Es handelt sich um einen VW Golf 8 aus dem Jahr 2022 mit dem Radiosystem Discover Media. Neben der Telefonschnittstelle für das Smartphone ist auch eine integrierte SIM fest im Fahrzeug verbaut. Diese ist für das Notrufsystem e-Call Zulassungsvoraussetzung. Darüber wird aber auch Zugang zu weiteren Online-Diensten wie OTA-Updates, Live Verkehrsdaten oder eben Webradio ermöglicht. Und das bestmöglich im Fahrzeug und der Bedienoberfläche integriert. Ich persönlich bin nämlich kein Fan von Android Auto und Apple Carplay. Bedingung ist bei Volkswagen ein aktivierter Zugang bzw. Account für „VW Connect“. Dieser ist ab Werk zwei Jahre kostenfrei, danach kann er für je ein oder zwei Jahre verlängert werden. Wermutstropfen: Derzeit kostet dies (nach Ablauf des Gratiszeitraums) 145€ für ein Jahr. Möchte man die eingebaute SIM für Mediendienste wie das Webradio anwenden, ist für 35€ Jahresgebühr noch ein Datenpaket bei Cubic Telekom zu buchen (25GB), alternativ kann man aber auch kostenneutral das Smartphone als Hotspot zur verfügung stellen. Puh. Das wäre mir rein für Webradiozugang viel zu teuer, zusammen mit den anderen Features finde ich es noch akzeptabel. VW scheint das mittlerweile aber auch ein Stück weit eingesehen zu haben, nach meinen Infos ist bei den aktuellen Fahrzeugen kein separates Datenpaket mehr erforderlich, sofern man einen aktivierten VW Connect Zugang hat. Funfact: Die Elektromodelle wie ID.Buzz oder ID.4 haben dieses „Privileg“ schon länger.
Mit entsprechender Konfiguration des Infotainmentsystems lässt sich im Golf eine gemeinsame Favoritenliste für UKW/DAB/Webradio anlegen und abrufen, wahlweise über das zentrale Display oder über die Lenkradtasten. Man zappt also zu den Webradios genau wie zu den terrestrischen Programmen, ein umständliches Wechseln der Quelle entfällt. Auch die Darstellung ist identisch zu den klassischen Übertragungswegen, das heißt es werden nach Verfügbarkeit auch die Senderlogos und Titelanzeigen dargestellt. In Summe verschmelzen Webradio und DAB/UKW zu einer gemeinsamen Einheit. Es funktioniert überdies reibungslos, auch wenn man beispielsweise auf Einkaufstour ist und nach kurzen Etappen wieder aus und einsteigt und das System jedes mal wieder schnell hochfahren muss. Die von mir getesteten Streams waren alle innerhalb von 2-3 Sekunden da und liefen störungsfrei. Bislang habe ich das Webradio auf regionalen Überlandstrecken getestet. Vorteil des im Fahrzeug integrierten Systems: Durch die Verwendung der Dachantenne ist der Webradioempfang auf dem Land bei mäßiger Netzabdeckung nach ersten Erkenntnissen deutlich stabiler als per App mit Smartphone, welches in der Mittelkonsole liegt. Nach meinen Infos bedient sich das System zwecks Internetzugang an allen verfügbaren Handynetzen, mit augenscheinlicher Bevorzugung für Vodafone. Ich bin gespannt, wie es sich demnächst auf Langstrecken mit längerer Nutzung darstellen wird. Je nach Stream und entsprechender Bitrate ist der Klang sogar geringfügig besser als über DAB+. Hier will ich aber anmerken, dass ich auch keine Hi-Fi-Auswüchse erwarte, denn das ist unterwegs zwischen Motor-, Wind- und Abrollgeräuschen auch gar nicht sinnvoll zu erzielen.
Gewohnte Oberfläche des Infotainmentsystems. Es läuft DR P3 über den Webstream.
Großansicht Radiooberfläche, keine relevante Abweichung in der Darstellung zu den anderen Empfangswegen
Suchfunktion für die Webprogramme, Funktionsweise ähnlich der Adresseingabe im Navi per Displaytastatur (hier ausgeblendet)
Bieten wir den ahnungslosen deutschen Beifahrern unterwegs doch mal was anderes als sonst an
Hybride Sender- bzw. Favoritenliste, DR P3 und Bremen Next per Web, der Rest über DAB oder UKW.
Der Plattformdienstleister ist übrigens Audials. Verschiedene Bitrates lassen sich nicht wählen oder einstellen, das Gebotene ist ein Kompromiss aus gutem Audio und Datensparsamkeit für stabilen Stream unterwegs. Im Gegensatz zu Apps wie dem Radioplayer usw. wird keine separate Werbung vor den Stream geschaltet. Audials berücksichtigt dafür leider die programmseitigen Beschränkungen zum Thema Ausland bzw. Geoblocking. Das Programm NPO Blend lässt sich im Fahrzeug hierzulande nicht finden. Es ist wie auf meinem iPad Zuhause leider gesperrt (im Gegensatz zum Digitradio 600 in der Küche, da gehts).
In Summe bin ich von der vollintegrierten Umsetzung des Webradioempfangs ziemlich begeistert. Mit der Möglichkeit kann man das bestmögliche aus beiden Empfangswegen rausholen.