Berchtesgaden/Jenner       bay   8 m 1    kW 290°  (66°) 356° 16 km Untersberg [AUT] 5 kW 0109:11D,10A/3505:7A
Celle (Sägemühlenstr.)     nds  49 m 0,2  kW 10°  (153°) 217° 31 km Hannover/Telemax 8 kW           3101 - 7A	
Wolfsburg Klieversberg     nds  55 m 0,2  kW 0°   (178°) 178° 22 km Braunschweig/Drachenberg 16 kW  3501 - 6C
Kappeln-Ost                shs  40 m 0,1  kW 100° (164°) 296° 33 km Flensburg-Engelsby 10 kW        1601 - 12B
Ahrenshagen (Krakow)       mev  54 m 0,2  kW 180° (167°) 347° 51 km Rostock-Toitenwinkel 2,5/2 kW   2201 - 11B
Balderschwang/Oberberg     bay   7 m 0,2  kW 180° (123°)  57° 18 km Grünten (Allgäu) 4 kW 0316:11D,10A/3101:8B
Heeslingen-Steddorf        nds 129 m 5    kW 245° (165°)  80° 30 km Rosengarten/Langenrehm 10 kW    3404 - 9B
Molbergen/Peheim           nds 204 m 0,8  kW rund   -     67° 44 km Steinkimmen 10 kW               3301 - 8D
Bad Pyrmont Hamberg-nrw    nds  31 m 0,16 kW 60°   (62°) 358° 32 km Stadthagen Bückeberge 10/7 kW   3102 - 7A	   
Bad Oldesloe Meddewade     shs  54 m 0,2  kW 350°  (78°) 272° 27 km Kaltenkirchen-Kisdorf 10/5,5 kW 1304 - 10C
Demmin                     mev  77 m 0,2  kW 55°   (22°)  77° 37 km Züssow 5 kW                     2302 - 8B
Niebüll                    shs  66 m 0,63 kW 90°  (157°) 293° 25 km Morsum (Sylt) 6,3 kW            1602 - 12B 
Balderschwang/Kreuzle Alm  bay   8 m 0,2  kW 280° (131°)  51° 17 km Grünten (Allgäu) 4 kW           1213 - 5C    
Wilsum                     nds  42 m 0,5  kW 280° (171°)  91° 32 km Lingen -Damaschke 10 kW         3202 - 10A  
Wiedenest                  nrw  38 m 0,4  kW 240° (142°)  22° 12 km Ebbegebirge Herscheid 10 kW     2010 - 5C
Wolfsburg Klieversberg     nds  55 m 0,2  kW 0°   (135°) 135° 29 km Braunschweig/Broitzem 10/9 kW   3502 - 11B
Lauenburg  Echem           shs  50 m 0,5  kW 350°  (13°)   3° 26 km Mölln -Fuhlenhagen 5 kW         1203 - 9A
Stadtoldendorf             nds  42 m 0,2  kW 316°  (55°) 261° 22 km Köterberg Lügde-Rischenau 1 kW  3506 - 6C
Verden Kirchlinteln Luttum nds  93 m 1    kW 290°  (11°) 301° 40 km Bremen-Walle 2 kW               3306 - 8D      
Tessin Vogelsang           mev  55 m 0,1  kW 350°  (49°) 301° 26 km Rostock-Toitenwinkel 2,5/1,3 kW 2201 - 11B
Strasburg Matzdorf         mev  63 m 0,2  kW 50°  (151°) 201° 12 km Helpterberg 4/0,5 kW            2402 - 10C
Borkum                     nds  53 m 0,25 kW 40°   (63°) 103° 53 km Aurich -Popens 16 kW            3302 - 8D

evtl. als Repeater geplant?
Bad Segeberg               shs 124 m 0,2  kW 50°   (47°)  97° 22 km Lübeck Stockelsdorf 2/0,2 kW    4101 - 9D  		
Fehmarn Puttgarten         shs 101 m 0,5  kW 220°  (5°)  225° 44 km Bungsberg 5/3,4 2/1,3 2/1,3 kW 1201:9A 2505:5C 4108:9D
Wustrow Canow              mev  62 m 0,5  kW 355°  (41°)  36° 20 km Neustrelitz 2 kW                2404 - 10C
Sternberg                  mev                           246° 28 km Schwerin 10 kW                  2101 - 12B
Melle - Buer               nds  43 m 0,1  kW 260°  (4°)  256° 29 km Osnabrück Dörenberg 4/3,1 kW    3201 - 10A 
Osterode Lasfelde          nds  62 m 0,5  kW 240°  (17°) 223° 25 km Göttingen Nickolausberg 10 kW   3513 - 6C
Herzberg Sieber            nds  47 m 0,05 kW 220°  (24°) 244° 35 km Göttingen Nickolausberg 10 kW   3513 - 6C	
Dana Diezemann
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Re: DAB-Repeater - genauer erklärt

Beitrag von Dana Diezemann »

Da der TII Code unverändert ist, habe ich bei gleichzeitigem Empfang beider Signale ungefähr einen zeitlichen Versatz von 6us. So könnte ich definitiv einen Repeater erkennen.
Der Versatz kommt durch die Durchlaufverzögerung und die Echo Cancelation, damit es keine Rückkopplung gibt. Wie das Pfeifen beim Mikro zu nah am Lautsprecher.
Ich hab nen R&S DAB Repeater mit DSP und 250 Watt Endstufe. Das funktionierte damals bei Tests einwandfrei. Rechnerisch braucht es aber wie schon hier geschrieben eine gute Entkoppelung der Empfangs- von der Sendeantenne.
DH0GHU
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Re: DAB-Repeater - genauer erklärt

Beitrag von DH0GHU »

Wobei das Thema ja auch beherrschbar ist. Gute Richtantennen haben Nebenkeulenunterdrückungen >30 dB, wenn man das Sende- UND Empfangsseitig nutzt, kommen schon >60 dB zusammen. Idealerweise beschert die örtliche Baustruktur noch mal eine Entkopplung (klappt z.B. sehr gut bei Stahlbeton-Türmen).
Dazu kann man das Sendesignal schon im HF-Empfangspfad aktiv phaseninvers einkoppeln (wird das in der Praxis getan? kenne das von anderen HF-Systemen im Kolokalisationsfall zur Unterdrückung standortnaher Störquellen), darüber erreicht man auch nochmal locker 20 dB Entkopplung, wenn das dann überhaupt nötig ist. Die Füllsender haben ja keine hohe Leistung, und oft ist der Muttersender nicht weit weg und man hat auch Sicht zum Muttersender, also die gleichen Line-of-Sight-Bedingungen.
Kritischer sind dann eher Reflexionen im Nahfeld, d.h. idealerweise steht der Muttersender auch in einer ganz anderen Richtung als das Versorgungsgebiet, damit man keine gemeinsamen Reflektoren anstrahlt.
QTH: Obersöchering/JN57OR, zeitweise Kehl/JN38VN
http://zitate.net/kritik-zitate
Lebe stets so, dass die fckAfD dagegen ist!
Sprach der König zum Priester: "Halte du sie dumm, ich halte sie arm."
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